DM Vielseitigkeit Junioren und Junge Reiter: Titel für Merle Theres Neeth und Pia Münker

Rieden-Kreuth (fn-press). Erstmals nach 2003 war das Ostbayerische Pferdezentrum in Kreuth wieder Schauplatz deutscher Jugendmeisterschaften in der Vielseitigkeit. Bei den Jungen Reitern kämpften 30 Paare, bei den Junioren 25 Paare um die Titel. Am Ende durften sich Pia Münker aus Meerbusch und Merle-Theres Neeth aus Lehmkuhlen die Schärpen umhängen lassen.

In der Altersklasse Junge Reiter herrschte wie schon im Vorjahr das Rheinland vor. Am Ende stand allerdings nicht Titelverteidigerin Freya Füllgraebe (Krefeld) ganz oben auf dem Treppchen, sondern ihre Teamkollegin Pia Münker, die mit nur 36,5 Minuspunkten die Prüfung beendete. Für die ehemalige Pony-Mannschaftseuropameisterin war Kreuth die erste Deutsche Meisterschaft „zu Pferde“. Mit ihrem vierbeinigen Partner Louis M, einem siebenjähriger Rheinländer v. Lissabon, stammt aus eigener Zucht und „ist so was wie ein Familienmitglied“, sagt Pia Münker. Vor zwei Jahren war das Paar Zweiter beim Bundeschampionat in Warendorf. In diesem Jahr deuteten sie mit einem Sieg beim Preis der Besten bereits ihre gute Form an. „Aber dass es dann bei meiner ersten Deutschen Meisterschaft gleich zum Titel gereicht hat, ist unglaublich“, sagte die 19-jährige Abiturientin.

Gingen im vergangenen Jahr alle drei Medaillen ins Rheinland, landete in diesem Jahr eine Reiterin aus Weser-Ems auf dem Silberrang. Charlotte Sophia Hachmeister aus Aurich blieb nicht nur beim Geländeritt am Samstag, sondern auch im Parcours fehlerfrei blieb und beendete ihre erste Junge-Reiter-Meisterschaft mit 43,2 Minuspunkten. Sie tauschte damit die Plätze mit Freya Füllgraebe. Ein Fehler am Aussprung der Dreifachen Kombination kostete die Titelverteidigerin den Vize-Rang. Sie holte mit einem Endergebnis von 44,2 Minuspunkten Bronze vor ihren beiden Landesverbandskolleginnen Franca Lüdeke (Bonn) mit Parlando (46,9) und der Vorjahres-Dritten Jana Weyers (Kamp-Lintfort) mit Lardina (48,0).

Pech hatte dagegen die Führende nach Dressur, Solveig Hoffmann (Ganderkesee) mit Casper K. Kurz vor dem Ziel geriet sie am letzten Wasserhindernis „in Wohnungsnot“ und konnte sich nur dank einer akrobatischen Einlage zurück in den Sattel hangeln. Das kostete sie nicht nur Strafpunkte für eine Verweigerung, sondern auch viel Zeit. Sie wurde am Ende 19., aber immerhin mit einem Qualifikationsergebnis in der Tasche.

Glück und Pech lagen auch in der Junioren-Meisterschaften dicht beieinander. Gut lachen hatte am Ende die Holsteiner Reiterin Merle Theres Neeth. „Das kam völlig unerwartet“, sagte die frisch gebackene Juniorenmeisterin, die ihr Glück noch gar nicht fassen konnte. Nach der Dressur und dem Geländeritt lag die 17-jährige Schülerin mit ihrer Vollblutstute Ave Artemis xx („Evi“) mit 45,8 Minuspunkten noch auf dem dritten Platz. Im Springen setzte sie dann mit einer Nullrunde ihre beiden westfälischen Konkurrentinnen, die in der Wertung noch vor ihr lagen, unter Druck. Und tatsächlich unterlief beiden ein Abwurf, so dass sich Neeth unversehens ganz oben auf dem Treppchen wiederfand. „Ich freue mich so für mein Pferd. Sie hat so für mich gekämpft“, strahlte die Siegerin. Seit drei Jahren ist sie mit der Stute unterwegs, vor zwei Jahren waren sie beim Nachwuchschampionat Elfte und gaben im vergangenen Jahr ihr DM-Debüt bei den Junioren, waren aber von einer Platzierung noch weit entfernt. In diesem Jahr führte sie die DM über 750 Kilometer weit von Kiel ins ostbayerische Pferdezentrum in Kreuth. „Ein weiter Weg, der sich aber gelohnt hat“, so Neeth.

Gelohnt hat sich die Anreise auch für Lisa-Marie Förster aus dem westfälischen Ahlen. Zwei Mal war die Vizemeisterin von 2011 mit dem aus eigener Zucht stammenden Lucky Boy F in diesem Jahr bei Geländeprüfungen ausgeschieden. „Wir haben schon überlegt, überhaupt hierher zu fahren“, sagte Vater Martin Förster, der als Junger Reiter früher selbst bei Europameisterschaften für Deutschland startete. In Kreuth fand das Paar dann zu seiner Vorjahresform zurück. Mit dem besten Dressurergebnis von 43,6 Minuspunkten und einem fehlerfreien Gelände hatte Lisa-Marie Förster ihr wichtigstes Ziel schon erreicht. „Wenn es jetzt noch mit zu einer Medaille reicht, wäre das nur das i-Tüpfelchen“, sagte sie vor dem Springen. Am Ende verhinderte ein Abwurf im Parcours zwar den Sieg, verhalf der 16-Jährigen aber zu ihrer zweiten DM-Silbermedaille.

Auf dem Bronzerang landete mit Julia Füntmann (Recklinghausen) mit Contina eine weitere Reiterin vom starken westfälischen Aufgebot, das allein elf der insgesamt 35 Paare in der Juniorenmeisterschaft stellte. Sie belegte in der Dressur mit 44,2 Minuspunkten Platz zwei, kam ebenfalls ohne Fehler durch das Gelände, musste aber wie Lisa-Marie Förster einen Abwurf in Kauf nehmen. Weniger Glück als Julia Füntmann hatte ihre Vereinskollegin Josephine Wilms (Bergkamen). Beide starten für den RV Lützow Selm Bork Olfen. Die Preis-der-Besten-Zweite, die in Kreuth zu den Favoriten gezählt wurde, schied im Gelände aus. Ihre Stute Corvette D störte sich im Gelände an einem am Rand stehenden Planwagen, schlug einen Haken und „verlor“ dabei ihre Reiterin. Trotz des Malheurs gehört Wilms zu den Reitern, denen der Ausschuss Vielseitigkeit im Anschluss an die DM den Start bei der zweiten EM-Sichtung in Schwaiganger empfahl.

Zu diesen zählt auch Titelverteidigerin Pauline Knorr (Hude), die knapp den erneuten Sprung aufs Treppchen verpasste. Die 16-Jährige lag mit Abke’s Boy nach Dressur noch auf Platz zehn, rückte aber mit einer fehlerfreien Gelände – hier gab es lediglich 0,4 Strafpunkte für Zeitüberschreitung – und einer Nullrunde im Springen auf den vierten Platz vor.           Hb