Ergebnisse DJM Vielseitigkeit Kreuth 2014: Titel für Wewer und Rickert

Durchstarter und Favoritenpech in Kreuth

Kreuth (fn-press). Die weite Anreise hat sich für sie gelohnt. Im ostbayerischen Kreuth, nahe der tschechischen Grenze, sicherten sich Jule Wewer aus Peheim in Weser-Ems und die Fehmaranerin Kristin Rickert die Titel bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften Vielseitigkeit.

Sie ist derzeit Deutschlands beste Junge Reiterin: Nach ihrem Sieg beim Preis der Besten in Everwinkel griff Jule Wewer aus Peheim nun auch nach der Goldmedaille bei der Deutschen Meisterschaft der Jungen Reiter. Mit ihrem elfjährigen Oldenburger Ruling Spirit (v. Rubin Royal), kurz Bubi genannt, übernahm sie von der Dressur an die Führung. Auf der anspruchsvollen Geländestrecke musste sich das Paar lediglich ein paar Zeitstrafpunkte anrechnen lassen. „Das letzte Wasser war noch einmal eine richtige Hausnummer. Da merkte man schon, dass der Parcourschef wollte, dass sich die Reiter und Pferde nochmal richtig konzentrieren müssen. Meine Pferde haben das beide gut gelöst. Da bin ich stolz drauf“, sagte die 20-Jährige, die neben Ruling Spirit auch noch den 13-jährigen Lasse fehlerfrei durchs Gelände steuerte. Zwei Nullrunden im abschließenden Springen komplettierten den Gesamteindruck und bescherten der Reiterin nicht nur den ersten nationalen Titel, sondern auch Platz zwei und fünf in der offenen Wertung der als internationale Zwei-Sterne-Prüfung (CCI2*) ausgeschriebenen Meisterschaft. Ihren größten persönlichen Erfolg sieht die Studentin der Wirtschaftspsychologie allerdings darin, „wenn man sieht, wie ein sich Pferd entwickelt.“ So wie Ruling Spirit, den sie viereinhalbjährig bekam und den sie selbst dahin ausgebildet hat. Nicht ganz alleine vielleicht, denn als Trainer steht ihr unter anderem Vielseitigkeits-Legende Horst Karsten zur Seite. So wagte sie mit Lasse auch schon den Sprung Richtung Drei-Sterne-Niveau und freut sich schon auf ihren ersten Luhmühlen-Start Mitte Juni.

Das Bewerberfeld bei den Jungen Reitern war klein, aber fein. Neben Jule Wewer mit ihren beiden Pferden bewarben sich gerade einmal 13 Paare um den Titel. „So schlimm finde ich das nicht“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. „Generell ist mir Qualität lieber als Quantität. Wenn man sieht, wie viele Nachwuchsreiter in letzter Zeit den Sprung vom Jungen Reiter ins Seniorenlagen geschafft haben, weiß man, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Der Kampf um Silber und Bronze wurde im Springen noch einmal spannend. Hinter der führenden Jule Wewer lagen drei Reiterinnen nach Dressur und Geländeritt dicht beieinander. Das Rennen machten Finja Bliesemann mit Drecoll, die mit einer Nullrunde im Parcours die zweite Medaille dieses Wochenendes für Fehmarn sicherte. „Kreuth scheint ein gutes Pflaster für uns zu sein, vor zwei Jahren wurde ich bei hier bei der Junioren-DM bereits Achte“, freute sich 19-Jährige. 2012 ebenfalls bei der Junioren-DM am Start und mit Silber dekoriert war Lisa-Marie Förster aus Ahlen. Auch die 18-jährige Abiturientin wechselte inzwischen ins Junge-Reiter-Lager und arbeitete sich dank mit Columbo um zehn Plätze nach der Dressur nach oben und verdrängte mit einer Nullrunde im Parcours Leonie Kuhlmann (Einbeck) mit Cascora vom Bronzerang.

