Ergebnisse CHU Berlin 2013 in Dallgow: So etwas gibt’s ja gar nicht! OOOOOOOH Berlin, bärenstark!

 

Wer als Reiter oder Zuschauer noch nie in seinem Leben ein Studentenreitturnier besucht hat, darf nicht ohne einen solchen Besuch sterben! Man kann bereits im Vorfeld alles vergessen, was man über den Turnierreitsport weiß und auch über das Veranstalten von Festen mit Musik und Tanz, die sich Partys nennen. Das, was der akademische Nachwuchs am vergangenen Wochenende im Reitsportpark Dallgow gezeigt hat, war ganz großes Kino.

 

Anreise war bereits am Freitag für die zwölf Teams zu je drei Frauen, Mannen oder gemischt. Dazu kam eine gehörige Portion SCHLABUS (eine mittlerweile antiquierte Namensform von mitreisenden Ultra-Fans, die sich früher Schlachtenbummler nannten – hat sich als Abkürzung bei Studentenreiters aber tapfer gehalten). Der Ausrichter und Gastgeber aus Berlin durfte selbst nicht teilnehmen.

Bereits am Freitag zum ersten „Arbeitstreffen“ in der Carotte traf man sich und feierte bis in den Morgen hinein. Das war nicht weiter schlimm, denn es ging ja am gleichen Tag (dann Samstag) erst früh mit den Dressurausscheiden los, weiter mit der Fahrt nach Berlin zum Flashmob auf dem Alex inklusive runtergelassener Hosen aus dem School Bus heraus, um die Nacht wieder mit einer bombastischen Party in der Carotte zu zelebrieren. Von dort durfte man sich dann mit wenig oder gar keinem Schlaf wieder in den Sattel schwingen, um die Springaufgaben am Sonntag zu meistern.

 

Hört sich anstrengend an? War es auch! Aber noch etwas anstrengender sind für Nichteingeweihte die Regeln, nach denen auf den geliehenen Pferden geritten wird. Die kamen unter anderem von Juliane Mehnert, die gleich auch noch Richterin war. Das Siegpferd Ardan stammt aus dem Reitsportzentrum Waldesruh. Gabi Lyck-Piehl und Wolfgang Piehl haben mal wieder in aller Hilfsbereitschaft und mit viel Spaß an der Sache mitgemacht. So kennt man sie ja in diesem Jahr bereits vom Namibia-Projekt in Münchehofe und von den Feierlichkeiten zum 10-jährigen Bestehen der Gemeinde Hoppegarten, ihrem Kinderfest im Frühjahr usw. Die beiden sind in Sachen Hilfsbereitschaft an vorderster Front unterwegs und können sich nun darüber freuen, dass Ardan bis ins Finale gesprungen ist. Glückwunsch!

 

Zum sportlichen Teil sind Vertreter von zwölf Unis angetreten. Nebensächlich war das Geschlecht (wenn man mal von einigen Paarungsritualen auf Feigling-Basis absieht) oder die Fakultät (auch wenn man den einen oder anderen angehenden Mediziner als Berater bei der Wahl der Partygetränke durchaus hätte gebrauchen können). Wichtig waren zwölf Pferde, die in der ersten Runde den 36 Startern zur Verfügung stehen mussten. Davon blieben zwölf auf vier Pferden übrig. Man könnte es als eine Art Viertelfinale bezeichnen, auch wenn Vergleiche zum Fußball schwierig sind. Von denen bleiben noch vier Reiter übrig, die mit zwei Pferden in den Parcours müssen. Im Finale dann ritten beide Teilnehmer mit demselben Pferd. Das war Ardan und auf ihm saß zuerst Johannes Blum aus Ilmenau und danach Charlotte Vornholt vom Team Osnabrück. Johannes hatte die 100%-Sperre drin und beanspruchte nicht das gesamte Vermögen von Ardan. Charlotte kitzelte etwas mehr heraus, war schneller und blieb fehlerfrei. Das war der Sieg am Sonntag.

 

Die Springen werden bei einem CHU von Wettbewerb zu Wettbewerb immer anspruchsvoller. Es fängt über den Daumen alles so in etwa auf A-Level an und steigert sich bis zum Finale auf M-Niveau. Jeder darf vor seinem Umlauf zwei vorher für alle gleich festgelegte Probesprünge machen. Das Abreiten nimmt schon wieder jemand anderes vor, um die Bedingungen für alle möglichst gleich zu halten. „Es ist nicht anstrengend, aber anders!“, verkündete Parcourschef Burkhard Mertke. Er hatte auf dem Platz teilweise bis zu zehn oder mehr Personen, die entweder beim Bauen halfen oder sich um die Pferde und Reiter/innen kümmerten, die gerade dran waren.

