Ergebnisse Reitturnier Faszination Pferd Nürnberg 2015„Spannender geht es kaum“

Super-Reitsport, volles Haus und Bombenstimmung bei der Faszination Pferd

Hochkarätiger Sport, volle Tribünen, super Stimmung und die einmalige Atmosphäre – das zeichnet seit 22 Jahren die beliebte Faszination Pferd aus. Und auch heuer hat die veranstaltende AFAG Messen und Ausstellungen GmbH die rund 100.000 Besucher, die vom 27. Oktober bis 1. November zur Faszination Pferd in die Frankenhalle geströmt kamen, nicht enttäuscht.

Traditionell standen am Dienstag zum Auftakt Springprüfungen auf dem Programm. Mit der Premiere des Finales im Bayernchampionat der Nürnberger Versicherungsgruppe gab es da für die Faszination Pferd eine weitere Aufwertung. „Bayerns 25 beste Springreiter haben in diesem Finale um den Sieg gekämpft, das war Springsport, wie er spannender kaum geht“, freute sich Turnierleiterin Jacqueline Schmieder.

Drei Reiter hatten sich mit einer Nullrunde im anspruchsvollen Umlauf des S*** für das Stechen empfohlen und da machten sie es noch einmal richtig spannend. Tobias Meyer (Augsburg) gab mit Quantana zwar ganz schön Gas, musste aber einen Abwurf hinnehmen. Der amtierende Bayerische Meister Edwin Schmuck aus Illertissen steuerte den bewährten Aclatron fehlerfrei und blitzschnell über den Stechparcours, doch dann kam noch Michael Viehweg. Er feierte an diesem Tag seinen 22. Geburtstag und machte sich selbst das schönste Geschenk: Denn der Schrobenhausener, der für den PSV Ingolstadt-Hagau reitet, bewies Nerven wie Drahtseile. Unbekümmert und souverän wie bereits unzählige Male in diesem seinem großen Erfolgsjahr lotste er Avalon ins Ziel – der Finalsieg war ihm sicher. „Das ist mein erster ***-Sieg und damit habe ich zugleich die Bedingungen für das Goldene Reitabzeichen erfüllt“, lachte der junge Mann nach der Prüfung glücklich.

Gleich zwei Sieger gab's im Barrierenspringen. Dicht gedrängt saßen die Zuschauer da auf den Bänken und verfolgten gespannt die Ritte der Aktiven aus dem gesamten Bundesgebiet.

Am Ende gab’s zwei Sieger und die stammen auch noch beide aus Bayern: Hans-Günther Goskowitz mit Chalu und Kirsten Schweiger mit Amber blieben beide im dritten Stechen mit 1,85 Meter fehlerfrei. Beide reiten für den RV St. Georg Ingolstadt-Hagau und lotsten ihre Pferde gekonnt über die gewaltigen Hindernisse, die ihnen die Parcoursbauer Steffen Bühling und Dieter Heinz in den Weg gestellt hatten.

Draußen und doch drinnen: Der Hallen-Geländeritt der Kl. L bei der Faszination Pferd, der heuer zum 3. Mal stattfand, war am dritten Tag wieder ein Publikumsmagnet. Buschhindernisse in der Frankenhalle - das ist dann doch kein ganz alltäglicher Anblick.

Bürsten, Sträucher, Holzkisten und Tore türmten sich da in der Arena und 20 Reiter stellten sich der Herausforderung. Am Ende hatte ein Baden-Württemberger die Nase vorn. Mit einem souveränen Ritt holte sich Felix Etzel mit Bandit die goldene Schleife. Auf Platz 2 lag Fabian Held, der beim Bayerischen Haupt- und Landgestüt Schwaiganger eine Ausbildung zum Pferdewirt absolviert und Santiago gesattelt hatte. Den 3. Rang belegte die Bayerische Vizemeisterin der Junioren Nina Scherer vom Augsburger PSV mit Sansano.

„Vor rund zwanzig Jahren gab es die ersten Hallen-Vielseitigkeiten, inzwischen haben sich solche Prüfungen in Kombination mit normalen Sprüngen zu sehr interessanten Wettbewerben entwickelt“, sagt Busch-Experte Bruno Six, der den Geländeritt im Rahmen der Faszination Pferd im nächsten Jahr noch ausweiten will. „Die Anforderungen waren heuer technisch ganz schön schwierig, da waren Rittigkeit und Durchlässigkeit gefordert, das passt einfach toll in das Nürnberger Programm.“

„Die Welt blickt auf diese Prüfung“: So charakterisierte die fünffache Olympiasiegerin Isabell Werth den Nürnberger Burg-Pokal, dessen letzte Qualifikation zum Finale seit einigen Jahren in der Frankenhalle über die Bühne geht. Nach zwei beeindruckenden Vorstellungen, die der amtierende Deutsche Meister der Berufsreiter, Heiner Schiergen, ablieferte, war die Sache glasklar. Der achtjährige Carabas-Sohn entschied nicht nur die Einlaufprüfung zum Nürnberger Burg-Pokal für sich, sondern gewann einen Tag später auch die Qualifikation mit satten 74,122 Prozent.

„Wir werden im Dezember in Frankfurt beim Finale angreifen“, kündigte sein Reiter dann im Anschluss prompt an und so wird er den schicken und bewegungsstarken Wallach dort noch einmal vorstellen. Denn eigentlich ist Schiergen gar nicht Carlos‘ ständiger Reiter. Der sportliche Vierbeiner wird sonst von seiner Besitzerin Hannah Erbe geritten, die heuer mit ihm Doppelgold bei den Europameisterschaften im französischen Vidauban in der Altersklasse Junioren holte. „Erst vor drei Wochen habe ich Carlos in einer S-Dressur gestartet und gewonnen. Daraufhin haben wir spontan beschlossen, ihn im Burg-Pokal starten zu lassen“, erzählte Schiergen.  

