Dressur und Olympia: Deutschland holt mit der Mannschaft Silber

 

Die Briten waren auf heimischem Platz in Greenwich nicht zu schlagen und legten sehr gute Ergebnisse vor. Die goldene Serie Deutschlands ist beendet. Beides ist aber kein Grund zur Traurigkeit. Unsere recht jungen Damen haben sich bis heute prächtig und beständig präsentiert und können mit Silber durchaus zufrieden sein. Anerkennung kam nicht nur aus dem eigenen Lager für die erbrachten Leistungen der Mannschaft.

Die Briten holen mit diesem Gold ihre erste Dressur-Olympiamedaille überhaupt und zeigten eine souveräne Leistung, die von mehr als 20.000 Zuschauern mit frenetischem Jubel belohnt wurde. Holland muss sich mit Bronze begnügen.

Vielleicht ist es auch ein kleiner Trost, dass Laura Bechtolsheimer - die Britin mit deutschen Wurzeln - auf Mistral Hojris deutlich hinter Helen Langehanenberg und Damon Hill gelandet ist, nachdem sie in der britischen Presse vor den Wettbewerben lauthals verkündet hatte, nur die Deutschen schlagen zu wollen.

Trainer Jonny Hilberath ist sehr zufrieden und hat auch allen Grund dazu. Er kann stolz sein auf  Dorothee Schneider (Diva Royal), Kristina Sprehe (Desperados) und Helen Langehanenberg (Damon Hill). Anabel Balkenhol und Dablino verpassten die Qualifikation für den Grand Prix Freestyle nur knapp.

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fn-press: Die Erleichterung stand ihnen ins Gesicht geschrieben: Helen Langehanenberg (Havixbeck), Kristina Sprehe (Dinklage) und Dorothee Schneider (Framersheim) haben die olympische Silbermedaille gewonnen. Olympiasieger auf dem Dressurviereck wurden die Briten, die niederländische Equipe ritt zu Bronze.

„Das waren großartige Leistungen. Die Reiterinnen und die Pferde haben ihre gute Form aus dem Grand Prix mit in den Special genommen. Dieses junge und neue Team hat sich phantastisch auf olympischem Parkett bewährt“, lobte Bundestrainer Jonny Hilberath (Scheeßel) und freute sich aufrichtig über die Silbermedaille „seiner Mädchen“. Von Gold zu träumen war zwar erlaubt, aber realistisch nur unter der Voraussetzung, dass die starken britischen Paare grobe Fehler gemacht hätten oder eines der Teampferde ausgefallen wäre.

Helen Langehanenberg, die mit dem westfälischen Hengst Damon Hill als letzte deutsche Starterin ins Viereck eingeritten war, jubelte: „Ich bin total happy, Dami war sogar noch besser als im Grand Prix. Der kleine Hüpfer regt mich deshalb überhaupt nicht auf.“ Der „Hüpfer“ im Übergang von der Piaffe zur Passage war allerdings teuer. Dennoch: Mit 78,937 Prozent erzielte sie das beste Teamresultat und das viertbeste des Tages. „Ich mag es ja gar nicht laut sagen, aber es war schon ein Kindheitsraum, bei Olympischen Spielen zu starten“, gab Helen Langehanenberg fröhlich zu.

Einen „Hüpfer“ hatte sich zuvor auch der Hannoveraner Desperados unter Kristina Sprehe geleistet. Der Hengst hatte sich in der Passage kurz vor den wuchtigen TV-Kameras am Viereckrand und der Fotografenschar erschrocken. 76,254 Prozent lautete das Richterurteil. Kristina Sprehe: „Er hat sich aber schnell wieder gefangen und dann den Rest der Prüfung super mitgemacht, aber der Fehler ist natürlich sehr enttäuschend.“

Glücklich und traurig zugleich – Dorothee Schneider durchlebte an diesen Tagen ein Wechselbad der Gefühle. Die zehnjährige Hannoveranerin Diva Royal absolvierte das Prüfungspensum noch konzentrierter als im Grand Prix (77,571). „Diese Leistung ist für ein so junges Pferd phantastisch. Diva hat keine nennenswerten Schwächen, sie ist immer entspannt. Ich habe mich riesig auf den Special gefreut und mein Bestes gegeben, ich will ja schließlich übermorgen in die Kür.“ Dennoch schwingt Wehmut mit. Die Kür wird ihr letzter Wettbewerb mit Diva Royal sein. Nach den Olympischen Spielen kehrt die Stute zu ihrer jungen Besitzerin Stella Roth, Dorothee Schneiders Schülerin und in London als Divas Pflegerin dabei, zurück.

Alle drei Teamergebnisse ergeben im Durchschnitt 77,124 Prozent. Die siegreichen Briten erreichten 78,216. Die mit weitem Abstand beste Vorführung gelang Charlotte Dujardin mit Valegro, in den Augen vieler Beobachter die sichere Favoritin auf die Einzel-Goldmedaille. Ihre 83,286 Prozent konnte niemand erreichen. Dujardins Teamkollege Carl Hester und der Hengst Uthopia hatten mit 80,571 Prozent gut vorgelegt. Um weitere 77,794 Prozent bereicherte Laura Bechtolsheimer mit Mistral Hojris die Mannschaft, die von den 22.000 Zuschauern ebenso frenetisch gefeiert wurde wie die britischen Springreiter, die am Vortag die Goldmedaille gewonnen hatten.

Die 80 Prozent-Marke „knackte“ auch die Niederländerin Adelinde Cornelissen mit Parzival (81,968). Gemeinsam mit Edward Gal auf Undercover (75,556) und Anky van Grunsven auf Salinero (74,794) erzielte das Oranje-Team im Schnitt 77,124 Prozent.

Die weiteren Plätze im Teamwettbewerb, der erstmals über Grand Prix und Grand Prix Special ausgetragen wurde, belegten Dänemark (73,846), Schweden (72,706), USA (72,435) und Spanien (72,287). Am Donnerstag findet mit der Kür der letzte olympische Reitwettbewerb statt. Die 18 besten Paare nach Grand Prix und Special treten ab 12.30 Uhr (13.30 Uhr deutscher Zeit) zur Musik und zum Wettstreit um die Einzelmedaillen an. hen


Foto oben von FEI/Kit Houghton: Britische Dressurmannschaft mit Goldmedaille

Foto unten von FEI/Kit Houghton: Siegerin im Grand Prix Special Charlotte Dujardin und Valegro

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