EM Dressur Junioren und Junge Reiter Broholm/DEN: Fünf Goldmedaillen für deutsche Nachwuchsreiter


EM Dressur Junioren und Junge Reiter Broholm/DEN:

 

 

Fünf Goldmedaillen für deutsche Nachwuchsreiter

 

Broholm/DEN (fn-press). Fast so erfolgreich wie bei den Dressureuropameisterschaften 2010 in Kronberg kehrten die deutschen Nachwuchsreiter dieses Jahr aus dem dänischen Broholm zurück. Sowohl das auf Championaten noch unerprobte Junioren-Team, als auch die im Vorfeld als Favoriten gehandelten Jungen Reiter gewannen Gold in der Mannschaftswertung. Vergoldet wurden ebenfalls die Leistungen von Vivien Niemann (Mannheim) mit Cipollini in der Einzel-Wertung bei den Junioren und die Ritte von Sanneke Rothenberger (Bad Homburg) mit Deveraux OLD, die Einzel- und Kür-Gold bei den Jungen Reitern gewann.

„Wir sind nicht nur sehr glücklich mit den Ergebnissen hier in Dänemark, sondern auch darüber, dass die Pferde bei diesen extremen Wetterbedingungen optimal in festen Stallungen untergebracht waren. Bei einem normalen Turnier hätte man die Fenster des LKW hochgeklappt und wäre schnell wieder nach Hause gefahren. Wir sind jetzt auf die Deutschen Meisterschaften in Freudenberg gespannt, die den Championats-Abschluss für dieses Jahr bilden. Dann blicke ich schon wieder auf 2012, denn nach der Euro ist vor der Euro“, zog  Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen (Hoya) sein Fazit.

Eine sehr geschlossene Mannschafts-Leistung lieferte das als „Küken-Team“ bezeichnete deutsche Junioren-Quartett ab. So konnten sich Pia-Katharina Voigtländer (Berlin) mit Laetitian R (73,622 Prozent) an die Spitze des Feldes setzen, dicht gefolgt von ihrer Team-Kollegin Vivien Niemann mit Cipollini (73,459 Prozent, Platz zwei). Den Mannschafts-Erfolg komplettierten Jonas Schmitz-Heinen (Wermelskirchen) mit Der Daimler (70,541 Prozent, Platz fünf) und Lena Schütte (Gyhum) mit Eloy (69,378 Prozent, Platz neun). Gewertet wurden für das Team-Ergebnis die besten drei Ritte (217,622 Prozent). Silber ging an die Gastgeber aus Dänemark (211,324). Über Bronze freuten sich die Holländer (209,243 Prozent).

An den folgenden drei Turniertagen mussten alle Reiter und vor allem die Pferde mit Dauerregen, Kälte und Sturmböen zurechtkommen. Ganz auf Angriff ritt Vivien Niemann mit Cipollini und wurde dafür mit Gold in der Einzel-Wertung belohnt (75,158). „Vivien hat das ganz souverän gemacht und sich von Lektion zu Lektion immer noch gesteigert“, freute sich Hans-Heinrich Meyer zu Strohen. Nicht ganz so losgelassen wie in der Einzel-Wertung präsentierte Vivien ihren Cipollini in der Kür und belegte Platz vier (73,925 Prozent).

Auch die Berlinerin Pia-Katharina Voigtländer glänzte bei ihrer Euro-Premiere mit Laetitian R in den Einzelwertungen mit ansprechenden Runden, die ihr Doppel-Silber sicherten (72,842/ 76,575). 
„Pia-Katharina und Laetitian R trotzten dem Wetter. Sie legten einen Ritt wie bei Sonnenschein hin. Dabei hat die Reiterin wirklich alles aus dem Pferd herausgeholt und die Lektionen perfekt auf die Musik abgestimmt,“ so Meyer zu Strohen. Gold holte sich in der Kür die für Gastgeber Dänemark startende Nanna Skodborg Merrald mit Mirribald (76,700 Prozent). Die Dänin Anna Zibrandtsen freute sich mit Capriciella (76,125 Prozent) nach Einzel-Bronze auch über die Bronzemedaille in der Kür.

