Ergebnisse vom Renntag in Berlin-Mariendorf: Mit Tarzan-Schrei zum Sieg

 

Werner Schnieder und Bolero R.A. gewinnen den mit 7.000 Euro dotierten Winterpokal der Amateure nach einem Wimpernschlag-Finish

Mariendorf, 29. Dezember 2013.

„Ich habe dem Wallach im Einlauf zweimal die Peitsche gezeigt, aber er reagierte überhaupt nicht – da musste ich ihn ein bisschen mit Worten aufmuntern“, schmunzelte Werner Schnieder im Siegerinterview nach seinem Triumph mit Bolero R.A. im letzten bedeutenden Rennen der Berliner Saison 2013. Der Erfolg beim Winterpokal um 7.000 Euro Preisgeld mit dem für die Farben von Angelika Jost-Schick laufenden Traber hätte nicht knapper ausfallen können. Das Duell zwischen dem neuen Mariendorfer Amateur-Champion und seiner Gegenspielerin Sina Baruffolo, die ihren Schützling Jimmy Blue ebenfalls in bärenstarker Manier präsentierte, entwickelte sich zu einem packenden Thriller. Der innen liegende Jimmy Blue, der frühzeitig die Rolle des Tempomachers übernommen hatte, und der außen attackierende Bolero R.A. lieferten sich die gesamte Zielgerade herunter einen Kampf bis aufs Messer. Erst hatte Bolero R.A. seine Nüstern vorne, dann fightete sich Jimmy Blue mit enormer Willenskraft zurück – ein echtes Wimpernschlag-Finale. Und dann, ungefähr fünfzig Meter vor der Linie, geschah es: Werner Schnieder entfuhr ein Urschrei, der in seiner Lautstärke dem Gebrüll eines an der Liane herabstürzenden Tarzans glich. Sicherlich eine ungewöhnliche Methode – aber es war genau die richtige Maßnahme, um dem energisch wachgerüttelten Bolero R.A. noch einmal Flügel zu verleihen. Der Wallach rang seinen Gegner hauchdünn nieder.

Sicherlich hätten auch Marisa Bock und Cathrin Nimczyk gerne ein Siegesgeheul angestimmt, denn ein Erfolg beim Monté wäre für sie die Vorentscheidung beim Kampf um das bundesdeutsche Championat der Trabreiter gewesen. Doch aus dem Zweikampf der mit jeweils zehn Saisonsiegen genau gleichauf liegenden Konkurrentinnen wurde es nichts. Die noch amtierende Championesse Bock ging mit dem Topfavoriten Bon Ami mit Erreichen des Einlaufs sang- und klanglos unter und ihrer Herausforderin Nimczyk blieb mit der außen herum überforderten Minou Columbus nur der dritte Rang. Stattdessen machte eine erst 19 Jahre junge Berliner Reiterin die Musik: Viktoria Peitz, die Tochter des Mariendorfer Trainers Peter Scheack und der ehemaligen Amateurfahrerin Manuela Peitz, setzte ihre im Familienbesitz laufende Stute Lili Marleen aus dem Schlussbogen heraus punktgenau ein und sorgte mit der Riesenaußenseiterin für eine Toto-Explosion. Sieg 394:10 und Place 654:10 lauteten die Quoten für die Vierbeiner-Lady, über die ihre Reiterin nach dem Erfolg strahlte: „Lili Marleen ist manchmal launisch wie eine kleine Diva – aber heute hat sie einfach einen superguten Tag erwischt!“      

Viva l’Italia: Die Veranstaltung war nicht nur die Glanzstunde des Werner Schnieder und der Viktoria Peitz, sondern es war auch der große Auftritt des Andrea Lombardo. Der routinierte Berufsfahrer, der seit einigen Wochen das Stallteam von Maik Esper unterstützt, feierte die ersten Erfolge in seiner neuen Heimat. Mit dem auf der letzten Halben gebrachten Rock of Gibraltar setzte sich der Italiener unmittelbar vor der Ziellinie durch und der darauf folgende Triumph von Julius Southwind ergab sich nach ähnlich dramatischem Geschehen – der noch Ende der Gegenseite deutlich hinter der Spitze positionierte Dreijährige gewann nach einem tollen Schlussspurt mit Nüsternbreite. Dem aus dem Traberwesten angereisten Tim Schwarma gelang ebenfalls ein Doppeltreffer. Mit Bachmann scheute der 22-jährige Profi den Weg außen herum nicht und freute sich im Anschluss: „Ich wusste, dass der Dunkelbraune mit diesem Rennverlauf keine Probleme hat“. War dieser Sieg schon recht deutlich, fiel Schwarmas zweiter Tageserfolg mit der kurz vor dem Schlussbogen eingesetzten Ann Account sogar drückend überlegen aus.

Zwar nicht mit einem solch gewaltigen Vorsprung, aber trotzdem überaus souverän kam der von Heinz Wewering gesteuerte Il Lamborghini nachhause. Gegenüber seinem letzten Auftritt präsentierte sich der Fuchswallach geradezu um Welten gesteigert. Der Sechsjährige flog auf der Gegenseite mit einem fulminanten Zwischenspurt am gesamten Feld vorbei und stand das vorgelegte Tempo bis zum Pfosten eisern durch. Nicht ganz so spektakulär, aber mit großer Autorität agierte Vulkan, der von seinem Trainer Daniel Wagner sehr umsichtig vorgetragen wurde und nie mehr als nötig tun musste, um Disney As (Robert Pletschacher) in Schach zu halten. Völlig konträr ging es beim Sieg von Dennis Spangenberg und Not to Bi zu, denn dort entwickelte sich auf den letzten Metern – wie so oft an diesem Nachmittag – erneut ein Finishkrimi. Im Rücken seiner Gegner wartete Spangenberg eiskalt den richtigen Moment ab und in einer vehement um den Erfolg ringenden Dreier-Phalanx war sein Schützling am Ende das stärkste Pferd. .    

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 104.279,57 Euro – Bahnumsatz: 35.568,00 Euro – Außenumsatz: 68.711,57 Euro

Die nächste Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Donnerstag, dem 2. Januar statt. Beginn ist um 16.30 Uhr!