Ergebnisse Springen WM Frankreich 2014: Deutsche Reiter verpassen eine Medaille

 

Ein Zehntel Punkt zuviel für Bronze / Niederlande neuer Weltmeister vor Frankreich und USA

Caen (fn-press). Der Parcourskrimi von Caen ist beendet, aber ein Happy End gab es für das deutsche Springreiterteam im zweiten Umlauf des Nationenpreises nicht. Die Titelverteidiger Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann, Daniel Deußer und Marcus Ehning mussten sich knapp geschlagen geben: Platz vier hinter den neuen niederländischen Weltmeistern, den Franzosen und den Amerikanern.

Bundestrainer Otto Becker versuchte gar nicht erst, seine Enttäuschung zu verbergen. „Das ist bitter. Wir haben zwar das Minimalziel, die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio, erreicht, aber wir wollten hier eine Medaille holen.“ Der 55-Jährige aus Sendenhorst, der mit dem Team im vergangenen Jahr Silber bei der Europameisterschaft gewonnen hatte, sagt: „Ich kann keinem Reiter einen Vorwurf machen. Alle haben hart trainiert, alle Pferde sind super gesprungen, sie waren top in Schuss. Das macht es ja so bitter, weil wir hier eigentlich gute Leistungen gezeigt haben.“

Es war ein Auf und Ab im Fußballstadion D’Ornano. 20.000 Zuschauer, phantastische Stimmung und ein Parcours, der „machbar“ schien. Christian Ahlmann als erster deutscher Starter steuerte den zwölfjährigen Hannoveraner Hengst Codex One fehlerfrei über die Ziellinie. „Tolle Runde“, rief Ludger Beerbaum seinem Teamkameraden begeistert zu. Ab dann klebte Pech an der Mannschaft. Sowohl Marcus Ehning mit Cornado als auch Daniel Deußer mit Cornet D’Amour kassierten einen Abwurf. Zu diesem Zeitpunkt war die Goldmedaille aber noch möglich. Als Ludger Beerbaums Chiara am zweiten Hindernis eine Stange fielen ließ, zerplatzte der Traum vom Sieg. Mehr noch: Durch die Nullrunde der US-Amerikanerin Beezie Madden verschwanden auch die Hoffnungen auf Silber oder wenigstens Bronze. Ludger Beerbaum (51) ging hart mit sich ins Gericht: „Der Druck war sicherlich da, aber es war nicht so, dass mich das abgelenkt hätte oder dass mein Fehler daraus resultiert hätte. Ich glaube, dass am Ende keine Ausreden angebracht sind.“ Der Riesenbecker betonte die gute Vorbereitung der Stute, die den ersten Sprung souverän nahm, dann aber patzte. „So reicht es dann nicht, so wird man nicht Weltmeister. Es war nicht akkurat genug, gestern nicht und heute nicht, und unterm Strich muss ich Hausaufgaben machen und versuchen, es besser zu machen.“

So hatte das Team nach dem Zeitspringen und dem Nationenpreis 16,82 Punkte auf dem Konto – ein Zehntel mehr als die Bronzemedaillengewinner USA. Den Silberrang sicherten sich die Franzosen, deren Vorzeigepaar Penelope Leprevost mi Flora di Mariposa und Kevin Staut mit Reveur zwei Nullrunden ritten (14,08). Die Goldmedaille sicherte sich wie schon bei den Weltreiterspielen 2006 in Aachen das Oranje-Quartett. Jeroen Dubbeldam mit Zenith (Foto), Maikel van der Vleuten mit Verdi, Jur Vrieling mit Bubalu und Gerco Schröder mit London beendeten die Mannschaftsentscheidung mit 12,83 Strafpunkten und feierten ausgelassen ihren Triumph.

Hinter der deutschen Mannschaft platzierten sich die Teams aus Brasilien (16,59), Schweden (20,01), Irland (23,51), Kanada (31), Ukraine (44,98) und Kolumbien (46,86). Die Olympiaqualifikation für die Spiele in Rio haben die fünf besten Nationen Niederlande, Frankreich, die USA, Deutschland und Schweden auf Anhieb geschafft. Die an fünfter Stelle platzierten Brasilianer sind als Gastgeber automatisch startberechtigt.

Den Kampf um die Einzelmedaillen können nun die besten 30 Reiter aufnehmen. An der Spitze rangieren: 1. Beezie Madden (USA/0,16 Fehlerpunkte nach Zeitspringen und Nationenpreis), 2. Rolf-Göran Bengtsson (SWE/0,34), 3. Sören Pederson (DEN/3,94), 4. Patrice Delaveau (FRA/4,08), 5. Rodrigo Pessoa (BRA/4,10), 6. Gregory Wathelet (BEL/4,16), 7. Penelope Leprevost (FRA/4,40), 8. Daniel Deußer (4,70), 9. Gerco Schröder (NED/5,29) und 10. Christian Ahlmann (5,32). Marcus Ehning folgte an Position 21 (8,14), Ludger Beerbaum an 30. (10,8).

Am morgigen Freitag haben die Springpferde Pause, am Samstag ermitteln die 30 Besten jenes Quartett, das am Sonntag im Finale mit Pferdewechsel die Medaillengewinner unter sich ausmachen wird.

Foto von Dirk Caremans/FEI: Jeroen Dubbeldam