EM Aachen 2015: Knappe Halbzeitführung für deutsche Dressur-Equipe

Nach zwei von vier Paaren im Lambertz-Preis, der Grand Prix Mannschaftsaufgabe bei den FEI Europameisterschaften Aachen 2015, liegt das deutsche Quartett knapp in Führung. Mit 150,100 Punkten führen die Titelverteidiger das Ranking vor dem Team aus den Niederlanden mit 148,214 Punkten und der Mannschaft aus Großbritannien mit 145,743 Punkten an.

Die Cheftrainerin der deutschen Equipe, Monica Theodorescu, ist hochzufrieden: „Jessica (von Bredow-Werndl) hat eine tolle Runde ganz zu Anfang gedreht und mit Isabell Werths Johnny (Don Johnson) waren wir auch richtig zufrieden. Der Fehler in den Einerwechseln war sehr schade, weil die Wechsel doppelt zählen und der Fehler damit extrem teuer war.“ Die Führungsposition zur Halbzeit genießt Theodorescu: „Das ist super!“

Jessica von Bredow-Werndl war die erste Reiterin des deutschen Teams. Die 29-Jährige ist die einzige des Teams, die zum ersten Mal in der Equipe ist. Ihr Fazit: "Es war eine gelungene Runde mit kalkuliertem Risiko und ein paar Ecken", so von Bredow-Werndl." Der Empfang im Stadion mit dem tosenden Applaus - das war schon beeindruckend. Mich hat es angespornt, Unée hat es allerdings etwas eingeschüchtert." Mit einem Fehler in den Galoppwechseln gelang dem Paar nicht ganz eine fehlerfreie Runde, aber der Rest war harmonisch, wenn auch noch nicht mit vollem Risiko geritten. Chef d'Equipe Klaus Roeser lobte: "Das war eine ordentliche Runde. Unter diesem Druck hat sie das sehr anständig gemacht!" Vor ihrem ersten EM-Start sei sie nicht wirklich nervös gewesen, sondern glücklich, erklärte die EM-Debütantin: "Es ist wie ein Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe, dass ich überhaupt hier einreiten durfte. Ich habe mir selbst keinen Druck gemacht. Ich bin da, wo ich hinwollte."

Für Isabell Werth bedeutet Aachen ihre zwölfte EM-Teilnahme, zuerst ist sie 1989 mit Weingart bei einer EM dabei gewesen. Nach ihrer Runde mit Don Johnson war die selbst ernannte ‚Mutti des Teams’ etwas enttäuscht. „Johnny hat einen guten Job gemacht bis auf den Fehler in den Einerwechseln. Die Bewertung zwischen 72 und 77 Prozent – das muss ich jetzt erst einmal verstehen.“

Der Nationaltrainer der Niederländer Wim Ernes ist nach Tag eins in Aachen „sehr zufrieden!“.  „Unser erster Reiter, Patrick van der Meer mit Uzzo, ist das erste Mal im Team und hat eine sehr zufriedenstellende Leistung gezeigt. Und Diederik van Silfhout (Foto) wurde auf Arlando seinem Ruf als ‚coming star’ gerecht.“ Beiden Reitern hatte Ernes ein ‚Rezept’ mit auf den Weg gegeben: „Ich habe gesagt, sie sollen reiten wie immer. Es ist dieselbe Prüfung, nur das Viereck liegt woanders – nämlich in Aachen.“

Fiona Bigwood war mit Atterupgaards Orthilla das stärkste Paar an Tag eins für Großbritannien. Sie erhielt 75,800 Prozentpunkte und liegt damit nur 0,014 Prozent hinter dem besten Reiter des Tages, dem Niederländer Silfhout. Die 39-Jährige hat ihr letztes Championat 2010 geritten, hat aber nun ein Pferd von besonderer Qualität unter dem Sattel, der heute in Aachen erst bei seinem sechsten Grand Prix am Start war.

In Aachen geht es in diesen Tagen auch um Olympiaqualifikationen. Drei Teams haben ihre Qualifikation für Rio de Janeiro im kommenden Jahr schon in der Tasche: Deutschland, Niederlande und Großbritannien, die drei führenden Teams nach dem ersten Tag bei den FEI Europameisterschaften Aachen 2015. Drei weitere können ihr Ticket nun in Aachen lösen. Nach der ersten Hälfte der Mannschaftsaufgabe liegen die Teams aus Schweden, Belgien und Spanien auf den Plätzen vier bis sechs und würden damit ihre Olympiaqualifikation lösen. Aber noch ist alles offen, die Teams aus Frankreich und Dänemark folgen auf dem Fuße.

Am morgigen Donnerstag beginnt um 11.00 Uhr die zweite Hälfte des Lambertz-Preises, der Grand Prix Mannschaftsaufgabe. Morgen gehen die stärksten Paare an den Start wie die amtierende Olympiasiegerin und Weltmeisterin Charlotte Dujardin auf Valegro für Großbritannien und Kristina Bröring-Sprehe auf Desperados und Matthias Alexander Rath auf Totilas für Deutschland.

Foto von FEI/Dirk Caremans