 

Aus den Boxen dröhnte Musike, die eigentlich thematisch mehr so bei den beiden wichtigsten Themen des Wochenendes angesiedelt waren (außer dem Reiten natürlich, oder auch, wie man’s nimmt). Wer zu „Finger im Po Mexico“ durch einen M-Parcours geht, ist bestimmt schmerzfrei und konnte sich der anfeuernden Schlachtrufe (beginnen alle mit dem Buchstaben OOOOOOOOOH – zum Beispiel OOOOOOOOOH Osnabrück!!!) von der Tribüne gewiss sein. Dazu wurde immer wieder getanzt, gesungen, gebaggert und getrunken; was eben so ging.

Ein Studentenreitturnier ist entfesselter Spaß auf und neben dem Pferd, der mit nichts auf dieser Welt vergleichbar ist, was man von konventionellen Turnieren so kennt. Wenn man dann noch bedenkt, dass schon am 05. Dezember in Elmshorn nördlich von Hamburg die Deutschen Hochschulmeisterschaften beginnen und bis zum 08. Dezember andauern, dann fragt man sich natürlich, wie das einige aushalten. Immerhin geht es auf Holsteiner Spitzenpferden in die Wettbewerbe um die akademischen Reiterehren des Jahres. Schirmherrin ist Frau Dr. Uschi von der Leyen, die auch das Grußwort schrieb. Gewagtes Engagement, möchte man meinen…

 

Aber zurück zu Dallgow und dem CHU Berlin 2013. Nach Abschluss des letzten Springens mussten erstmal alle ihre Hotelzimmer räumen, den Parcours abbauen und alle Utensilien an den richtigen Platz stellen. In der Meldestelle wurde fleißig gerechnet. Es wurden schließlich viele Sieger ermittelt, die zu den erkämpften Ehren kommen sollten.

In der Dressur erreichte Wiebke Meine vom Team Lüneburg die höchsten Weihen gefolgt von Charlotte Vornholt aus Osnabrück. Dritte wurde das Hamburger Deern Sinja Meyer vor Sarah Kunkel (ebenfalls HH).

Im Springen war, wie bereits erwähnt, Charlotte Vornholt siegreich. Auf Platz zwei ritt Johannes Blum von der Ilmenau-Fraktion vor Friederike Kersten aus Machteburch.

 

Und so kam es, wie es kommen musste, Charlotte die Große gewann nicht nur die Kombination, sondern vorher auch noch das Knutschduell mit dem Gegner im Finale (Johannes). Viel Liebe war da jetzt nicht zu erkennen beim Rollen auf dem Reitboden, aber was will man nach 72 Stunden Dauerparty auch erwarten. Übrigens: Auch die Richter mussten sich am Ende mit kleinen Feiglingen auseinandersetzen. Das gehört dazu, wenn angehende Akademiker reiten.

 

In der Teamwertung waren die Vertreter aus Rheinland-Pfalz ganz vorn. Das Trier-Team siegte vor Osnabrück und Hamburg. Platz vier holten sich die Hannover-Jungs, die an anderer Stelle mehr „glänzten“.

 

Blieb noch die Vergabe des Baggerpreises. Den schnappte sich Gregor aus Trier, der dafür einen blauen, fellbesetzten Wellensteyn-Gürtel erhielt und eine Hunderter-Packung Kondome nebst Beifall und lautem Grölen aus den Reihen der Sportler. Der Gürtel musste selbstredend sofort angelegt werden. Die Hose blieb wenigstens in diesem Fall zu!

 

Etwas schwieriger wurde es mit dem Survival-Cup. Der ging an den Vorjahressieger Hamburg. Die Damen teilten sich den Cup aber gnadenlos gerecht mit den Hannoveranern (den Reitern aus Hannover). Die Entscheidung war nämlich sehr knapp, denn wer den blanken Hintern in Berlins Mitte aus dem Busfenster streckt, ist in dieser Wertung ganz weit vorne. Am Ende gab die Standhaftigkeit den Ausschlag. Hamburg tanzte noch auf 100% Leistung, als alle andern schon den Akku leer hatten und nicht mehr konnten. Harte Typen, die Hamburger – und fair.

 

Am Ende blickt die Berliner Studentenreitergruppe auf ein sagenhaftes Turnier zurück, das sehr viel Lob von allen Seiten bekam. Besonders hervorgehoben wurde von den Beteiligten das ansprechende Rahmenprogramm mit viel Kultur, niveauvollen Unterhaltungen und einem guten Glas Wein am Abend in gemütlicher Runde…

Wer im Herbst oder Winter (da finden fast alle Studentenreitturniere statt) Trübsal bläst, sucht sich einfach ein solches CHU und mischt sich unter das Studentenvolk. Da kommt jeder auf andere Gedanken – auf ganz andere...

HIER geht es zu etwa 240 Bildern vom Turnier.

HIER geht es zu Teil 1 des Videos vom Flashmob am Alex.

HIER geht es zu Teil 2 des Videos vom Flashmob am Alex.

Es folgen die Ergebnisse des Studentenreitturniers CHU Berlin 2013 in Dallgow:

 

 

Fotos von Jan-Pierre Habicht (C)