DJM Voltigieren Krumke: Zweimal Gold fürs Rheinland


DJM Voltigieren Krumke:

 

 

Zweimal Gold fürs Rheinland

 

Krumke (fn-press). Es war die DJM der souveränen Gesamtsiege. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften im Voltigieren in Krumke (Sachsen-Anhalt) setzte sich der neue Titelträger in allen drei Wettbewerben mit jeweils komfortablem Abstand auf die Konkurrenz durch. Dabei gelang dem RSV Neuss-Grimlinghausen ein Doppelsieg. Der Verein aus dem Landesverband Rheinland sicherte sich souverän Gold mit der Mannschaft im Teamwettbewerb. Zudem gewann Pauline Riedl (Neuss) bei den Einzeldamen. Titelverteidiger Thomas Brüsewitz (Garbsen) vom Landesverband Hannover dominierte bei den Herren.

Die Revanche ist geglückt: Beim CVI* Krumke im Juni unterlagen die U-16-Damen des RSV Neuss-Grimlinghausen dem Juniorteam aus Hamburg mit lediglich 19 Tausendstel Punkten und verpassten die EM-Nominierung. Nach einigen Umstellungen in der Kürchoreografie im Vergleich zur bisherigen Saison überzeugten die Schützlinge um Longenführerin Katharina Steinberg nun zur nationalen Meisterschaft an selber Stelle, deklassierten das Feld und standen am Ende in der Pferdesportarena des RFTV Krumke auf dem obersten Podest. Die Rheinländerinnen gewannen alle drei Umläufe auf ihrem Pferd Remake und verbuchten im Endresultat einen Vorsprung von drei Zehnteln. 8,021 Zähler in der Endabrechnung bedeuteten die Titelverteidigung vor dem amtierenden Europameister aus Hamburg (7,709), der auf Ecestelli und mit Longenführer Kurt Isensee für den RVV Bad Oldesloe angetreten war. Bundestrainerin Ulla Ramge zweifelte trotzdem nicht an der Entscheidung, dass die Hansestädter drei Wochen zuvor in Le Mans (FRA) für Deutschland ins Rennen gegangen waren. „Dass die Leistungskurve nach einem Championat nach unten zeigt, ist ganz normal. Das Team hatte auf den Saisonhöhepunkt hintrainiert und war zum richtigen Zeitpunkt bei einhundert Prozent. Dieses Niveau kann man nicht über Wochen oder Monate halten“, sagte die Warendorferin. Zudem sei es ein altbekanntes Phänomen, dass der „Championatsteilnehmer den DM-Titel verpasst“.

Auf dem dritten Rang in Krumke landete überraschend der RVV Schenkenberg (7,428). Die Mannschaft um Trainer und Longenführer Peter Wagner war mit Platz sechs in der Pflicht in den Wettkampf gestartet, steigerte sich anschließend mit Rang vier im ersten Kürumlauf und Platz drei im Finale. Das reichte auch im Gesamtergebnis für Bronze. Für die Mannschaft war es der größte Erfolg auf nationalen Meisterschaften seit 2008 und die erste Junioren-Medaille überhaupt. Im Übrigen hatte das Team nur wenige Tage vor dem Saisonhöhepunkt umgesattelt beziehungsweise umgegurtet: Nachdem die RVV-Damen bei den Landesmeisterschaften in Leipzig überraschend gut auf ihrem neuen Pferd Santaro zurecht gekommen waren, gaben sie ihrem langjährigen Partner Gerold eine Pause und traten auf dem erst siebenjährigen Sachsen-Wallach an, der erst seit einem Jahr im Stall der Schenkenberger steht. Die folgenden Ränge: 4. TPZ Peiler Hamm aus Westfalen (Endnote: 7,395), 5. VV Ingelsberg aus Bayern (7,373), 6. Franken-Junior-Team aus Bayern (7,348). Insgesamt waren 22 Mannschaften aus elf Landesverbänden angetreten.

Bei den U-18-Herren stellte Thomas Brüsewitz aus Garbsen mit seinem Trainer und Longenführer Lars Hansen einmal mehr seine eindrucksvolle Dominanz im Juniorenbereich unter Beweis. Nach dem Gold bei den Europameisterschaften in Le Mans sicherte sich der 17-Jährige auf seinem Erfolgspferd Gustafsson den nächsten Titel. Seine abschließende Kürvorstellung benotete das sechsköpfige Richtergremium mit der Wertnote 8,679. Damit verwies der Titelverteidiger die Konkurrenz mit der Endnote 8,172 sowie riesigem Abstand auf die Plätze. „Bei den Junioren voltigiert Thomas derzeit auf einem eigenen Level“, kommentierte Bundestrainerin Ramge, die dem Ausnahmetalent sogar eine Steigerung im Vergleich zur EM vor drei Wochen attestierte. „Seine Bewegungen waren noch exakter und präziser.“ Nach Meinung der Expertin kann der Doppeleuropameister derzeit sogar mit den international besten Senioren mithalten. Ob Brüsewitz, der auch im kommenden Jahr noch bei den Junioren startberechtigt ist, künftig bei den „Großen“ anzutreffen sein wird, ließ Ramge gänzlich offen. „Ein solcher Schritt hängt von vielen Faktoren ab“, gab sie zu Protokoll. „Thomas hat eine große Zukunft vor sich und soll seine Laufbahn bei den Junioren nach aktuellem Stand der Dinge auch zu Ende bringen.“ Ob eine Berufung in die Seniorenkonkurrenz in Frage kommt, entscheide sich im Frühjahr auf den Kaderlehrgängen. „Wir wollen niemanden verheizen. Und im Endeffekt ist es seine eigene Entscheidung. Er hat das letzte Wort. Das Potenzial ebenfalls.“

