Donald Douglas mit Turbokraft

 


Donald Douglas mit Turbokraft

Neunter Sieg hintereinander:

Der Wallach lässt sich nicht von Othello Jaycee und Lapoz stoppen

 

Er galt als bodenständiger Familienmensch und Hundefreund: Der Amerikaner Donald Douglas (1892 – 1981) war einer der berühmtesten Flugzeugbauer der Welt. Würde er heute noch leben, wäre er ganz sicher auch ein Pferdefreund. Denn ein nach ihm benannter Traber macht dem Konstrukteur der legendären Douglas DC-3, die als „Rosinenbomber“ Berliner Geschichte schrieb, wahrlich alle Ehre: der Hengst Donald Douglas, der mit seinem Besitzer und Fahrer Ulrich Mommert am Sonntag die Bestzeit von 1:15,4 min. auf der Mariendorfer 1.900-Meter-Strecke lief.

Der Seriensieger, der nur bei seinem ersten Lebensstart im Oktober 2008 – damals noch in der Hand von Henning Rathjen – bezwungen wurde und danach achtmal hintereinander als Erster über die Linie gestürmt war, hatte sich mit Othello Jaycee (Hans-Jürgen von Holdt) und Lapoz (André Pögel) mächtige Gegner eingeladen. Und tatsächlich: Vom Start bis zum Ziel bestimmten genau diese drei Pferde das Geschehen, wobei Donald Douglas (16:10) gegenüber Othello Jaycee (28:10) und Lapoz (64:10) die Favoritenehre trug. Im heißen Gefecht um die Spitze hatte sich der Mommert-Crack erst auf der Tribünengeraden endgültig durchgesetzt und so sehr sich seine beiden Verfolger – weit vor dem Rest der völlig überforderten anderen Teilnehmer – auch mühten, sie kamen im weiteren Verlauf an den „Düsenjet“ Donald Douglas nicht mehr heran. Der von seiner ganzen Manier her mächtig imposante Wallach blieb am Ende mit einer halben Länge Vorsprung vor Othello Jaycee und Lapoz.

Das zweite Amateurfahren des Tages war ebenfalls prominent besetzt und in dieser Prüfung wurde mit 15,8/1.900m ebenfalls eine rasante Kilometerzeit auf die Mariendorfer Piste getrommelt. Kein Wunder, denn hier wurde Neandertal seinem vorzüglichen Ruf einmal mehr gerecht. Das Vertrauen des wettenden Publikums war derartig enorm, dass die Geldscheine an den Kassen zum Totokurs von 10:10 lediglich zurück gewechselt wurden – aber natürlich gab es Anrechtsscheine für die Prämienausspielung dazu. Außerdem mussten Neandertals Anhänger zu keinem Zeitpunkt schwitzen. Der von Werner Schnieder präsentierte Hengst hatte eine Runde vor dem Ziel das Kommando übernommen und im weiteren Verlauf beherrschte der Dunkelbraune das Geschehen völlig unangefochten. Donna Key (Günter Schiefelbein) holte sich anderthalb Längen zurück mit feinem Speed das zweite Geld.

Auch in der Gewinnsummenklasse bis 75.000 Euro gab es einen beeindruckenden Sieger, der schon viele Schlachten geschlagen hat und nun als Neunjähriger besser denn je ist. Bei seinem 107. Start gelang Sweet Sunny King (89:10) der 30. Sieg. Natürlich saß wie immer Günter Schiefelbein im Sulky des Dunkelbraunen. Auf dem ersten Kilometer versteckte sich das Gespann unauffällig an fünfter Position des Feldes. Erst ausgangs des Schussbogens dirigierte Schiefelbein seinen Schützling zum Angriff auf die führende Love Times (Thorsten Tietz), die gemeinsam mit der schon auf der Tribünengeraden durch Fehler ausgefallenen Zovilja (Seth Ronland) die Favoritenbürde trug. In einem spannenden Finish zog Sweet Sunny King in bärenstarken 15,5/1.900m mit einer halben Länge Vorsprung an der sich hartnäckig wehrenden Konkurrentin vorbei und blieb damit nur eine Zehntelsekunde über der Tagesbestzeit von Donald Douglas.

