Ergebnisse DJM Vielseitigkeit Kreuth 2015: Reemtsma und Neumann sind die neuen Meisterinnen

Titel für Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland / drei Medaillen für Westfalen

Kreuth (fn-press). Die neuen Deutschen Nachwuchsmeister in der Vielseitigkeit kommen aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Rheinland. Bei den DJM im ostbayerischen Kreuth holte sich die 17-jährige Flora Reemtsma aus Groß Walmsdorf mit Iskarosz den Titel bei den Jungen Reitern, die Goldmedaille bei den Junioren sicherte sich Anais Neumann aus Wiehl mit Pumuckel E.

Die Vielseitigkeit besteht bekanntlich aus den drei Teilprüfungen Dressur, Gelände und Springen, von denen jede den Ausgang neu definieren kann. Aussichtsreichster Kandidat auf den Meistertitel bei den Jungen Reitern war nach Dressur und Geländeritt der 21-jährige Christoph Wahler (Bad Bevensen). Mit einem Topdressurergebnis und einer Nullrunde beim Ritt durch das bergige Gelände hinter dem Ostbayerischen Pferdezentrum lag er mit Abstand in Führung. Doch am Morgen zeigte sich sein Trakehner Sammy Deluxe nicht ganz fit, so dass er sich entschloss, den Schimmel vom Start zurückzuziehen. „Natürlich freut man sich über jede Medaille. Aber das tut mir voll leid für ihn. Er hätte es wirklich verdient gehabt. Er ist schon so lange dabei, immer fleißig und hat nie aufgegeben, auch wenn es wie jetzt einmal nicht so gut lief“, sagte die westfälische Landestrainerin Jutta Briel, die mit ihren Schützlingen an diesem Wochenende insgesamt drei Medaillen sammelte.

Dank Wahlers Ausfall schlug die Stunde für Flora Reemtsma und Josephine Wilms (Bergkamen), die mit 44,5 beziehungsweise 44,9 Minuspunkten hinter dem Führenden die Plätze zwei und drei belegt hatten. Im Springen blieben beide fehlerfrei. „Ich habe auf die Uhr geschaut und gedacht, jetzt muss ich einen Galoppsprung weniger machen“, schilderte Flora Reemtsma ihre letzten Meter durch den Parcours, denn bereits ein Zeitfehler hätte sie den Titel gekostet. Doch es passte alles. Mit Durchreiten der Ziellinie sicherte sich die 17-jährige Abiturientin mit Ikarosz ihren ersten Meistertitel. „Im Grunde war ich ganz ruhig, denn ich wusste ja, dass ich zumindest die Silbermedaille mit meinem anderen Pferd River of Joy schon sicher habe“, sagte die Reiterin aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem früher von Michael Jung gerittenen Rappen hatte sie die etwas bessere Dressur erzielt, allerdings Zeitfehler im Gelände und einen Abwurf im Springen. In der offenen Wertung des CCI2* bedeutete dies Platz drei.

Mit der Silbermedaille krönte die 21-jährige Josephine Wilms ihre Zeit als Junge Reiterin. Insgesamt fünf Mal nahm die ehemalige Mannschaftseuropameisterin der Junioren mit ihrer selbst ausgebildeten Corvette D an Deutschen Meisterschaften teil, beim letzten Versuch klappte es nun mit Edelmetall. „Corvette war zwischendurch einmal verletzt. Im vergangenen Jahr war ich Dritte beim Preis der Besten, danach haben wir nochmal pausiert. Die richtige Entscheidung, wie sich zeigt“, sagte Wilms, die in Dortmund im dritten Semester soziale Arbeit studiert. Neben ihrem Studium verbringt sie viel Zeit im Sattel ihrer Nachwuchspferde, die einmal in die Fußstapfen ihres Erfolgspferdes treten sollen.

Wie im Vorjahr durfte sich Lisa-Marie Förster (Ahlen) die Bronzemedaille umhängen lassen. Mit Columbo war sie mit 50,5 Minuspunkten aus der Dressur gestartet. „Das ist einfach nicht seine Disziplin“, sagte Förster, die gerade erst in Everswinkel den Preis der Besten gewinnen konnte, über ihren Holsteiner Wallach. Wo seine Stärken liegen, bewies der Schimmel im Gelände. Mit nur 1,6 Zeitstrafpunkten kam das Paar ins Ziel und rückte damit vom neunten auf den vierten Platz vor. Im Parcours kam nur ein Abwurf hinzu, der keinen Einfluss mehr auf die Rangierung hatte. Am Ende schlugen 56,10 Minuspunkte für die Ahlenerin zu Buche, die neben Christoph Wahler die einzige war, die vom letztjährigen EM-Silberteam noch bei den Jungen Reiter startete.

Bei den Junioren gelang der 17-jährigen Anais Neumann aus Wiehl ein Start-Ziel-Sieg. "Endlich mal wieder“, freute sich der rheinische Landestrainer Jarno Debusschere. Er ist seit dem Umzug von Kai-Steffen Meier für das Geländetraining der Wiehler Juniorin zuständig, die sich für die Deutschen Jugendmeisterschaften „einen Platz in den Top 20“ zum Ziel gesetzt hatte. Doch nach einer Topdressur und einer Nullrunde durch das Gelände lag die Medaille in greifbarer Nähe. Mit einem fehlerfreien Springen wurde es sogar die Goldene. Nur 39,1 Minuspunkte hatte sie am Ende auf dem Zettel und konnte damit sogar die offene Wertung des CCI1* vor dem Belgier Vincent Martens mit Eiskönig gewinnen (40,5). Dass Anais Neumann gute Nerven hat, wenn es darauf ankommt, hatte sie bereits vor zwei Jahren beim Preis der Besten der Ponyreiter in Marbach bewiesen. Auch hier musste sie als Führende als Letzte in den Parcours und sicherte sich den Titel.

Wahre Maßarbeit lieferte Johanna Zantop aus dem schwäbischen Weilheim ab. Mit FBW Santana’s Boy beendete sie nicht nur die Geländestrecke auf den Punkt, sondern traf auch im Parcours auf vier Hundertstel die erlaubte Zeit – jeweils ohne Hindernisfehler. „Im Gelände hatte ich ja meine Uhr und bin an den versetzten Hecken die Alternative geritten. Das passte genau rein“, sagte sie und lachte: „Im Springen war es Zufall“. Ein glücklicher Zufall, der der 16-Jährigen die Silbermedaille vor Lara Schapmann eintrug. Für die Preis-der-Besten-Dritte aus dem westfälischen Ostbevern, die nach Dressur und Gelände noch auf Silberkurs lag, gab es nach einem Springfehler auch in Kreuth die Bronzemedaille. Nach einem kurzen Moment der Enttäuschung konnte die 16-Jährige schnell wieder lachen. „Ich habe nicht gedacht, dass es überhaupt so gut laufen würde“, sagte sie. Lara Schapmann ist über die Ponyreiterei in den Sport hineingewachsen und hat mit dem selbst gezogenen Quinzi Royal den passenden Partner gefunden. Für sie wie für die beiden anderen Medaillengewinnerinnen waren es die ersten Juniorenmeisterschaften.

„Wir haben eine ganze Menge guter junger Paare gesehen“, waren sich die Bundestrainer und die Arbeitsgruppe Nachwuchs des Vielseitigkeitsausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees (DOKR) einig. „Es wurde nicht nur stilistisch besser geritten als noch vor ein paar Jahren, auch konditionell waren die meisten Reiter gut auf die Anforderungen im hügeligen Gelände eingestellt. Hier wurde in den Landesverbänden doch einiges getan.“