Hochs und Tiefs hatte Lena Schütte mit ihrem erst siebenjährigen Hengst Eloy v. Earl-Wendenburg bei ihrem ersten Euro-Start. In der Mannschaftswertung noch Neunte, steigerte sie sich in der Einzelwertung auf Platz vier (72,000). In der Kür der besten 15 Reiter belegten beide dann den letzten Platz. „Eloy hatte sich bereits auf dem Abreiteplatz durch die knatternden Flaggen an den Fahnenmasten aus dem Konzept bringen lassen. In der Prüfung ging gar nichts mehr. Lena ist trotzdem tapfer zu Ende geritten. Solche Bedingungen kann man eben nicht zu Hause üben“, tröstete Meyer zu Strohen.

In der Einzelwertung war der vierte deutsche Junioren-Reiter, Jonas Schmitz-Heinen, mit der Der Daimler als letzter Starter aufs Viereck gegangen. Er hatte das Pech, mit seiner nur minimal von den beiden Vierplatzierten abweichenden Note von 71,947 Prozent Platz sechs zu belegen. Damit hätte sich Jonas für die Kür der besten 15 Reiter am Sonntag qualifiziert, scheiterte jedoch an der Klausel, dass das Finale auf drei Paare pro Nation beschränkt ist. „Das tut mir wirklich sehr leid für Jonas, denn er hatte keine wirklichen Fehler in seinem Ritt, höchstens ein paar kleine Haker“, erklärte Meyer zu Strohen. Die Mädchen hätten ihren bestens ins Team integrierten „Quotenmann“ gerne dabei gehabt.

Hans-Heinrich Meyer zu Strohen bedankte sich auch bei Co-Trainer Oliver Oelrich (Lengerich), der ihn in Broholm vor allem in der Prüfungsvorbereitung sehr unterstützt hat. „Als unsere Nachwuchsreiter direkt hintereinander an den Start mussten, war so die optimale Betreuung immer gesichert.“ Oelrich ist schwerpunktmäßig für die Bundesnachwuchschampionate der Ponyreiter und Junioren und den Albedyll-Cup zuständig. Er begleitet viele Ponyreiter auf dem Weg in die Junioren-Klasse und fährt nach Absprache bei den Junioren auch mit zu Championaten.

Ihre Mannschafts-Goldmedaille der Vorjahres-EM in Kronberg verteidigten auch die Jungen Reiter des deutschen Teams. Spitzen-Ergebnisse fuhren dabei Louisa Lüttgen (Kerpen) mit Habitus (74,263 Prozent, Platz eins), Sanneke Rothenberger mit Deveraux OLD (73,105, Platz zwei) und Charlott-Maria Schürmann (Gehrde) mit Donna Jackson (72,368 Prozent, Platz drei) ein. Annabel Frenzen (Krefeld) kam mit Cristobal auf Rang sieben (70,132).  Für die besten drei Ritte gab es zur Freude von Equipechefin Maria Schierhölter-Otte (Bad Laer) insgesamt  217,622 Prozent. Wie bei den Junioren ging Silber an das gastgebende Team aus Dänemark (210,947) und die Bronze-Medaille nach Holland (209,447).

Zu einem wahren Triumphzug wurden in Broholm Sanneke Rothenbergers Ritte mit dem De Niro – Rohdiamant-Sohn Deveraux OLD. Sie steigerten sich als zweitbeste Deutsche in der Mannschaftswertung noch enorm und waren in Kür- und Einzelwertung der diesjährigen Europameisterschaften bei den Jungen Reitern das Maß aller Dinge. Mit 74,342 Prozent gelang es den beiden, in der Einzel-Wertung die zweite Gold-Medaille für die deutschen Nachwuchsdressurreiter zu sichern. „Sanneke ist eine sehr sichere und konzentrierte Runde geritten“, urteilte der Bundestrainer. Mit 76,075 Prozent setzte sich das Paar auch an die Spitze der 15 Besten in der Kür und stieg zum dritten Mal oben aufs Treppchen. Bereits 2008 und 2009 war Sanneke dieses Euro-Triple in der Junioren-Altersklasse gelungen. In ihrem ersten Junge-Reiter-Jahr 2010 gewann sie Mannschafts-Gold und zwei Mal Einzel-Silber in Kronsberg. Einzel-Silber holte die Dänin Cathrine Dufour mit Atterupsgaards Cassidy (74,079 Prozent), die 2010 mit ihrem Pferd auch bei den Junioren zwei Mal Einzel-Silber gewann. Bronze ging an ihre Team-Kollegin Carina Neuermann Torup mit Blue Boy (73,342 Prozent).

