Ergebnisse EM Voltigieren Ebreichsdorf/Österreich 2013: Juniorteam holt ersten Sieg nach Aufholjagd

 

Voltigieren: Esch und Wilfling gewinnen Silber, Kölner Pas-de-Deux Bronze / Oese auf Goldkurs

Ebreichsdorf/AUT (fn-press). Erfolgreicher Tag für die deutschen Voltigierer bei den Europameisterschaft im österreichischen Ebreichsdorf: Das Juniorteam hat in einem packenden Finale nach einer beeindruckenden Aufholjagd Gold geholt. Die Junioren Miriam Esch (Münsterschwarzach) und Julian Wilfling (Untermeitingen) holten Silber. Erik Oese liegt derweil nach einem überragenden Technikprogramm bei den Senioren auf Goldkurs.

Es war das mit Spannung erwartete Herzschlagfinale im Pferdesportpark Magna Racino und aus deutscher Sicht mit einem Happy End gekrönt. Die Junioren des RSV Neuss-Grimlinghausen konnten ihren Vorjahreserfolg wiederholen und gewannen die Goldmedaille im U18-Mannschaftswettbewerb. Mit der finalen Kür holten sie den verbliebenen Rückstand aus der Pflicht auf den Club 43 aus Österreich auf und schoben sich auf ihrem Pferd Remake noch auf das oberste Podest. 8,652 Punkte erhielten die Rheinländerinnen auf den finalen Umlauf. Österreich musste sich mit 8,356 Zählern zufrieden geben. Im Endergebnis siegte die deutsche Equipe mit 7,876 Punkten nur hauchdünn vor den Gastgebern (7,831). „Wir wussten, dass diesmal alles passen muss, um noch eine Chance zu haben. Wir wussten aber auch, dass die Möglichkeit noch Bestand. Darin lag auch eine große Motivation“, sagten die Trainerinnen Simone Lang-Wiegele (zugleich Longenführerin) sowie Antje Hill. „Die Aufholjagd verlief bei den Junioren voll nach Plan“, freute sich Bundestrainerin Ulla Ramge. Platz drei ging nach Italien, Rang vier an die Schweiz.

Grund zur Freude hatten die Nationaltrainerin sowie Disziplintrainer Kai Vorberg auch bei den Einzelwettbewerben. Dort standen die letzten Küren und die damit verbundenen EM-Entscheidungen an. Für Deutschland gab es am Ende zweimal Silber. "Das war das Maximale, was derzeit drin ist", freute sich Ramge. Sowohl Miriam Esch als auch Julian Wilfing hielten dem Druck stand. Die Fränkin fiel ihrer Trainerin Annette Müller-Kaler noch in der Kiss-and-Cry-Area in die Arme, nachdem sie auf Robbie Naish eine fantastische Kür in den Zirkel zauberte. Auch im abschließenden Durchgang musste sich die 17-Jährige in ihrem letzten Junior-Jahr nur der Lokalmatadorin Daniela Fritz geschlagen geben. Im Endergebnis kam Esch auf 7,89, Fritz auf souveräne 8,081 Punkte. Platz vier ging an Gianna Meier aus Lünen, Rang sechs an Sophie Hofmann aus Kemmenau. Damit war Deutschland im Durchschnitt die beste Nation im Damen-Wettbewerb.

Diese Bilanz gelang den Ramge-Schützlingen auch bei den U18-Herren. Wilfling voltigierte bei seinem allerersten Championat mit Luino und Alexander Zebrak an der Longe gleich zu Silber. Miro Rengel (Köln) musste sich auf Danny Boy (Longe: Patric Looser) mit dem undankbaren Rang vier zufrieden geben. Von Enttäuschung war aber keine SPur. „Das ist mehr, als wir vor der Reise nach Ebreichsdorf gehofft hatten. Wir bin super zufrieden“, verriet sein Vater Jürgen Rengel, der auf der Tribüne kräftig die Daumen und in seiner Rolle als Profifotograf zugleich den Auslöser seiner Kamera gedrückt hatte. Platz sechs ging an Johannes Kay, der derzeit in Garbsen lebt und trainiert. Der junge Mann aus Flensburg zeigte in drei Umläufen Leistungen, die für das Podest gereicht hätten. Auch in der abschließenden Kür turnte er die zweitbeste Choreografie. Aufgrund eines Sturzes in der ersten Kür hatte er sich jedoch vorfristig vom Kampf um die Medaillenränge verabschiedet. Der Sieg ging an den Österreicher Ramin Simon Rahimi, der sich damit das zweite Gold hintereinander sicherte.

