Ergebnisse Bundeschampionate 2014: Flavis und Lucky Lutz mit Schärpe bei den Fahrpferden

 

Gelungene Premiere bei den Fahrpferden

Warendorf (fn-press). Die jungen Fahrpferde gewinnen an Bedeutung - jedenfalls auf den DKB-Bundeschampionaten. Hier wurde in diesem Jahr erstmals der Titel bei den sechs- und siebenjährigen Fahrpferden vergeben und insbesondere das geforderte Hindernisfahren in dieser Kategorie stieß auf reges Zuschauerinteresse. Den Applaus des Siegers konnte bei der gelungenen Premiere Lucky Lutz ernten. Bei den jüngeren Fahrpferden war es Flavis, der am Ende überlegen den Sieg einheimste.

Flavis ist Bundeschampion der vier- und fünfjährigen Fahrpferde. Der vierjährige Westfalen-Hengst an den Leinen von Christian Koller überzeugte das Richterteam Ewald Meier und Wilfried Gehrmann auf ganzer Linie. Letzterer kam bei der Kommentierung des Flanagan-Sohnes aus einer Ehrentusch-Mutter, der im Besitz des Nordrhein-Westfälischen Landgestütes steht, regelrecht ins Schwärmen: „Ein Gespann, das in fast allen Belangen vorbildlich ist“, so Gehrmann, der nicht nur die außergewöhnlichen Bewegungsqualitäten des von Hermann Berger gezogenen Hengstes herausstellte sondern auch dessen Durchlässigkeit und Bereitschaft zur Mitarbeit. „Das Leinen-aus-der-Hand-kauen-lassen hätte viel besser nicht sein können“, so Gehrmann. Der Hengst zeigte diese Lektion ohne Schwungverlust und brillierte auch hier mit absoluter Trittdynamik und Taktsicherheit.

„Da ist ein Tritt wie der andere“, so Gehrmann über den vorne beidseitig hochweiß gefesselten Braunen. Der wurde, auch das betonte das Richtergremium, von Fahrer Christian Koller exzellent vorgestellt: Das „korrekte Ausfahren der Hufschlagfiguren, das genaue Abwenden und die exakten Übergänge“, überzeugte die Jury. Fremdfahrer Herbert Rietzler lobte den Hengst als „gefestigtes und ausbalanciertes Pferd mit viel Perspektive“ und vergab die Wertnote 9,2. Eine 9,5 gab es dann als Höchstbewertung für den Schritt. Gebrauchstrab, Trabverstärkung, Ausbildung und Hindernisfahren sowie Gesamteindruck waren den Richtern je 9,0 wert.

Insgesamt standen am Ende 27,4 Punkte auf Kollers Konto und damit ein dicker Vorsprung zur Zweitplatzierten Donna Felina an den Leinen von Falko. Doch auch die Vize-Bundeschampioness, eine ebenfalls erst vierjährige Stute von Don Frederico aus einer White Star-Mutter, wusste zu gefallen. Die sympathische braune Hannoveraner-Stute aus der Zucht von Wolfgang Lohmann, die im Besitz von Jürgen Matthies steht, sei, so die Jury, absolut auf dem richtigen Weg. Einen überragenden Schritt und gute Ansätze im Trab befanden die Richter. Allerdings konnte man der jungen Stute – wohl auch aufgrund der schwülwarmen Witterung – die Anstrengungen ihres ersten Bundeschampionates durchaus anmerken und so konnte sie sich nicht mit der letzten Dynamik präsentieren. Das Potential jedoch – und das bestätigte auch Pferdewirtschaftsmeister Rietzler als Fremdfahrer – war ohne Frage erkennbar und offensichtlich vielversprechend. So landete Donna Felina mit 23, 5 Punkten und deutlichem Abstand auf Platz zwei.

Auf den Bronze-Rang mit insgesamt 23,4 Punkten fuhr Catherine Acker die fünfjährige Hessen-Stute Gräfin. Die Grafenstolz-Tochter aus einer Rodgau-Mutter wurde gezogen von Dr. Ulrich Roesrath und steht im Besitz von Kerstin de Vries. Die braune im Blütertyp stehende Stute, die in der Finalqualifikation noch vor Donna Felina gelegen hatte, gefiel mit einer soliden Leistung, mit energischen Bewegungen und mit viel Potential, das ihr Meier und Gehrmann gleichermaßen bescheinigten.

