Ergebnisse Voltigieren WM Frankreich 2014: Neuss geht in Führung

Showdown am Freitag verspricht spannendes Duell mit der Schweiz / Erik Oese jetzt auf Bronzerang

Caen (fn-press). Nach dem zweiten Wettkampftag der Voltigierer bei den Weltreiterspielen in Caen rangiert Deutschland weiterhin auf zwei Medaillenrängen. Das Team des RSV Neuss-Grimlinghausen schob sich mit der zweitbesten Kür des Tages vor dem finalen Umlauf am Freitag auf die Poleposition. Bei den Herren kletterte Erik Oese aus Dresden mit der drittbesten Kür des Tages auf Rang drei.

Da waren es nur noch zwei: Nach dem zweiten Durchgang musste sich einer der Titelaspiranten frühzeitig von seinen Gold-Hoffnungen verabschieden. Die österreichische Equipe, die am Dienstag zum Auftakt den Pflichtdurchgang gewann, blieb in der Kür deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Das Team des RSV Neuss-Grimlinghausen zeigte derweil mit 8,928 Punkten eine hervorragende Leistung auf Delia und musste sich nur der Mannschaft Lütisburg aus der Schweiz geschlagen geben. Das Team von Monika Winkler-Bischofberger kam auf dem Rücken von Will Be Good auf 8,956 Zähler.

Bei den Österreichern lief nach dem fulminanten Auftakt vom Vortag nicht viel zusammen. Nach der ersten Kür hatten die Vertreter der Alpenrepublik um Equipechef Manfred Rebel nur wenig Grund zur Freude. Das Pferd Alessio I Amabile zeigte sich von der beeindruckenden Kulisse im Zénith-Stadion von Caen – eigentlich ein großes Theater – sehr nervös. Auch die Voltigierer konnten keine Sicherheit ausstrahlen und fielen im Endklassement über vier Zehntel zurück.

An der Spitze kommt es nun zu einem Showdown zwischen Deutschland und der Schweiz. Hauchdünn liegt Neuss in Führung. Die Equipe um Longenführerin und Trainerin Jessica Schmitz verbucht nach zwei Durchgängen 8,39 Punkte. Die Eidgenössinnen folgen mit 8,357. Die letzte Kür am Freitagabend wird die Entscheidung bringen. Brisant dabei: Auch 2012 in Le Mans war es zum Zweikampf zwischen diesen beiden Nationen gekommen. Damals holten sich die Schweiz den Titel.

Dass es 2014 das bessere Ende für die Voltigierer aus der Bundesrepublik geben wird, davon ist Ulla Ramge überzeugt. Die Bundestrainerin war nach dem Auftritt der amtierenden Europameister voll des Lobes. „Die Neusser haben heute mit ihrer Kür begeistert“, sagte die 51-Jährige. Für die Warendorferin spielte die Choreografie der Rheinländer sogar in einer anderen Liga. „Das ist zumindest bei den Zuschauern so rübergekommen. Viele Voltigierer und Trainer der anderen Nationen kamen zu mir, beglückwünschten uns zu dieser Darbietung und sagten, dass sie Gänsehaut hatten. Das ist außergewöhnlich“, berichtete Ramge. Die Bundestrainerin hatte auch die Schweizer Konkurrenz gesehen. „Die Lütisburgerinnen waren noch sauberer als wir, aber die Artistik-Noten kann ich nicht nachvollziehen.“ Grund: Eine Richterin wertete die Schweizer in diesem Teilaspekt der Kürnote, die zu einem Großteil auf die Gestaltung eingeht, vor die Deutschen.

Für das Finale ist die gesamte deutsche Equipe optimistisch. „Bei der Schweiz geht es nicht besser, wir haben noch Luft nach oben“, lautet die Analyse von Ulla Ramge. Ärgerlich heute: Zweimal gab es nach den schwierigen Abgängen Bodenberührungen, die zu Punktabzug führten. „Das muss am Freitag noch besser klappen, dann ist alles drin.“

Auch bei den fünf deutschen Einzelvoltigierern ist noch einiges drin. Die beiden Damen mussten heute allerdings kleinere Rückschläge in Kauf nehmen. Sowohl Corinna Knauf (Köln) als auch Kristina Boe (Hamburg) patzten kurz vor ihren Abgängen. Knauf blieb mit Fabiola und Longenführerin Alexandra Knauf auf Rang fünf und verbucht zwei Zehntel Rückstand auf die viertplatzierte Anna Cavallaro. Titelverteidigerin Joanne Eccles holte sich mit der besten Kür den Tagessieg und zudem Platz eins im Zwischenranking. Auf den weiteren Rängen folgen Rikke Laumann aus Dänemark und Simone Jäiser aus der Schweiz.

