Ein Blick der zwei- und vierbeinige Frauenherzen schmelzen lässt: Der Friesenhengst Sandokahn

 

Meine erste Begegnung mit dem Friesenhengst Sandokahn war purer Zufall. Es war Frühling, eine neue Herde wurde zusammengestellt. Mir wurde ein Strick in die Hand gedrückt und ich brachte den gerade 1 ½ jährigen Friesen auf die Wiese zu den anderen Halbstarken. Zu der Zeit hatte ich für Friesen außer der Bemerkung „ganz nett“ nicht viel übrig. Dreijährig kam Sandokahn zurück auf den Hof. Er sollte Hengst bleiben und teilte sich ab diesem Zeitpunkt ein großes Paddock mit einem zweiten Friesenhengst. Ich hatte zu der Zeit zwei Warmblutstuten und immer noch nichts für Friesen übrig.

Irgendwann fiel mir auf, dass er mich beobachtete. War ich auf dem Paddock von meinen Stuten, sah er mir vom Hof aus zu. War ich auf dem Hof, stand er an der Stelle, an der er mich am besten sehen konnte. Da mir so etwas noch nie passiert war, fragte ich meine Freundin und seine damalige Besitzerin, ob ich Halluzinationen hätte und mir das alles nur einbilden würde. Sei verneinte und meinte, es wäre ihr auch schon aufgefallen, dass Sandokahn ein Auge auf mich geworfen hat. Ich bilde junge Pferde aus und weil sich für den jungen Friesenhengst noch kein anderer Reiter interessierte, beschloss ich, mich mit dem Pferd näher zu befassen. Ich spazierte zu dem Paddock und nahm den ersten ernstgemeinten Kontakt mit einem Friesen auf.

Sandokahn näherte sich mir ohne mir zu nahe zu kommen. Ich streichelte ihn und er beantwortete es mit einem zarten Schnobern. Ich holte ein Halfter und erwartete einen stürmischen Junghengst. Er zeigte mir einen folgsamen, respektvollen jungen Herrn. Was immer ich auch von da an von ihm wollte, er bemühte sich aus Leibeskräften und gab immer 110 Prozent. Ein Halfter brauchten wir nur pro forma, denn er war sowieso da wo ich war. Beim Misten kam ich oft nicht vorwärts, weil sein Blick und seine Nähe mich zu spontanen Kuschelaktionen verleiteten. Ich konnte gar nicht anders und verliebte mich in ihn!

Durch Sandokahns Übereifer mir zu gefallen, gab es auch beim Einreiten und Einfahren keine Probleme. Als er knapp fünf Jahre war hielt die Ostsee-Quadrille ein Training bei uns auf dem Hof ab. Meine Freundin und ich bewarben uns mit unseren Junghengsten und wir wurden nach einem erfolgreichen Probetraining in die Quadrille aufgenommen.

Viel Arbeit und Schweiß, aber vor allem Spaß, haben uns seitdem begleitet. Sandokahn ist zu einem stattlichen, kräftigen Hengst herangewachsen. Nicht nur ich bin ihm verfallen, auch die Pferdedamen schätzen seine Gesellschaft sehr. Mit ganz wenig Machogehabe nimmt er sich Zeit und bringt sie in Stimmung. Selbst ein Fohlen bei Fuß wird von ihm mit kleinen Spieleinlagen bei Laune gehalten - Ein Frauenversteher durch und durch.

 

Mit seinem Wesen hat er auch geschafft, meinen Ehemann in seinen Bann zu ziehen, so dass es keine Eifersüchteleien zwischen den beiden „Männern“ in meinem Leben gibt.

Sandokahn hat mir so manches Mal Zuversicht und Mut gegeben, wenn Frust und Traurigkeit in meinem Leben die Oberhand gewannen. Er weiß immer, wie mir zu Mute ist und schenkt mir all seine Liebe.

Gemeinsam haben wir uns in der Ostsee-Quadrille vorgearbeitet und sind jetzt ein fester und wichtiger Bestandteil der Formation. Mit seiner Ruhe gibt Sandokahn besonders neuen Pferden und Reitern Sicherheit während der Shows.

Bei einem Weideunfall hat Sandokahn ein Auge verloren. Es hat uns alle schwer getroffen, denn mit seinem Blick hat er allen immer direkt ins Herz geschaut. Zum Glück hat er sich mit seinem Schicksal schnell abgefunden und schafft es auch mit nur einem Auge, allen Menschen ins Herz zu blicken. Seiner Leistung an der Tete der großen Dressur-Quadrille hat der Verlust seines Auges keinen Abbruch getan. Die Verblüffung der Zuschauer bei unserem abschließenden Publikumsstreicheln ist immer sehr groß, wenn sie erkennen, dass der Hengst nur auf einer Seite sehen kann.

Doch trotz all der glücklichen, gemeinsamen Zeit stand etwas zwischen uns, was mir oft den Schlaf raubte. Sandokahn gehörte in all den Jahren unserer gemeinsamen Auftritte mit der Ostsee-Quadrille nicht mir. Es schwebte immer die Gefahr der Trennung über unserer Beziehung.

Nach vielen Jahren, er wird jetzt 12, habe ich endlich den letzten Schritt gewagt und unsere Beziehung legitimiert. Seit Februar 2013 bin ich glückliche Besitzerin von Sandokahn. Nichts kann uns mehr trennen und wir freuen uns auf viele Auftritte mit den anderen Schwarzen Perlen und weißen Iberen der Ostsee-Quadrille.

 

Porträt: Friesenhengst Sandokahn

Besitzerin/Reiterin: Barbara Rennert-Pape (Berlin)

Steckbrief

Name: Sandokahn geb. Filius

Geburtsdatum:                24.03.2001

Rasse: Friese

Geschlecht: Hengst

Vater: Jelte 365

Mutter: Nadien

VV: Tsjomme

MV: Leffert

Besonderheiten: Hengst im Deckeinsatz der seinen einwandfreien Charakter und seine Leistungsbereitschaft uneingeschränkt vererbt. Ausdrucksstark mit viel Bewegung im Barocken Typ stehend, Ein- bis Vierspännig erfolgreich gefahren.

Mitglied der Ostsee-Quadrille Dtld.n.e.V. seit 2006

Einsätze als Tetenpferd in drei Shownummern der Ostsee-Quadrille Dtld.n.e.V.: 16er-Friesen-Dressur-Quadrille, Power auf zwei Rädern - die Sulky Fahrquadrille, Mitternacht – die magische Lichtshow

Wer von Friesen nicht genug bekommen kann, sollte sich Tickets für die Magic Horse Gala am 24. August 2013 in der Berliner Max-Schmeling-Halle sichern.

HIER geht es zum Ticketverkauf.

Fotos von Ostsee-Quadrille