EQUITANA: Trend geht zu getreide- und melassefreien Mischungen

Früher war zwar nicht alles besser, aber manches schon. Denn heutzutage plagen Pferde sich mit Wohlstandskrankheiten herum wie beispielsweise Stoffwechselstörungen, die zum Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) und Hufrehe führen. Ursachen dafür können nicht art- und vor allem nicht bedarfsgerechte Fütterung sowie Bewegungsmangel sein. Die neuesten Trends auf dem Futtermarkt zeigt die EQUITANA in Essen. Vom 14. bis 22. März präsentiert die Weltmesse des Pferdesports das größte Angebote rund um die Haltung und Fütterung von Pferden.

Hildegard Stammen von Firma Pavo berichtet: „Ein großer Markt ist der Freizeitbereich. Hier gilt es, Pferde richtig zu füttern, die keinen großen Belastungen ausgesetzt sind, aber trotzdem mit allen Nährstoffen versorgt werden müssen.“ Um diesen Balanceakt hinzubekommen, muss man vor allen Dingen wissen, wie es um die Grundversorgung der Pferde bestellt ist – wie viele Nährstoffe werden bereits mit dem Grundfutter Heu aufgenommen, das für Pferde so etwas ist wie für uns das sprichwörtliche täglich Brot (auch wenn man hier in Zeiten von Glutenunverträglichkeit etc. freilich differenzieren muss).

Andrea Everding, Produktmanagerin und Fütterungsberaterin bei Firma Eggersmann, berichtet: „Oft wird nach dem Motto ,viel hilft viel’ gefüttert. Es wird mehr gegeben an Krippen- und Mineralfutter sowie Konzentraten als das Pferd eigentlich braucht. Wir haben viel mehr dicke Pferde als früher und dadurch leider auch mehr Stoffwechselerkrankungen. Der momentane Trend geht in Richtung getreidefreie Fütterung. Ich denke, das wird in den nächsten Jahren noch mehr werden.“

Auf diesen Zug sind so gut wie alle Hersteller aufgesprungen und bieten getreide- und melassefreie Mischungen an. Dabei betont Udo Steinbock vom Futtermittelhersteller Höveler, dass das Bewusstsein um die Problematik der falschen Fütterung und der damit verbundenen Risiken bei den Pferdebesitzern immer größer wird: „Die Leuten wollen beispielsweise Müslimischungen, bei denen sie die Komponenten klar erkennen können – am besten getreidefrei und faserreich. Früher wurden zusätzlich zum Hafer fast nur Pellets verkauft.“ Überhaupt gehe der Trend in Richtung Faserprodukte, sagt der Experte. Das kann zum Beispiel ein Anteil Luzerneheu in der Krippenration sein, der die Pferde zwingt, ihr Futter lange zu kauen und so mehr Speichel zu bilden. Das wirkt sich positiv auf den gesamten Verdauungsvorgang aus und hilft außerdem gegen Langeweile.

Aber nicht nur Übergewicht ist ein Thema im Pferdestall. Auch das Gegenteil stellt ein Problem dar, weiß Hildegard Stammen von Firma Pavo. Häufig sind alte Pferde betroffen. Aber auch Hochleistungs- oder ganz normale Reitpferde können mit Untergewicht zu kämpfen haben. Auch hier gilt: das Heilmittel ist die bedarfsgerechte Fütterung. Ist der Bedarf höher, muss angepasst werden. In Pensionsställen kann das insofern ein Problem darstellen, als da viele Stallbetreiber gar nicht wissen, was drin steckt in ihrem Heu, also dem Grundnahrungsmittel der Pferde. Dann ist es schwierig, die Ration im richtigen Maß zu ergänzen. Bei Firma Pavo ist man darum dazu übergegangen, jährlich Stichproben der einzelnen Heuernten aus verschiedenen Regionen zu nehmen und so einen Trend zu ermitteln, wie es um die Nährstoffsättigung der aktuellen Charge aussieht. „Dementsprechend passen wir dann unsere Rezepturen an“, erklärt Hildegard Stammen. Das könne natürlich nur eine Mischkalkulation sein. Ihre Empfehlung vor allem für größere Betriebe: die Heulieferungen analysieren und danach die Kraftfuttergaben anpassen! Bei Fragen kann man sich da gerne an Pavo wenden.

Udo Steinbock von Firma Höveler gibt allerdings zu bedenken, dass viele Pferdebesitzer sich gar nicht mehr auf die Betriebe verlassen: „Die Leute wollten gutes Grundfutter und ergänzen dieses dann durch hochwertiges Mineralfutter. Das ist bei uns besonders gefragt.“ Da kann es schon mal passieren, dass Einsteller zwar Vollpension zahlen, aber trotzdem noch ihr eigenes Heu kaufen. Und natürlich das Zusatzfutter. Eigentlich richtig. Udo Steinbock: „Je mehr wir über die komplexe Verdauung des Pferdes herausgefunden haben, desto deutlicher wurde, dass die Fütterung den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes entsprechen muss – eine moderate Eiweiß- und Energiezufuhr und ein breites Aminosäuren-Spektrum sind die Ecksteine. Dementsprechend haben wir unsere Rezepturen angepasst.“

Fazit: Alle Pferdebesitzer wollen das Beste für ihren Liebling. Aber „viel hilft viel“ ist hier die falsche Maxime. Zumal man bei Firma Eggersmann die Erfahrung gemacht hat, dass ein Großteil der Kunden sehr wohl aufs Geld achtet. Produktmanagerin Andrea Everding: „Momentan sind die günstigeren Produkte gefragt. Der Kunde vergleicht hauptsächlich den Preis, nicht unbedingt die Inhaltsstoffe.“ Da wäre es doch sinnvoll, einmal Geld in die Hand zu nehmen und das Raufutter im Angebot untersuchen zu lassen, um hinterher dosiert und gezielt zu ergänzen. Bei der Frage wie und womit, helfen einem die meisten Futtermittelfirmen gerne weiter. Eine ganze Messehalle voller Hersteller zum Vergleichen treffen Sie auf der EQUITANA 2015 vom 14. bis 22. März gleich in Halle 1. Futtermittelanalyse und Trainingsplan nicht vergessen!