Einen erfolgreichen Abschluss dieses Championats legten auch Justin van Gerven und Gera Marie Grün aus Köln in den Magna-Racino-Sand. Das Pas-de-Deux holte sich auf Weltoni RS von der Wintermühle (Longe: Alexandra Knauf) mit 7,977 Punkten den klaren Tagessieg. Den Rückstand aus dem ersten Umlauf konnten die deutschen Vertreter aber mit einer Gesamtnote von 7,631 nicht mehr aufholen. Die Österreicherinnen Sandrine Flicker und Heike Hulla gewannen mit 7,809 Punkten vor den Vorjahres-Siegern Andrew McLachlan und Rebecca Norval aus Schottland (7,648).

Die Seniorteams zeigten am vorletzten Wettkampftag ihre ersten Küren. Dabei erlebten die Voltigiererinnen vom RSV Neuss-Grimlinghausen einen kleinen Rückschlag. Die Mannschaft um Trainerin und Longenführerin Jessica Schmitz konnte im Wettkampfzirkel nicht die Trainingsleistung aus den Vorwochen abrufen und verbucht kleinere Fehler und eine Wertnote von 8,277. In der Zwischenwertung nach zwei der drei Durchgänge liegen die Titelverteidiger und amtierenden Vize-Weltmeister mit ihrem Pferd Arkansas aber noch immer in Führung. 7,972 Punkte bedeuten aktuell einen Vorsprung von lediglich 0,034 Zählern auf Österreich. Die Gastgeber konnten die erste Kür klar gewinnen (8,522). Auf Platz drei folgen die Weltmeister aus der Schweiz (Kür: 8,075/Gesamt: 7,777). „Wenn morgen alles läuft, wie es soll, ist der Sieg drin“, schätze Bundestrainerin Ramge ein, die gemeinsam mit Jessica Schmitz und den Neusser Voltigiererinnen am Abend noch eine Videoanalyse einschob, um die Ursachen der Patzer zu analysieren und um ähnliche Fehler für das Finale zu vermeiden.

Sollte auch Erik Oese am Sonntag Fehler vermeiden, konnte er seinen ersten Championatssieg einfahren. Das Moritzburger Voltigier-Ass bestach in der dritten Wettkampfrunde mit einem ausgezeichneten Technikprogramm, für das er 7,891 Punkte erhielt und die internationale Konkurrenz klar deklassierte (Jacques Ferrari/FRA: 7,63, Stefan Csandl/AUT: 7,106). In der inoffiziellen Zwischenwertung nach drei der vier Durchgänge rangiert Oese bereits an der Spitze und verbucht mit 8,105 Punkten 23 Hundertstel Vorsprung auf Ferrari (8,082). Csandl ist mit 7,814 Punkten bereits leicht abgeschlagen.

Bei den deutschen Damen hingegen hat unter normalen Umständen keine Vertreterin mehr Chancen auf eine Medaille. Das Edelmetall wird wohl unter den drei Athletinnen Joanne Eccles (Großbritannien), Anna Cavallaro (Italien) und Rikke Laumann (Dänemark) vergeben. Kristina Boe aus Hamburg konnte am heutigen Samstag jedoch einen großen Teilerfolg verbuchen. Die Medizinstudentin turnte auf Don de la Mar (Longe: Winnie Schlüter) mit 7,97 Punkten das zweitbeste Technikprogramm hinter Eccles (8,028) und schob sich damit in der inoffiziellen Zwischenwertung vom sechsten auf den fünften Platz (7,768) vor. Im Gesamtergebnis könnte sie mit einer ähnlich guten abschließenden Kür noch an der Schweizerin Simone Jäiser (derzeit bei 7,826) vorbeiziehen. Der bis zum heutigen Durchgang aussichtsreichsten deutschen Vertreterin Corinna Knauf aus Köln unterlief im Technikprogramm ein Fehler im Seitwärtsstehen, der sie von Rang vier auf sechs zurückwarf. „Ich bin leicht weggerutscht, das ist sehr ärgerlich, aber morgen möchte ich noch einmal zeigen, was ich kann“, sagte die 20-Jährige.

Nach den Junior-Finals stehen am Sonntag die Senior-Entscheidungen auf dem Programm. Ab 9 Uhr ermitteln die Damen ihre diesjährige Europameisterin, 10.15 Uhr folgen die Herren und ab 12.15 Uhr die Pas-de-Deux-Voltigierer. Um 13.15 Uhr turnen die Seniorteams im Königswettbewerb ihren Meister aus. FN/Daniel Kaiser