Ergebnisse Voltigieren WM Frankreich 2014: Deutschland erfolgreichste Nation

 

Gold für Neuss-Grimlinghausen, Silber für Engelberty/Jacobs, Bronze für Erik Oese

Caen (fn-press). Die deutschen Voltigierer haben den Medaillensatz bei den Weltreiterspielen in Caen komplett gemacht. Nach Silber im Pas-de-Deux-Wettbewerb durch Pia Engelberty und Torben Jacobs folgte Bronze für Erik Oese im Herrenwettbewerb – und zum krönenden Abschluss Gold für Neuss-Grimlinghausen im Mannschaftswettbewerb.

Mit diesen drei Medaillen ist Deutschland wieder die erfolgreichste Nation in den Voltigierwettkämpfen und hat sich damit den internationalen Thron zurückerobert. Zwar verbuchte Frankreich die gleiche Bilanz an Edelmetall, mit allen weiteren Plätzen gerechnet führen jedoch die Vertreter der Bundesrepublik. „Das macht mich extrem stolz“, gab Ulla Ramge zu Protokoll. Die Bundestrainerin war nach einem langen Wettkampftag mit vier Entscheidungen sichtlich glücklich. „Germany is in the lead again“, strahlte die Warendorferin.

Zum Auftakt eines überzeugenden Wettkampftages im Zénith-Theater von Caen, den sich am Ende sogar Ludger Beerbaum nicht live entgehen ließ, kämpften sich die Kölner Pia Engelberty und Torben Jacobs noch auf einen Medaillenrang vor. Das war alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Nach Durchgang eins hatten sie aufgrund eines Sturzes beim Abgang von Jacobs auf Platz fünf und ihre Mannschaftskollegen Gera Marie Grün und Justin van Gerven auf Silberkurs gelegen. Doch im Finale spielten die Rheinländer auf Danny Boy – longiert von Patric Looser – ihre Stärken aus. Mit der zweitbesten Kür des Tages (8,694) kletterten die Kölner mit ihrer ausdrucksstarken Tarzan-und-Jane-Kür noch auf das Podest. „Wenn sie sauber durchkommen, sind sie ganz klar das stärkste deutsche Paar mit der anspruchvollsten Kür. Ich bin froh, dass ihnen das heute gelungen ist“, sagte Ramge. Die Bundestrainerin war mit dem Gesamtergebnis sehr zufrieden. „Platz zwei und vier liegen voll im Plan“, schätzte die 51-Jährige ein. Grün und van Gerven, die ebenfalls auf Danny Boy voltigierten, patzten diesmal bei ihren finalen Abgängen gleich doppelt – mit 8,497 Zählern im Endklassement fielen sie hinter die drittplatzierten Eccles-Schwestern aus Großbritannien zurück. „Diese Fehler waren leider sehr teuer, aber sie haben trotzdem einen guten Job gemacht“, sagte Ramge. Unangefochten auf Rang eins standen am Ende die Titelverteidiger Jasmin Lindner und Lukas Wacha mit ihrer Interpretation von "Siegfried & Roy". Die Österreicher holten sich mit gesamt 9,059 Punkten nach dem ersten WM-Titel, dem ersten EM-Titel und dem ersten Weltcup-Sieg nun auch den ersten WEG-Titel dieser Disziplin.

Eine Medaillenpause legte die deutsche Equipe im Damenwettbewerb ein. Beim Sieg der Britin Joanne Eccles komplettierten die Italienerin Anna Cavallaro und Simone Jäiser aus der Schweiz das Podium. Europameisterin Rikke Laumann aus Dänemark kam auf Rang vier, die US-Amerikanerin Mary McCormick auf Platz fünf. Die Plätze sechs und sieben gingen an die Hamburgerin Kristina Boe mit Highlander (Longe: Winnie Schlüter) und Corinna Knauf aus Köln mit Fabiola (Alexandra Knauf). „Damit wurden die Leistungen der Saison auf den CVIs in etwas bestätigt. Für bessere Plätze hätten unsere beide Damen hier in allen Umläufen über sich hinaus wachsen müssen“, schätzte Ulla Ramg ein. Zum Teil sei ihren Schützlingen das auch gelungen. Boe glänzte vor allem im finalen Umlauf mit einer nahezu perfekten Kür, die mit 8,689 Punkten belohnt wurde. „Hätte Tina auch in der ersten Kür schon so einen Umlauf gezeigt, wäre hier einiges drin gewesen“, sagte Ramge über die Leistung der 26-Jährigen. „Ich bin sehr glücklich, dass uns hier zum Abschluss nochmal so ein Durchgang gelungen ist“, freute sich die Medizinstudentin. Ramges Lob galt auch Corinna Knauf. Die amtierende Deutsche Meisterin konnte zwar keine vier sauberen Runden in den Zirkel legen, aber dennoch einmal mehr auf internationaler Bühne einen guten Eindruck hinterlassen. „Die Zukunft gehört ihr“, sagte Ramge.