Sechs- und siebenjährige Fahrpferde

Die letzten werden die ersten sein – das jedenfalls galt für Lucky Lutz und seinen Fahrer Dieter Rabenstein. Rabenstein, der mit seinem Pferd als Letzter von insgesamt sechs qualifizierten Teilnehmer-Gespannen zur finalen M-Dressur antrat, dominierte das Finale Teil A mit seiner Dressurleistung von 9,3 klar. Der Bundeschampion des vergangenen Jahres und Sieger der diesjährigen Finalqualifikation zeigte laut Gehrmann eine Runde wie aus dem Bilderbuch: „Ich wüsste nicht, was viel besser hätte sein können“, lobte Wilfried Gehrmann den sechsjährigen bayerischen Wallach, der von Stefan Remler gezogen wurde und im Besitz seines Fahrers steht. Der Sohn des Locksley III aus einer Feuerschein I-Mutter punktete mit viel Schwung, starken Bewegungen, viel Dynamik und einer Durchlässigkeit, die vorbildlich war. „Besonders das Leinen-aus-der-Hand-kauen-lassen war beispielhaft“, befand Gehrmann und bestätigte Rabenstein, der im letzten Jahr zum ersten Mal überhaupt bei den DKB-Bundeschampionaten am Start war, den energisch abfußenden Wallach perfekt vorgestellt zu haben. Im Gelände erhielten Rabenstein und sein sechsjähriges Fahrpferd mit einer 7,6 die drittbeste Bewertung. Insbesondere vorm Wasser bekam Lucky Lutz zunächst große Augen, zeigte dann aber ein ebensolches Herz und überwand die Passage fehlerfrei. So stand den 16,9 Zählern als Endergebnis ohne Abzug nichts mehr im Weg.

Die beste Geländeleistung zeigte Daylight K2. Mit einer sehr guten 8,2 eroberte sich die von Julia Bernshausen kutschierte siebenjährige Stute den Titel der Vize-Bundeschampioness – und das obwohl die Dressur mit einer 7,6 zunächst noch nicht ganz optimal lief. Leichte Probleme bei der Durchlässigkeit kreideten die Richter der Hannoveraner-Stute an. Im Gelände dann überzeugte die Tochter des Dartagnan aus einer Katanga AA-Mutter die Richter dann aber mit Kampfgeist und unbedingtem Leistungswillen. „Das war eine richtig starke Leistung im Gelände und an der Dressur kann man arbeiten“, so Meier. Letztlich summierten sich 15,8 Punkte für die von der Fahrerin selbst gezogene Fuchsstute. Mit zwei sehr soliden Auftritten sicherte sich Society Crown den Bronze-Rang. Gefahren von Marcel Lehmbruch erreichte die sechsjährige Trakehnerstute in der Dressur mit einer 8,2 die drittbeste Bewertung. Die Geländerunde der Polarion-Tochter aus einer Mutter von Biotop war den Richtern eine mittlere Bewertung, nämlich eine 7,3 wert. Insgesamt also sammelte die von Peter-Michael Heinen gezogene Schwarze, die im Besitze der Zuchtgemeinschaft Drachenburg steht 15,5 Punkte.

Ein echtes Novum war nicht nur die Kategorie der sechs- und siebenjährigen Fahrpferde an sich. Die hätte eigentlich bereits im letzten Jahr Premiere feiern sollen, musste allerdings aufgrund mangelnder Nennungszahlen ausfallen. Auch das hier verlangte Hindernisfahren mit Geländehindernissen fand zum ersten Mal statt: Zu bewältigen war zunächst ein Kegelparcours bevor es auf den von Karl-Heinz-Wiemer gestalteten, insgesamt 2000 Meter langen Geländeparcours ging. „Wir sehen insbesondere den Teil mit den Hindernissen hier als Testveranstaltung“, resümierte Ewald Meier, der vieles daran bereits gut – einiges noch verbesserungswürdig fand. „Wir werden das jetzt sacken lassen und uns dann auf mögliche Optimierungen einigen“, so Meier. Er fand, dass sich insbesondere die Spitzenpferde aus dem Dressurviereck im Gelände relativ schwer taten. „Die konnten auf dem Viereck ja mit tollen Bewegungen und energischem Schwungablauf glänzen, in den Hindernissen dann waren sie doch noch nicht so souverän und gelenkig, wie wir das vielleicht erwartet hätten“. Besonders hart erwischte es im Gelände Dreamboy, der von Dieter Rabenstein gefahren nach der Dressur zunächst direkt hinter seinem Stallkollegen Lucky Lutz gelegen hatte. Er brauchte am Wasser eine zweite Einladung und verlor dadurch wichtige Punkte. Rang vier am Ende für den Dressurzweiten. Zu Ende war die Fahrt am Wasser für Graf Ibiskus und Dieter Lauterbach. Der sechsjährige Trakehner konnte nicht überzeugt werden, die Wasserdurchfahrt zu passieren.

Nichts desto trotz waren die Richter mit dem Gros der Leistungen auf dem als Fahr-Arena umgestalteten Military-Platz sehr zufrieden. „In beiden Finals haben wir tolle Gespanne gesehen, von denen wir sicher noch viel hören werden“, ziehen Gehrmann und Meier ein positives Fazit der diesjährigen Fahrpferdeprüfungen.