„Corinna hatte heute eine perfekte Kür bis fast zum Ende“, analysierte Disziplintrainer Kai Vorberg. Bei einer ganzen Längsachsen-Drehung in den letzten Sekunden des Programms verlor die deutsche Meisterin dann das Gleichgewicht. „Sie musste den Abgang improvisieren, das war in dieser Situation auch völlig angemessen, aber schade, denn es kündigte sich an, die Kür ihres Lebens zu werden“, kommentierte Vorberg.

Boe und ihr Pferd Highlander – longiert von Winnie Schlüter – hatten hingegen während der gesamten Darbietung leichte Probleme in der Feinabstimmung. Auch Boe patzte schließlich bei einer dynamischen Drehung kurz vor dem Schluss und konnte ihren freien Radabgang nicht zeigen. Die 26-Jährige liegt trotzdem noch auf einem sehr guten sechsten Rang.

Bei den Herren bleibt die Ausgangslage unverändert: Die Franzosen Jacques Ferrari und Nicolas Andreani rangieren an der Spitze. Ferrari gewann auch die Kür vor seinem Landsmann. Das deutsche Trio folgt den Gastgebern allerdings unmittelbar. Erik Oese konnte sich mit Calvador, longiert von Andreas Bäßler, mit der drittbesten Tageswertung auf den Bronzerang vorarbeiten. Das Sachse steht aktuell bei 8,348 Punkten (Ferrari: 8,624/Andreani: 8,52). „Erik hatte ein, zwei Situationen, in denen er klären und leicht nachfassen musste, aber er hat es alles in allem sehr gut gelöst“, sagte Kai Vorberg. Morgen folgt mit dem Technikprogramm die große Stärke von Oese.

Mit dem besten Gefühl konnte heute sicherlich Viktor Brüsewitz aus dem Zénith-Stadion in Caen aus dem Zirkel laufen. Kai Vorberg: „Viktor war sehr souverän. So muss man erst einmal in der ersten Kür bei Weltreiterspielen durchkommen, das ist nicht selbstverständlich.“ Punktetechnisch blieb der Hannoveraner allerdings hinter den Führenden. „Das ist etwas, was nicht in unserer Macht steht und deshalb auch nicht zu kommentieren ist. Entscheidend ist, dass wir an den Punkten ansetzen, die wir beeinflussen können und da hat Viktor heute alles richtig gemacht.“ Der amtierende deutsche Meister aus Garbsen leistete sich keine Fehler und kassierte mit Highlander – longiert von Winnie Schlüter – die viertbeste Kürnote. Damit liegt er aktuell auch im Gesamtklassement auf Platz vier, gefolgt von seinem jüngeren Bruder Thomas Brüsewitz. Der 20-Jährige bot auf Airbus, gewohnt souverän vorgestellt von Irina Lenkeit, ein solides Programm, allerdings mit Reserven. „Thomas hat das heute gut gemacht. Er war leider nicht ganz so präzise in seinen Höchstschwierigkeiten, wie wir das von ihm kennen, aber er hat in den entscheidenden Situationen das gemacht, was nötig war, um sauber durch das Programm zu kommen“, lautete die Einschätzung von Vorberg.

Der morgige dritte der vier Wettkampftage der Voltigierer wird ab 14 Uhr mit dem Technikprogramm der 15 besten Damen eingeleitet, gefolgt von den Top-Herren ab 15.40 Uhr. Ab 20 Uhr treten die Voltigierer des Pas-de-Deux-Wettbewerbs erstmals bei dieser WM in Erscheinung. Die Finals in allen vier Disziplinen steigen am Freitag. FN/Daniel Kaiser