Eine Glanzleistung gelang einmal mehr Erik Oese im Finale. Der Gymnasiallehrer aus Radebeul legte nach seinem Sieg im Technikprogramm sehr eindrucksvoll nach. Mit Calvador und Andreas Bäßler an der Longe überzeugte der Sachse zu Michael Jacksons Earth Song mit seiner besten Kür der Saison und setzte die beiden führenden Franzosen noch einmal mächtig unter Druck. Am Ende verpasste der Vize-Weltmeister von 2012 hauchdünn Silber. 8,498 Punkte verbuchte Nicolas Andreani, der das heimische Publikum in seiiner Kür als Einstein begeisterte. Oese kam auf 8,483. Lediglich Jacques Ferrari (Foto) war bei diesem Championat nicht zu schlagen. Der Europameister des Vorjahres holte sich nun auch den WM-Titel (8,629). „Die Medaille in diesem Jahr war vom Gefühl her noch schwerer zu holen. Die Konkurrenz war extrem stark und ich bin überglücklich mit Edelmetall nach Hause fahren zu können“, sagte der (noch) 26-jährige Oese, der in der nächsten Woche Geburtstag feiert und sich selbst zugleich „das schönste Geschenk“ machte.

Die herausragende deutsche Bilanz wurde von den Brüsewitz-Brüdern aus Garbsen komplettiert, die im Finaldurchgang beide ebenfalls sehr gute Küren präsentierten. Thomas Brüsewitz landete mit Airbus und Irina Lenkeit an der Longe auf Rang vier, sein Bruder Viktor Brüsewitz mit Highlander und Winnie Schlüter auf Platz fünf. „Das ist ein extrem starkes Resultat“, freute sich Ramge. Der französische Nationaltrainer Davy Delaire pflichtete bei: „Ihr habt es uns richtig schwer gemacht.“

Der große Höhepunkt dieser WM folgte am Abend im Mannschaftswettbewerb. Hauchdünn hatten die Schweiz und Deutschland nach den ersten beiden Durchgängen beieinander gelegen. Der RSV Neuss-Grimlinghausen musste schließlich vor der Konkurrenz einlaufen. Was folgte, war eine Glanzleistung in nahezu perfekter Ausführung, die vom achtköpfigen Richtergremium mit 9,058 Punkten belohnt wurde. „Ich habe schon im Vorfeld auf diese Weltreiterspiele gedacht, dass dies eine Kür ist, die unschlagbar ist, wenn alles funktioniert“, sagte Ulla Ramge. Dies haben die Rheinländer mit ihrer neunjährigen Fuchsstute Delia und Longenführerin sowie Kreativkopf Jessica Schmitz am Ende auch bewiesen. „Sie haben das hier unter unmenschlichem Wahnsinnsdruck über die Bühne gebracht, diese Professionalität verdient den größten Respekt“, gab die Bundestrainerin zu Protokoll. Erst 20 Minuten später wurde das Ergebnis der Schweizer nach deren Start bekanntgegeben: 8,648. Damit hatte Deutschland das Championat mit deutlichem Abstand gewonnen (8,724 zu 8,503). Für die Neusser war es im Übrigen der neunte WM-Triumph der Vereinsgeschichte. Bronze ging an die Gastgeber aus Frankreich.

Foto von Jon Stroud/FEI: Jacques Ferrari