Die sechsfache EM-Teilnehmerin und Mannschaftsgold-Gewinnerin bei den Jungen Reitern 2010, Louisa Lüttgen, hatte im Vorjahr noch den Start in der Kür verpasst. Mit ihrem guten Mannschafts-Ergebnis war sie in Broholm eine der Favoritinnen für die Einzel-Medaillen. „Louisa und Habitus ist in der Mannschaftswertung ein kleines Meisterwerk gelungen. Manchmal ist es ein Drahtseilakt mit diesem Pferd, der ganz stark gehen kann. Louisa hat sich heute bestens auf diesem Seil gehalten“, so der Bundestrainer. Ganz knapp an einer Medaille vorbei ritt Louisa Lüttgen dann in der Einzelwertung (72,105 Prozent). Weniger Spaß am aufspritzenden Wasser hatte der Hohenstein – Weltmeyer-Sohn allerdings in der Kür (67,200 Prozent, Platz zwölf).

Steigern konnte sich im Laufe des Turniers auch Annabel Frenzen mit Cristobal, die gemeinsam mit Louisa Lüttgen in der Einzel-Wertung auf Rang vier kam (72,105 Prozent). Am Final-Tag gelang ihr das Kunststück, die Kür auf dem nassen Viereck mit Wasser von oben und unten so gut (75,075 Prozent), dass dabei Silber für das Paar heraussprang. Annabel Frenzen war in den Vorjahren bereits zwei Mal Team-Reserve für die Europameisterschaften und freute sich umso mehr über die Einzel-Medaille. Der Coriander-Sohn Cristobal „platschte mit seinen großen Holsteiner-Hufen so durch das Viereck, als ob er einen Riesen-Spaß dabei hatte. Annabel hat die Stärken ihres Pferdes hier wirklich bedeutsam herausgearbeitet“, schmunzelte Meyer zu Strohen. Kür-Bronze ging an die Dänin Cathrin Dufour mit Atterupsgaards Cassidy (73,700 Prozent).

Einen klasse EM-Einstand bei den Jungen Reiter hatte auch die dreifache Junioren-Europameisterin von 2010, Charlott-Maria Schürmann mit ihrem dritten Platz in der Mannschaftswertung. Allerdings setzte sie 2011 nicht auf den Hengst World of Dreams, der verkauft wurde, sondern auf ihre Stute Donna Jackson v. Dr. Jackson – Frühlingsklang. Charlott-Maria Schürmann kam mit 70,421 Prozent auf den achten Platz in der Einzel-Wertung und durfte am Sonntag nicht mehr in den Kampf um die Kür-Medaillen mit eingreifen, da laut Reglement nur die drei besten Teamreiter in den Top-15 starten können. „Die Stute war beim Abreiten recht gelassen, aber schon bei der Grußaufstellung mochte sie nicht stehen. Die Siegerehrung vom Donnerstag hatte scheinbar doch an ihrem Nervenkostüm genagt“, erklärte der Bundestrainer. Trotz der Regenmengen seien die Platzverhältnisse aber hervorragend gewesen, fand zu Strohen.

Am Länderabend der Nationen hatte der Bundestrainer als Dieter Bohlen verkleidet die beiden Gold-Medaillen für seine Teams gefeiert. Equipe-Chefin Maria Schierhölter-Otte trat als Lena auf die Bühne, und auch die Nachwuchsreiter präsentierten sich schräg kostümiert. Trainer, Teilnehmer und Betreuer betonten den „super Team-Geist“ bei den Deutschen, der einen großen Anteil an der diesjährigen Medaillenflut gehabt hat.                                                                                                                         Tina Pantel