Ergebnisse Renntag Mariendorf am 28.3.2014: Die zweite Karriere des Peter Kwiet

 

Der zwölfmalige Mariendorfer Champion feiert mit dem Hengst Uldimeo einen ganz besonderen Sieg. Maik Esper gelingt mit Julis Southwind und Eckstein ein Doppelerfolg.

Mariendorf, 28. März 2014.

Es gab am Freitagabend sicherlich schnellere Pferde als den Hengst Uldimeo, der die Berliner Veranstaltung mit einem feinen Kamperfolg in 19,4/1.900m über den spurtstarken Fittipaldi (Andreas Gläser) eröffnet hatte. Und dennoch stellte dieser Triumph etwas ganz Besonderes dar. Und zwar einen weiteren Eckpunkt in der Karriere eines der besten Berliner Sulkyfahrers aller Zeiten: Peter Kwiet.

Natürlich hatte „Kwiete“ bei seinem Sieg im Grunde nicht anderes gemacht als das, was schon sein ganzes Leben lang seine Beschäftigung gewesen ist – nämlich Traber mit gewieften Taktik über den Kurs zu steuern. Der 74-jährige Profi hatte seinen Schützling Mitte der Gegenseite vehement in die Schlacht geworfen und auf den letzten hundert Metern war Uldimeo das eindeutig stärkste Pferd. Doch der Erfolg machte vor allem deutlich, dass Peter Kwiets Beruf zugleich auch immer seine Berufung war und ist. Denn der Sportler, der seine Ausbildung am 1. Oktober 1954 antrat und 1968 mit dem Hengst Manzanares Derby-Sieger wurde, ließ sich selbst durch das zwischenzeitliche Fahrverbot für über Siebzigjährige nicht ausbremsen. Als die diskriminierende Regelung endlich abgeschafft war, nahm Kwiet erneut die Leine in die Hand. Der aktuelle Sieg – sein erster nach der unfreiwilligen Zwangspause – war die symbolische Belohnung für Kwiets eisernen Willen und er stellt zugleich den 4.359 Treffer in seiner herausragenden Karriere dar.

Einziger Doppelsieger des Abends war Maik Esper. „Zu Beginn seiner Rennlaufbahn war er sehr hengstig – aber mittlerweile lässt sich der Braune sehr gut regulieren“, freute sich Maik Esper nach seinem Treffer mit Julius Southwind. Der von seinem Besitzer Hans-Joachim Ganschow gezüchtete Traber eroberte auf der Gegenseite die Idealposition an vierter Stelle außen und zog im Einlauf voll durch. Der Vierjährige profitierte allerdings auch vom Ausfall des Piloten Romanelli (Kay Werner), der auf der Zielgeraden ohne Not von den Beinen geriet und für den nächsten Start unbedingt vorzumerken ist. Nur wenige Minuten danach landete Maik Esper dann den zweiten Coup – und natürlich war es Eckstein, der einmal mehr für einen Glanzpunkt in der Erfolgsbilanz seines Trainers sorgte. „Er ist ein unglaublich harter Bursche und hat einen Rennkopf wie kaum ein Anderer“, lobte Maik Esper den mittlerweile neun Jahre alten Wallach, der seine Zulage von zwanzig Metern rasch wettgemacht und sich vor den Tribünen an die vierte Position geschoben hatte. Im Einlauf schaltete Eckstein spielerisch den Turbo hinzu und erzielte die Tagesbestzeit von 15,0/2.020m.                  

Laufbereitschaft ohne Ende: das war das Leitmotto beim Sieg von Vulkan. Bei seinem fünften Volltreffer en suite saß natürlich wie immer der Trainer Daniel Wagner im Sulky des Wallachs und es war schon gewaltig, wie Vulkan auf der letzten Gegenseite des 2.500-Meter-Rennens vom Feldende aus Boden gutmachte. Beim Einbiegen auf die Zielgerade hatte der Dunkelbraune die führende Karisma Diamant endgültig erreicht und gewann im Anschluss deutlich mit zwei Längen Vorsprung. Doch die unterlegene Gegnerin zog ebenfalls bis zur Linie durch und hielt keine Geringere als Becky Dragon (Maik Esper) für das zweite Geld in Schach. Karisma Diamant verdiente sich also ein dickes Lob.