Platz 2 ging in der Frankenhalle an Isabell Werth mit Nachwuchshoffnung Sorento. Die Richter belohnten den Auftritt mit 71,780 Prozent. Werth war absolut zufrieden: „Sorento ist zuvor nur Aufbauprüfungen gegangen. Es war sein erster Auftritt in der Klasse S. Die Fehler in der Wechseltour muss ich auf meine Kappe nehmen“, so Werth, die seit vielen Jahren in der Frankenmetropole an den Start geht und sich hier sichtlich wohl fühlt. „Das Nürnberger Publikum hat es mir einfach angetan, man erlebt selten so eine tolle Atmosphäre.“ Auf Platz 3 im Burg-Pokal folgten Nicole Casper vom baden-württembergischen Birkhof und ihr Pferd Dallas.

Ganz in seinem Element war der Präsident des Bayerischen Reit- und Fahrverbands, Hans-Peter Schmidt, der - auch in seiner Funktion als Ehrenvorsitzender der Aufsichtsräte der Nürnberger Versicherungsgruppe - eisern sechs Tage lang in der Frankenhalle präsent war. „Wir haben hier Dressursport auf ganz hohem Niveau gesehen“, stellte Schmidt begeistert fest und auch Roland Artur Disterer, Chefrichter im Burg-Pokalfinale bestätigte: „Das war richtig toller Dressursport mit beeindruckenden Pferden und ganz starken Reitern.“

Beim Consumentaturnier standen aber auch noch andere Schmankerl in Sachen Dressur auf dem Programm. In einem Grand Prix gelang Isabell Werth mit El Santo, genannt „Ernie“ der Sieg. „Der ist ein Professor, lässt sich von nichts aus der Ruhe bringen“, lobte die 46-Jährige ihren 14-jährigen Wallach, mit dem sie vier Wochen zuvor die Grand Prix Kür bei der Central Park Horse Show in New York gewonnen hatte. Auch die Grand Prix Kür, die traditionell im Rahmen des Top-Galaabends am Samstag ausgetragen wird, wurde eine Beute der Rheinbergerin. Vor den Augen ihrer Mäzenin Madeleine Schulze-Winter ließ sie ihren Ernie kraftvoll durchs Viereck tanzen, passgenau zur Musik und sicherte sich so vor rund 3500 Zuschauern den Sieg, gefolgt von ihrer Bereiterin Beatrice Buchwald mit Daily Pleasure und Publikumsliebling Uta Gräf auf Dandelion OLD.

Auch die Aktiven aus dem Freistaat konnten sich bei der Faszination Pferd bestens in Szene setzen. Allen voran die Erdingerin Victoria Michalke, die an beiden Tagen zeigte, dass sie mit prominenter Konkurrenz durchaus mithalten kann. So belegte die 25-jährige Sportmanagerin, die gerade ihre Bachelor-Arbeit geschrieben hat, mit ihrem 13-jährigen Oldenburger Wallach im Grand Prix den 5. Platz. Einen Tag später holte sie im Grand Prix Special mit einer nahezu fehlerfreien Runde sogar die silberne Schleife. Mit Nachwuchspferd Duke of Britain gelang ihr dann auch noch der 5. Platz im Finale zum Nürnberger Burg-Pokal, Deutschlands bedeutendster Serie für junge Dressurpferde.

Endgültig zurück im Reigen der Besten ist Christina Boos. Die Reiterin des RC Gut Weiglschwaig lenkte ihren Remondini gekonnt durch die sicher nicht einfache Frankenhalle, die für die Pferde recht viel Ablenkung bietet und setzte sich im Grand Prix Special gemeinsam mit Andrea John auf Platz 3. Beide Reiterinnen zeigten sich sichtlich zufrieden mit der Leistung ihrer Vierbeiner. „Espi hat wieder einmal toll für mich gekämpft“, so die Münchnerin Andrea John über den 14-jährigen Rappwallach Esperanto.

Auch der Nachwuchs im Sattel kam bei der Faszination Pferd nicht zu kurz. Sowohl im Dressurviereck als auch im Springparcours ging es im Finale der Regionalsieger im Nürnberger Burg-Pokal der Junioren um den „Preis der Sieger“. Bei den Dressurspezialisten setzte sich Eileen Henglein von der fränkischen PSG Abenberg/Ebersbach mit ihrer schicken Ponystute Cinderella an die Spitze. Im Parcours war Lokalmatadorin Julia Rothenbach aus Nürnberg mit Carvelle die Siegerin.

Die Ponys beschlossen am Sonntag das sportliche Programm bei der 22. Faszination Pferd. Sowohl im Dressurviereck als auch im Springparcours wurden die Titelkämpfe um den Bayern Ponycup ausgetragen. Siegerin bei den Dressurspezialisten wurde Lara Brühl mit Lettenhofs Element of Surprise, bei den Springreitern ging der Gesamtgewinn an Louisa Petersen mit Charming Clary.

Zwei ausverkaufte Top Galaabende am Freitag und Samstag mit unzähligen packenden Shownummern rundeten das Programm ab. „Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team und können nicht zuletzt dank unserer guten Verbindungen zu den Sponsoren so eine Veranstaltung stemmen“, lobte Turnierleiterin Schmieder am Ende der sechs Tage ihre Mannschaft. „Jeder macht hier einen tollen Job an seinem Platz.“