Das Starterfeld bei den Junioren zählte 42 Paare, die nach der Dressur und einer flüssig verlaufenenen Geländeprüfung dicht beieinander lagen. Das Springen würfelte die Rangierung jedoch noch einmal durcheinander. Lediglich an der Spitze änderte sich nichts. Nachdem überraschend die Preis-der-Besten-Siegerin Anna-Katharina Vogel (Biessenhofen) mit Quintano P bereits im Gelände ausgeschieden war, war der Weg frei für die Fehmaranerin Kristin Rickert und den Vier-Sterne-erprobten, aber sicherlich nicht einfach zu reitenden Leprince des Bois. „Endlich hat das Pferd mal einen guten Reiter“, scherzte Kai Rüder, der im Frühjahr die Idee gehabt hatte, seine 18-jährige Nachbarin auf sein Spitzenpferd zu setzen. Mit einem Topergebnis von nur 39,4 Minuspunkten beendete das Paar die Dressur und fügte diesem Ergebnis weder im Gelände noch im Springen weitere Strafpunkte hinzu. „Schade, dass so ein Paar nicht für die Europameisterschaften in Frage kommt. Aber das Reglement verbietet es, Pferde mit aktuellen Vier-Sterne-Ergebnissen bei Junioren-Europameisterschaften einzusetzen“, sagte Hans Melzer.

Auf dem Silberrang landete mit 47,1 Minuspunkten die Baden-Württembergerin Maria Wagner. Die Pony-Umsteigerin aus Inzigkofen war mit Dispens in Kreuth am Start. Erst seit wenigen Monaten sind der französische Wallach Pommard du Clos und sie ein Paar. „Ich habe ihn ausprobiert und sofort gewusst, dass das mein Pferd ist“, sagte sie. Dass es bei der DJM-Premiere am Ende sogar zur Medaille reichte, lag allerdings auch ein wenig am Pech der vor ihr rangierenden Favoritinnen. So musste Flora Reemtsma (Groß Walmstorf) mit River of Joy zwei Abwürfe, Celine Geißler (Fußgönheim) mit Lucky Luciano sogar vier Abwürfe in Kauf nehmen. Sie machten damit auch den Weg frei für Charlotte Whittaker aus dem bayerischen Zangberg. Für die mit eben noch 14 Jahren eine der Jüngsten im Starterfeld gab es die Bronzemedaile. Die Vielseitigkeit ist der jungen Reiterin mit der doppelten Staatsangehörigkeit quasi in die Wiege gelegt. Schließlich hat Mutter Petrina Whittaker, geborene Philpot, selbst schon einmal die bekannte Vielseitigkeitsprüfung in Badminton beendet. Mit der zuvor von Julia Fellhauer gerittenen Poupee de Cire hat Charlotte Whittaker darüber hinaus ein erfahrenes Pferd für die Junioren-Tour zur Verfügung. Die beiden hatten am Ende 47,8 Minuspunkte auf dem Konto, ebenso viele wie Hella Meise aus dem westfälischen Steinhagen mit First Flight’s Beauty. Da Charlotte Whittaker im Gelände allerdings näher an die erlaubte Zeit herangeritten war, blieb die Medaille in Bayern.

„Es ist erfreulich, dass das Juniorenstarterfeld in der Breite wieder besser aufgestellt ist“, sagte Nachwuchsbundestrainer Rüdiger Schwarz, der in Kreuth auch für den Geländeaufbau verantwortlich zeichnete. Traditionell war die DJM auch eine Sichtung für die Nachwuchs-Europameisterschaften. Für die Junioren führt der Weg weiter über einen Vorbereitungslehrgang und eine Trainingsprüfung auf M-Niveau in Warendorf, die Jungen Reiter werden sich individuell nach Absprache mit dem Bundestrainer auf einen möglichen EM-Einsatz vorbereiten. Hb