Mit der Stute Regale by Pass wurde Daniel Wagner kurz darauf allerdings nur Zweiter, denn aus seinem Windschatten heraus schlug die große Stunde von Thomas Heinzig und Lady Maren. Die 372:10-Außenseiterin, die für die Farben von Bernhard Schuch, Olaf Radzimski und Ulrike Igel läuft, stellte sich deutlich gesteigert vor und spritzte nur so vor Temperament. Sie sorgte für einen absoluten Paukenschlag in der Zweierwette, denn 5.094:10 leuchteten an der Mariendorfer Anzeigetafel auf. Lady Marens Siegquote wurde aber sogar noch getoppt: Sensationelle 404:10 erbrachte der Sieg von Dennis Spangenberg und Hella. Für den Berufsfahrer, der die Stute der Berliner Besitzerin Sandra Simros auf der Schlusshalben eingesetzt hatte, war es ein weiterer Achtungserfolg und zugleich der 350. Treffer seiner Laufbahn. Spangenberg verfügt derzeit über einen hervorragenden Siegschnitt von zwanzig Prozent.

„Das war heute ihre bisher beste Leistung“, strahlte Thorsten Tietz nach dem Erfolg mit Vicky Corner. Berlins Champion hatte mit der diffizilen Stute schon in der Startphase einiges riskiert. Auf der Tribünengeraden zog die Vierjährige endgültig nach vorne und spulte das Tempo an der Spitze eisern herunter. Auch die von Christoph Pellander gesteuerte 144:10-Außenseiterin May Girl war flink auf den Beinen, gab dann jedoch das Kommando an Rosanne Gilbak (Hans-Jürgen von Holdt) ab. Als die Pilotin beim Einbiegen auf die Zielgerade nicht auf den Beinen zu halten war, machte Pellander den Sack endgültig zu. Mit der Mustang`s-Sally-Schwester an erster Stelle sowie Ischtvan (Katharina Kramer), Faustus (Günter Schiefelbein) und Höwings Pothos Z (Claudia Westphal) auf den weiteren Rängen summierte sich die Viererwette auf glatte 100.000:10. Der Pechvogel Hans-Jürgen von Holdt hielt sich für den Ausfall von Rosanne Gilbak („Ich habe eine Riesenmeinung von dieser Stute!“) dennoch schadlos, denn der Norddeutsche führte Robin Toft wenig später mit einem langgezogenen Schlussangriff zum Erfolg.

„Es wird nicht nur auf ein Duell zwischen Edina und Artos W hinauslaufen. Auch mein eigener Schützling Really besitzt genügend Können, um sich beim Kampf um den Sieg mit einzuschalten“, hatte Manfred Zwiener weit vor dem Rennbeginn im Experten-Talk des BTV angekündigt. Und diese Worte waren alles andere als vollmundig, denn sie entsprachen der Realität. Unterwegs am Ende des Feldes postiert, machte sich der für die Farben von Nicolas Winter trabende Wallach erst ausgangs der letzten Kurve entscheidend bemerkbar. Really wurde im Anschluss mit jedem Schritt stärker und hatte seine Konkurrenten tatsächlich genau auf der Linie erwischt. Der bei 78:10 gehandelte Dunkelbraune setzte damit zugleich den Schlusspunkt unter die V5-Wette und schraubte die Quote der Kombiwette auf immense 250.153:10.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 80.277,30 Euro – Bahnumsatz: 28.405,30 Euro – Außenumsatz: 51.872,00 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Karfreitag, dem 18. April statt. Im Mittelpunkt des Renntages steht ein absoluter Klassiker: das Fritz-Brandt-Rennen! Außerdem wird der Trial I des Adbell-Toddington-Rennens ausgetragen. Beginn ist um 13.30 Uhr!

Foto von Jan-Pierre Habicht © - Archiv