Ergebnisse und Sieger DM Voltigieren Verden 2013: Corinna Knauf setzt sich durch

Kölnerin gewinnt hauchenges Rennen bei den Damen / Neuss-Grimlinghausen und Erik Oese holen Gold

Verden (fn-press). Nachdem die Bundessieger im Doppelvoltigieren bereits am Samstag gekürt wurden (Gera Marie Grün und Justin van Gerven aus Köln), fielen am vierten Tag dieser nationalen Titelkämpfe in Verden die Entscheidungen in den drei weiteren Wettbewerben. Bei den Teams holte der RSV Neuss-Grimlinghausen den achten Sieg in Serie. Der Sachse Erik Oese aus Radebeul deklassierte die weiteren Herren. Bei den Damen machte am Ende Corinna Knauf aus Köln das Rennen in einem hauchengen und spannenden Kürfinale.

Erst überzeugte sie die Jury am Samstag beim Showabend mit ihrer Beachparty-Einlage. Am Sonntag legte die 20-Jährige im offiziellen Teil dieser 51. Deutschen Meisterschaften in der Niedersachsenhalle nach. Mit der besten Kür des Tages (8,779) zog Corinna Knauf auf Fabiola – longiert von ihrer Schwester Alexandra Knauf – vom dritten auf den ersten Platz vor und sicherte sich ihren ersten DM-Titel. 8,223 Punkte verbuchte die Kölnerin nach vier Wertungsumläufen – das waren lediglich 0,01 Punkte mehr als Kristina Boe. Die Hamburgerin, die auf die Finalkür 8,699 Zähler erhielt, freute sich nach einer gelungenen Aufholjagd über 8,213 Punkte, Silber – und damit ihre erste DM-Medaille. Die 25-jährige Medizinstudentin musste vor den Titelkämpfen kurzfristig umsatteln, da ihr Erstpferd Don de la Mar verletzungsbedingt ausfiel. Auf Rasputin, longiert von Kerstin Bock, bewies Boe ihre Weltklasse und konnte sich von Umlauf zu Umlauf steigern. „Der Sieg für Corinna geht vollkommen in Ordnung“, sagte die Preis-der-Besten-Siegerin und lobte ihre Konkurrentin. Die wiederum krönte eine schier unglaubliche Saison. Nachdem sie das Jahr 2013 unter dem Motto „Mal schauen, was möglich ist“ angegangen war, katapultierte sie sich beim CHIO in Aachen mit einem Sensationsauftritt selbst in das deutsche Championats-Aufgebot. Bei der EM in Ebreichsdorf/AUT sprang zwar nach einem Patzer im Technikprogramm „nur“ Rang sechs heraus. In Verden jedoch brachte Knauf alle vier Durchgänge sicher ins Ziel. „Wir wollten hier vor allem das Technikprogramm nochmal gut präsentieren, da wir hier die größten Probleme bei der EM hatten“, sagte die Kölnerin, die „mein tolles Team im Hintergrund“ für den Erfolg verantwortlich erklärte. Rang drei ging an die Vorjahressiegerin Christine Kuhirt. Die Vertreterin vom Landesverband Westfalen musste sich ihren beiden ärgsten Kontrahentinnen auf Fuzzy (Longe: Stefan Lotzmann) mit 8,194 Punkten ebenfalls nur knapp geschlagen geben. „Da Fuzzy zu Beginn der Saison lange verletzt war, sind wir erst spät auf unseren alten Leistungsstand gekommen. Das Ergebnis geht vollkommen in Ordnung. Es hat großen Spaß gemacht, in Verden zu voltigieren“, sagte Kuhirt.