Heinz Wewering, der an diesem Nachmittag schon von der Papierform her nur recht begrenzte Chancen hatte, nutzte den Start mit Herana konsequent. Die oftmals von hinten gebrachte Stute ging diesmal schon im ersten Bogen nach vorne und gewann zum Totokurs von 22:10 in 16,4/1.900m völlig souverän. Hinter der überlegenen Siegerin verkaufte sich der strikt innen gehaltene 607:10-Außenseiter Varus optimal und hielt Noddy Flamingo (Benjamin Hagen) beim Kampf um den Ehrenplatz hauchdünn in Schach. Seine Fahrerin Julia Ertel sollte man sich unbedingt merken – die Amazone hat sich in den vergangenen Monaten immer stärker in Szene gesetzt und scheint ohne Frage ein Händchen für die Pferde zu besitzen.

„Mit seinen drei Jahren ist er eigentlich noch ein kleiner Junge – in der nächsten Saison wird er noch viel besser werden“, urteilte Benjamin Hagen im Mariendorfer Winnercircle nach seinem Triumph mit dem 20:10-Favoriten Franzl Crown. Diese Aussage war zweifellos als Kompliment gemeint – denn schon jetzt ist das Können des Wallachs beeindruckend. Der Bruder der 16-maligen Siegerin Sissi Crown (28.251 Euro Gewinnsumme) ließ den Gegnern Start bis Ziel keinerlei Chance und steigerte seine Rekordmarke auf 16,3/1.900m, wobei das Ende der Fahnenstange mit diesem Kilometerschnitt wohl noch nicht einmal ansatzweise erreicht ist.

„Mal schauen – vielleicht kommen wir schon bald wieder einmal nach Berlin“, strahlte Johann Hollweck nach seinem Sieg mit dem Wallach Tittle Tattle. Der in Schweden gezogene Fünfjährige fühlte sich auf dem Mariendorfer Rechtskurs pudelwohl und zog schon Ende der Startgeraden vor Pershing Shadow (Manfred Zwiener) an die Spitze. Eine Reihenfolge, die sich bis ins Ziel nicht mehr veränderte, wobei der bei 34:10 notierte Tittle Tattle seine Bestzeit um eine volle Sekunde auf 19,0/1.900m optimierte.

Der hier zweitplatzierte Manfred Zwiener kam gleich im Anschluss mit dem krass unterschätzten Grummel (118:10) zu einem vollen Erfolg. Der mehrmalige Berliner Champion hatte exakt die gleiche Taktik wie zuvor gewählt und schon kurz nach dem Start die Innenkante hinter Whos smiling now (Thorsten Tietz) gesucht. Als die 13:10-Favoritin dann ausgangs des Schlussbogens unvermittelt von den Beinen kam, war der Weg für Grummel zu seinem fünften Saisonsieg in 16,9/1.900m frei. Damit gab sich der an diesem Tag in starker Form agierende Zwiener allerdings nicht zufrieden. Der 55-jährige Profi punktete wenig später mit O’simoni (50:10), die nach einem verdeckten Rennen auf der Zielgeraden angeflogen kam.

Einer, der sein kleines Lot in feiner Form zusammenhält, ist Christian Zimmermann. Der 27-jährige Profi taucht mit seinen in Prieros, rund vierzig Kilometer von Berlin entfernt trainierten Schützlingen immer öfter im Endkampf auf. Auf einen Hoffnungsträger darf er zukünftig besonders bauen: Dass Butch glattgehend eine Macht ist, bewies der bei 28:10 notierte Wallach mit einem tollen Erfolg über Just Like You (Thorsten Tietz). Die Herausforderin rückte dem Vierjährigen, der auf Zielhöhe die Führung übernommen hatte, zwar noch einmal gefährlich auf den Pelz und war nur um eine Halslänge geschlagen. Doch es war unübersehbar, dass Christian Zimmermann nur das Nötigste riskieren wollte und bei Bedarf noch mehr in der Hand gehabt hätte. Der erzielte Schnitt von 17,7/1.900m spielte daher eine untergeordnete Rolle.

Den Schlusspunkt unter die spannend verlaufene Mariendorfer Veranstaltung setzte Lotte, die mit Thorsten Tietz im Sulky recht glücklich zu ihrem vierten Saisonsieg kam. Denn eigentlich hatte die 88:10-Außenseiterin die Ziellinie hinter Zidane Flevo (André Pögel) nur als Zweite passiert. Doch der Konkurrent wurde aufgrund seiner unreinen Gangart, die er im Einlauf offenbart hatte, ganz aus der Wertung genommen. Für Thorsten Tietz könnten unverhoffte Erfolge wie dieser am Ende sehr wichtig werden: Denn beim Kampf um den Bronzehelm liegt der Berufsfahrer, der am kommenden Donnerstag seinen 34. Geburtstag feiern wird, weiterhin gut im Rennen.

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