Auf Rang zwei landete in Krumke am Ende der Championatsteilnehmer Alexander Schulten (Rhede). Der 18-Jährige kam in der Endabrechnung auf Pafur (Longenführerin Birgit Zeits) auf 7,725 Zähler. Benjamin Kley (Salzmünde), Bronzemedaillengewinner der EM, musste sich nach einem Sturz im Finale mit Platz drei zufrieden geben. Der 18-Jährige aus dem gastgebenden Landesverband Sachsen-Anhalt verteidigte seinen Vorsprung aus den ersten drei Umläufen mit der Endnote 7,537 dennoch und sicherte sich damit den verbleibenden Podestplatz vor Florian Otten (7,267) aus Bremen. Kley war ebenfalls auf Pafur im Zirkel unterwegs, da sein Pferd Kontra die Verfassungsprüfung zum Auftakt der DJM nicht passiert hatte. Im Herrenwettbewerb waren lediglich sechs Starter aus vier Landesverbänden am Start. Die extrem geringe Beteiligung stieß auch bei Ramge auf wenig Freude. „Wir müssen uns wieder gezielt der Talentförderung bei den Jungs kümmern“, sagte die Bundestrainerin. Eine gezielte Kampagne vor einigen Jahren habe großen Erfolg gebracht, vor allem an der nationalen Spitze. Allerdings hätten die gezielten Förderungen, unter anderem Lehrgänge am Bundesleistungszentrum in Warendorf, bislang nicht wie gewünscht den nachhaltigen Effekt in der Breite der Sportler gebracht.

Bei den U-18-Damen schaffte es zur DJM lediglich eine Championatsteilnehmerin auf das Podest: Die EM-Fünfte Corinna Knauf (Köln) sicherte sich mit der zweitbesten Kür im Finale noch den Bronzerang, nachdem sie zum Auftakt der Meisterschaft den Rücken ihres Pferdes Weltoni RS von der Wintermühle (Longenführerin Alexandra Knauf) unfreiwillig verlassen hatte, dafür hohe Abzüge kassierte und zwischenzeitlich nur auf Rang 25 lag. Mit ihrer Endnote von 7,478 Punkten verpasste sie am Ende sogar nur um den Wimpernschlag eines einzigen Tausendstel Pünktchens die Silbermedaille. 7,479 Zähler erhielt die Überraschungsstarterin dieser DJM, Natalie Kreuzer vom Landesverband Hessen, die sich mit ihrer Leistung auf Bill (Kyra Heinrich) für den Bundes-C-Kader empfahl. Sie war bislang auf Bundesebene noch nicht in Erscheinung getreten. „Auch ich kannte Natalie nicht“, gestand Bundestrainerin Ramge. Die Höchstnoten gingen jedoch reihenweise an Pauline Riedl vom RSV Neuss-Grimlinghausen. Der 17-Jährigen gelang in ihrem letzten Juniorenjahr der DJM-Durchmarsch zum souveränen Gesamtsieg. Auf Lugano (Jessica Schmitz) gewann die Abiturientin alle vier Umläufe und lag schließlich mit 7,812 Punkten in der Gesamtwertung über drei Zehntel vor Kreuzer. Bei der EM in Le Mans war die DJM-Silbermedaillengewinnerin von 2009 nicht am Start. Zumindest nicht bei den Junioren. Im französischen Pferdesportzentrum Boulerie Jump hatte sie Gold mit der Seniormannschaft des RSV geholt. Da das internationale Reglement einen Doppelstart in dieser Konstellation auf dem Championat nicht zulässt, konnte die derzeit beste deutsche Juniorin nicht in den Kampf um die Einzelmedaillen eingreifen. Deutschland war in Frankreich lediglich in dieser Disziplin ohne Edelmetall geblieben. Ramge kann das verkraften: „Das tut nicht weh. Denn die Priorität lag ganz klar bei der Seniorenmannschaft. Wir haben in dieser Saison aus taktischer Sicht alles richtig gemacht.“ Dass Riedl in Krumke, im Übrigen mit lediglich zwei Trainingseinheiten im Vorfeld, derart überzeugte, kam für Ramge nicht überraschend. „Sie steht sehr gut im Training und ist in allen Bereichen auf einem sehr hohen Leistungsstand. Da fällt es ihr sogar leicht, eine tolle Kür aus dem Ärmel zu schütteln“, lobte die Bundestrainerin. „Dass ich hier gewinne, hatte ich nicht erwartet“, sagte die neue Deutsche Juniorenmeisterin. Mit ihrem brasilianischen Kürthema, bestehend größtenteils aus Übungskombinationen aus dem Vorjahr, hatte sie Rang fünf angepeilt und war nach eigenen Angaben ohne Druck aufgelaufen. „Das hat natürlich geholfen.“

Besonders hervorstechen konnte auch die Gesamt-Fünfte Sophie Hofmann aus Mainz. Die für den Landesverband Rheinland-Pfalz startende 15-Jährige erhielt 7,836 Punkte auf ihre Abschlussdarbietung (gesamt 7,401) und beeindruckte insbesondere mit kreativen Überraschungsmomenten in ihrer Choreografie. Die Bundestrainerin zeigte sich beeindruckt. „Das war für mich die Kür des Tages“, kommentierte Ramge nach dem Auftritt des Nachwuchstalents. Hofmann war bereits bei der EM mit ihrem Partner Moritz Wolf (Mainz) im Wettbewerb des Doppelvoltigierens angetreten. Im Krumke voltigierte sie auf Paros (Heide Pozepnia). Rang vier der Gesamtwertung ging an Vanessa Hrastnik auf Capuccino (Alexander Hartl). Das Starterfeld bei den U-18-Damen bestand aus insgesamt 42 Teilnehmerinnen.                                                                     Daniel Kaiser