EM Junioren und Junge Reiter in Bern: Große Medaillenausbeute für deutsche Nachwuchsreiter

Bern/SUI (fn-press). Reichlich Edelmetall sammelte der deutsche Dressurreiternachwuchs bei den Europameisterschaften in Bern in der Schweiz. Zusätzlich zu Mannschaftsgold für die Jungen Reiter und Silber für die Junioren gab es für die Reiterinnen von Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen (Hoya) Silber und Bronze in Einzelwertung und Kür.

Mit der Preis-der-Besten-Siegerin Charlott Maria Schürmann (Gehrde), Triple-Europameisterin Sanneke Rothenberger (Bad Homburg) und deren langjähriger Teamkollegin Louisa Lüttgen (Kerpen) traten die deutschen Jungen Reiter einmal mehr als Favoriten bei den Europameisterschaften an und wurden dieser Rolle auch gerecht. Für die Überraschung sorgte allerdings die vierte Deutsche, Florine Kienbaum (Lohmar), die mit ihrem neuen Pferd Don Windsor OLD erstmals als Junge Reiterin bei einer EM startete und sich in Bern von Tag zu Tag steigerte. Bereits in der Teamwertung erzielte sie mit 72,842 Prozentpunkten nicht nur ihre bis dahin beste Note, sondern lieferte damit auch das dritte Ergebnis für den „Gold-Gewinn“ der deutschen Mannschaft. „Die beiden haben sich im Laufe des Jahres gut zusammengefunden. Florine ist hier mit sehr viel Elan geritten“, lobte der Bundestrainer die „dynamisch-erfrischende“ Vorstellung des Paares. Das Nachsehen hatte Louisa Lüttgen, die in der Mannschaftsaufgabe mit ihrem Habitus zunächst „unwahrscheinlich gut angefangen hatte“, so Meyer zu Strohen, durch Fehler bei den Galoppwechseln allerdings wertvolle Punkte verlor: 70,868 Prozentpunkte. In der Einzelwertung setzte sich der Trend fort. Während Louisa Lüttgen Platz sechs belegte (73,842), wuchs Florine Kienbaum weiter über sich hinaus. Mit 75,5 Prozentpunkten rückte sie in der Einzelwertung bis auf Platz vier ans Treppchen heran und krönte ihre Reise in Schweiz am letzten Tag sogar mit einer Bronzemedaille in der Kür (78,6). „Das zeigt das Niveau, auf dem hier geritten wurde. Im vergangenen Jahr hätte man mit diesen Noten noch Europameister werden können“, sagte der deutsche CO-Trainer Oliver Oelrich (Lengerich).

Als unschlagbar im Feld der Jungen Reiter erwies sich die Dänin Cathrine Dufour mit Atterupgaards Cassidy, die nicht nur ihrem Team zur Silbermedaille verhalf, sondern auch Gold in der Einzelwertung (78,816) und Kür (84,925) holte. Zwei Mal die Silber durften Charlott Maria Schürmann und ihr Hengst Burlington mit nach Hause nehmen. In der Einzelwertung drehten sie mit 77,026 Prozentpunkte innerhalb des deutschen Teams die Rangierung aus der Mannschaftswertung um. Dort hatte noch Sanneke Rothenberger das beste Ergebnis für Deutschland erzielt. Mit 76,868 Prozentpunkten gab es Bronze für die dreifache Europameisterin des Jahres 2011, die in Bern allerdings nicht ihren Vorjahreschampion Champion Devereaux OLD, sondern die 13-jährige Hannoveraner Stute Wolke Sieben v. Wolkenstein II gesattelt hatte. In der Kür musste sie neben Schürmann, die um vier Zehntel die 80er Marke verpasste, auch Florine Kienbaum den Vortritt lassen. „Schade für Sanneke, deren Stute am Ende etwas heiß wurde. Aber toll für Florine, die sich über die Tage hier richtig gesteigert hat. Damit haben fast alle unsere Reiterinnen auch eine Einzelmedaille geholt“, sagte der deutsche Co-Trainer Oliver Oelrich (Lengerich).

„Insgesamt haben wir hier zehn Medaillen gewonnen“, ergänzte Oelrich, „so viele schon lange nicht mehr.“ Denn die deutschen Junioren standen ihren älteren Kollegen in nichts nach, sieht man einmal davon ab, dass es in der Mannschaftswertung silberne und nicht goldene Medaillen waren, die sich das Quartett umhängen lassen durfte. Als dominierendes Paar der Junioren-EM erwies sich allerdings die Niederländerin Dana van Lierop mit DJ Tiesto. Mit ihrem Topergebnis von 77,405 Prozentpunkten gab sie bereits in der ersten Prüfung den Ausschlag für den Sieg ihrer Mannschaft vor dem deutschen Team – Vivien Niemann (Mannheim), Vivian Scheve (Dortmund), Maxi-Kira von Platen (Wietze) und Bianca Nowag (Ostbevern). Auch an den Folgetagen ließ van Lierop, im Vorjahr noch erfolgreiche Ponyreiterin, nichts anbrennen und sicherte sich sowohl in der Einzelwertung (77,184) als auch der Kür (81,150) den Titel. Die Silber- und Bronzemedaille machten in beiden Prüfungen Vivien und Vivian unter sich aus. In der Einzelwertung erwies sich die Preis-der-Besten-Siegerin Vivien Niemann mit Wirsol’s Cipollini als die Bessere, auch wenn es mit 74,711 Prozentpunkten nicht zur Titelverteidigung reichte. Vivian Scheve wurde mit Bellheim Dritte (74,184). In der Kür drehte sie Spieß um. „Vivians Kür war etwas einfacher, dafür fehlerfrei. Viviens Kür war deutlich schwerer, dafür nahm sie aber auch kleinere Fehler in Kauf“, sagte Oelrich. „Und am Ende ist alles auch ein bisschen Geschmackssache“.

Als dritte Deutsche in der Kür hatte sich etwas überraschend die Jüngste der deutschen Reiterinnen, Maxi-Kira von Platen mit Flamenco Girl, empfehlen können. In der Einzelwertung rangierte sie mit 70,974 Prozentpunkten knapp vor ihrer Teamkollegin Bianca Nowag mit Dauerbrenner (70,053/Platz neun), konnte dieses Ergebnis in der Kür aber nicht wiederholen (69,65/ Platz zwölf). „Maxis Pferd Flamenco Girl ist ein bisschen nervig geworden und dann im Galopp weggesprungen“, sagte Oelrich. „Trotzdem ist hier keiner traurig. Schließlich ist es ja schon ein großer Erfolg, überhaupt bei einer Europameisterschaft und dann auch noch in der Kür starten zu dürfen.“                Hb