Weniger spannend war der Wettbewerb bei den Herren. So souverän wie schon lange nicht mehr setzte sich am Ende ein Vertreter durch: Erik Oese. Der angehende Mathematik- und Physiklehrer vom RFTV Moritzburg holte nach 2011 seinen zweiten nationalen Titel. Der Sachse deklassierte auf Calvador – vorgestellt von seinem Mentor Andreas Bäßler – die Konkurrenz mit riesigem Abstand. 8,903 Punkte auf die Kür verschafften dem 26-Jährigen 8,442 Zähler in der Endabrechnung. Damit hatte er über sechs Zehntel mehr erturnt als Jannis Drewell (7,8) vom Landesverband Westfalen sowie Vorjahressieger Jannik Heiland (7,69/Hannover). Letzterer war auf Mr. Luis von der Itzehoer (Longe: Silke Gedien) in den Zirkel der Niedersachsenhalle eingelaufen. Drewell startete auf Lago Maggiore – longiert von seiner Mutter Simone Drewell – und stand erstmals auf dem DM-Podest. Nachdem der 22-Jährige 2012 aufgrund eines Kreuzbandrisses komplett pausieren musste, meldete er sich in diesem Jahr mit einigen sehr besonderen Übungskombinationen eindrucksvoll zurück. „Ich wusste, dass im Einzel eine Medaille möglich sein kann“, gab er zu Protokoll.

Nicht für möglich gehalten hatte Drewell hingegen den Erfolg mit seiner Mannschaft, dem Ländlichen RFV Hollen. Die Westfalen wollten nach Aussage von Drewell bei ihrem erst dritten Turnier der Saison „einfach nur sauber durchkommen“. Nach drei Wertungsdurchgängen standen die Hollener dann mit ihrem Pferd Diabolus auf dem Silberpodest. 7,793 Punkte (8,306 auf die finale Kür) waren weitaus mehr, als sich das Team erträumt hatte. „Das ist einfach geil, der absolute Hammer“, kommentierte Drewell. Einzig der RSV Neuss-Grimlinghausen war bei diesen Titelkämpfen – einmal mehr – nicht zu schlagen. Die Mannschaft von Jessica Schmitz holte auf Arkansas mit 8,177 Punkten den achten Titel in Folge. Das ist absoluter Rekord in der 51-jährigen DM-Historie der Disziplin. „Es war der Abschluss einer perfekten Saison“, stellte Schmitz überglücklich fest. Die Voltigierer vom Neusser Nixhof hatten in diesem Jahr erstmals alles abgeräumt, was es zu gewinnen gibt. Sowohl das Juniorteam als auch die Mannschaft der altersoffenen Klasse gewannen den Preis der Besten, die EM- sowie die DM-Titel. Platz drei bei den Mannschaften ging an den VV Ingelsberg. Die Bayern um Voltigiermeister Alexander Hartl voltigierten auf Lazio zu 7,668 Punkten. Kerstin Nimmesgern, Richterin bei A, unterstrich die herausragenden Leistungen zahlreicher Teams insbesondere beim abschließenden Kürdurchgang am Sonntag: „Wir hatten hier sechs bis acht Mannschaften, die wirklich genial geturnt haben. Das war Voltigieren auf ganz hohem Niveau und ein Genuss für das Publikum.“

Stichwort Publikum: Das war in Verden äußerst zahlreich vertreten. Die Arena war an allen vier Tagen ausverkauft. Über 9000 Zuschauer strömten in die Niedersachsenhalle, der Live-Stream im Internet stürzte aufgrund des enormen Besucherandrangs mehrfach ab. Fritz Prommersberger war begeistert. „Ich bin rundum zufrieden. Nach dem Schnupperkurs im vergangenen Jahr mit der DJM war diese Veranstaltung noch einmal eine Steigerung in allen Bereichen. Diese DM war bombenmäßig“, sagte der Turnierleiter, der auch den Showabend am Samstag ins Leben gerufen hatte und damit womöglich einen Anstoß für zukünftige Voltigierwettbewerbe gegeben hat. „Verden ist begeistert von dieser Sportart“, sagte auch Dr. Werner Schade, der Geschäftsführer und Zuchtleiter des Hannoveraner Verbandes. Dass sich Verden in Zukunft zum „Voltigier-Zentrum“ entwickeln könnte und weitere hochkarätige Turniere folgen, schloss er nicht aus. „Wenn alles passt, machen wir es gerne“, kündigte Schade an. FN/Daniel Kaiser