Ergebnisse Voltigieren CHIO Aachen 2016: Überraschungssieg für Frankreich im Nationenpreis

Foto von CHIO Aachen/ Michael Strauch: Die siegreiche, französische Equipe; es gratulieren Ralf Wagemann, Vorstandsmitglied Sparkasse Aachen (3.v.r.) sowie ALRV-Vizepräsident Baron Wolf von Buchholtz (rechts)

2010 war es Frankreich zum ersten und einzigen Mal gelungen, den Deutschen den Nationenpreissieg beim CHIO Aachen um den Preis der Sparkasse abzuluchsen. In diesem Jahr gelang es erneut. Damit hatte niemand gerechnet. Aber, wie Deutschlands Equipechefin Ulla Ramge es auf den Punkt brachte: „Das ist Sport, und Sport ist das, was an diesem Tag passiert.“ Ramge betonte weiter, dies zeige nur, dass Siege nicht selbstverständlich sind und dass alles auf den Punkt passen müsse, um am Tag X auch ganz vorne stehen zu können.

Der ehemalige Weltmeister Patric Looser, der in Aachen sowohl als Organisator als auch als Longenführer im Einsatz ist, hatte schon nach Pflicht und Technik gesagt, auf die französische Gruppe Noroc müsse man aufpassen. Die Kür sei ihre Stärke. Es kam wie angekündigt, die Mannschaft von Noroc schoss mit ihrer Kür – nach starken Vorleistungen der beiden Einzelvoltigierer Manon Noel und Vincent Haennel – den Vogel ab. Das ist wörtlich zu nehmen. Denn als Vögel verkleidet zelebrierte das Team eine fantasievolle und mit Höchstschwierigkeiten gespickte Kür, bei der jede Übung gelang. Das bedeutete den unangefochtenen Sieg für die Franzosen und „einen wichtigen Schritt für uns“, betonte Equipechef Davy Delaire. Denn in dieser Zusammensetzung wird Frankreich bei der WM im eigenen Land vom 18. bis 21. August in Le Mans antreten.

Überraschend war, dass nicht Deutschland I den Franzosen auf den Fersen war, sondern das Team Deutschland II, bestehend aus Weltcupsieger Daniel Kaiser, der Gewinnerin im Preis der Sparkasse von gestern, Kristina Boe, sowie dem Team Köln-Dünnwald II. Letztere waren kurzfristig eingesprungen, weil die Welt- und Europameister vom RSV Neuss-Grimlinghausen aufgrund einer Verletzung des Pferdes absagen mussten. Und Köln Dünnwald II nutzte seine Chance. „Ich habe großen Respekt vor der Leistung!“, zollte Bundestrainerin Ursula Ramge ihren Schützlingen Anerkennung.

Platz drei ging an die Österreicher, die mit Stefan Csandl und Theresa Thiel heute morgen auch schon die Pas de Deux-Sieger hatten stellen können. Für die beiden ist es übrigens der dritte Sieg hier in Aachen. Und das Ticket zur WM in Frankreich. Stefan Csandl war heute im Dauereinsatz. Nach dem Pas de Deux trat er im Nationenpreis sowohl als Einzelvoltigierer als auch als Untermann in der Gruppe vom VV Schloss Obersiebenbrunn an. Das dürfte ihn aber kaum gestört haben, denn wie er gestern schon sagte: „Hier in die Albert-Vahle-Halle einzulaufen, ist der Wahnsinn!“

Eher enttäuschend verlief der Tag für die Mannschaft Deutschland I. Sie war als haushoher Favorit angetreten mit der EM-Zweiten Corinna Knauf, Thomas Brüsewitz, dem Sieger im Preis der Sparkasse von gestern, und der Gruppe Köln-Dünnwald I, in der neben diesen beiden weitere Medaillenträger turnen. Am Ende wurde es nur Platz vier. Thomas Brüsewitz kam in seiner Kür aus dem Tritt und rutschte vom Pferd. Bigstar, sein neuer vierbeiniger Partner, wurde etwas zu schnell und der angehende Sportstudent konnte die Highlights seiner Kür nicht mehr zeigen. Bei den Weltmeisterschaften will er es besser machen. Er hat das Ticket für Le Mans nun ebenso in der Tasche wie Daniel Kaiser und der aktuelle Europameister Jannis Drewell, der aufgrund einer Verletzung seines Pferdes in Aachen nicht starten konnte. Bei den Damen vertreten Kristina Boe, Corinna Knauf und Janika Derks die deutschen Farben. Im Pas de Deux treten in Le Mans Janika Derks und Johannes Kay sowie Jolina Ossenberg-Engels und Timo Gerdes an.

Als voller Erfolg erwies sich einmal mehr das SAP Zuschauerrichten. Es wurde nicht nur gut angenommen, die große Jury hinter der Bande bewies auch Sachverstand. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag war die Albert-Vahle-Halle beim Preis der Sparkasse bis auf den letzten Platz ausverkauft, berichtete der ALRV-Vorstandsvorsitzende Frank Kemperman und fügte noch hinzu: „Ich glaube fürs nächste Jahr auch schon.“