Die Fritz-Brandt-Sieger 2016 auf der Trabrennbahn Mariendorf: Dr. Marie Lindinger und Tyrolean Dream

Dr. Marie Lindinger und Tyrolean Dream (Foto: Marius Schwarz)

Die Amazone gewinnt beide Vorläufe und das Finale. Die zweitplatzierte Marlene Matzky komplettiert die Frauen-Power. Titelverteidiger Jörg Hafer landet auf Rang drei.    

Berlin, 25. März 2016

Sie kam, sah und siegte: Dr. Marie Lindinger beherrschte den Fritz-Brandt-Renntag 2016 in triumphaler Art und Weise. Die 36-Jährige Aschheimerin, die in ihrer Karriere zuvor schon 645 Treffer und weit über 800.000 Euro Gewinnsumme erzielt hatte, gewann beide Vorläufe und das Finale des bereits seit 1933 ausgetragenen Amateur-Klassikers und machte die Derby-Bahn somit zu ihrer eigenen grandiosen Erfolgsbühne. Hier sind die Geschehnisse der Lindinger-Gala der Reihe nach:    

Gleich ihr erster Trumpf stach! Dass Let’s win rechts herum ein ganz anderes Pferd ist und seine Leistungen in Berlin völlig konträr zu den meist desaströsen Vorstellungen in Daglfing verlaufen, war zwar schon im Vorfeld bekannt. Aber dass der Hengst alle hocheingeschätzten Konkurrenten sogar Start bis Ziel wegputzen würde – damit war vor dem Fritz-Brandt-Vorlauf der Gewinnsummenklasse bis 30.000 Euro wirklich nicht zu rechnen. Der Dunkelbraune schaltete seinen Turbo von der Position acht aus blitzartig ein, führte stets mit deutlichem Vorsprung und ließ auch den Schlussangriff der gegenüber vom Feldende aufgerückten Holly go lightly (Linda Matzky) in fulminanten 15,0/1.900m gnadenlos abprallen. Schon deutlich zurück sicherten sich General Eck (André Schiler), Janus R.A. (Michael Schreiber) und Pokerface Diamant (Christoph Pellander) die weiteren Finalberechtigungen.

Das nahezu identische Bild ergab sich auch in dem anderen Fritz-Brandt-Vorlauf für die Gewinnsummenklasse bis 12.500 Euro – zumindest, was die Siegerin betraf: Denn es war erneut Dr. Marie Lindinger, die ein Pferd auf die Ehrenrunde führte. Nämlich Tyrolean Dream, der sich hochüberlegen Start bis Ziel gegen seine neun Gegner durchsetzte. Und dass, obwohl er auf dem Weg zum Auto ungemein nervös wirkte und kaum einen richtigen Schritt hinbekam. Aber als es ernst wurde, wusste der in 16,4/1.900m auftrumpfende Wallach genau, was zu tun war und lieferte eine regelrechte Demonstration ab. Ingmar Flevo (Jörg Hafer) belegte nach einer schwungvollen Schlusshalben den zweiten Rang deutlich vor Peaches Diamant (Marlene Matzky), die nach einem geschonten Verlauf als zweites Pferd an der Innenkante zäh das dritte Geld gegen Went Rover (Hans-Jürgen von Holdt) und Piccolina Diamant (Andreas Schwarz) festhielt.

Deutliche Siege in beiden Vorläufen – besser hätte es für Dr. Marie Lindinger natürlich nicht laufen können. Für das Finale wurden die Karten dennoch neu gemischt und alles drehte sich um die Frage: Würde Tyrolean Dream, für den sich die Veterinärmedizinerin entschieden hatte, von der Grundmarke aus glatt in die 2.000-Meter-Prüfung finden? Das wettende Publikum hielt trotz berechtigter Zweifel eisern an dem 24:10-Favoriten fest und lag mit dieser Einschätzung goldrichtig. Denn Tyrolean Dream flog sofort wie ein Pfeil an die Spitze. Lediglich den Stallgefährten Let’s win, der im Finale Renate Lindinger anvertraut war, musste der spätere Sieger auf der Gegengeraden kurzzeitig an seiner Seite dulden. Alle anderen acht Gegner bekam Tyrolean Dream nicht zu Gesicht – so klar war seine Dominanz, die sich nach seinem in 1:15,5 min. erzielten Finalsieg in dem Richterspruch „überlegen 4 Längen“ manifestierte.

Hinter dem unangefasst siegenden Lindinger-Wallach ging es beim Kampf um den Ehrenplatz dramatisch zu, denn zwischen der 285:10-Außenseiterin Peaches Diamant, die von Marlene Matzky das gesamte Rennen clever im Windschatten von Tyrolean Dream gehalten wurde, und dem von Jörg Hafer nach einem passablen Verlauf mit Führpferd in der Außenspur schnellgemachten Ingmar Flevo lag nur ein kurzer Kopf. Nachdem seit 2005 nur Männer das Fritz-Brandt-Rennen beherrscht hatten, war nun also das Frauenpower-Doppelpack tatsächlich Realität geworden. Rang vier holte sich General Eck vor dem angesichts seines strapaziösen Pensums gut durchziehenden Let’s win. Der von der sechstplatzierten Piccolina Diamant angeführte Rest konnte sich zu keinem Zeitpunkt besser in Szene setzen.

Die Tagesbestzeit an diesem leider total verregneten Nachmittag blieb allerdings einem Pferd aus dem Rahmenprogramm vorbehalten. Und mit was für einer Leistung! Der diesmal von Alexander Kelm präsentierte Rayman glänzte auf der Meilenstrecke in sensationellen 1:13,1 min. – er hatte eine gute Runde vor dem Ziel die Führung übernommen und war nicht mehr zu stoppen. Noch flinker war Fox Dragon auf den Beinen, der mit Maik Esper im Sulky sofort nach vorne zog und seine Aufgabe mühelos löste. Flash di Quattro fand in der Hand von Thorsten Tietz einen Idealverlauf als viertes Pferd außen vor und sprintete im Einlauf zu einem souveränen Erfolg. Gleich im Anschluss punktete der Berliner Champion erneut – und zwar mit Miss Apple JM, die auf der ersten Tribünengeraden nach vorne stürmte und die Konkurrenz in Grund und Boden rannte.

Berlusconi feierte nach einem offensiven Vortrag seines Trainers Kay Werner bereits den vierten Sieg in Folge. Es vergeht mittlerweile kaum ein Renntag, an dem die grünen Werner-Farben nicht im Winner-Circle leuchten. Die Stute Jacaranda hat sich für diese Saison offenbar einiges vorgenommen: Von Thomas Panschow meisterlich vorgetragen, spurtete sie im Einlauf zum ersten Sieg ihrer Laufbahn und scheint sich in der Winterpause enorm verbessert zu haben. Der Hengst Gently Yankee legte in der Hand von Michael Schmid gleich beim ersten Start seiner Laufbahn die Maidenschaft ab und ließ sich auch vom Rennverlauf außen herum nicht stoppen. Die dickste Überraschung gab es zum Abschluss der Veranstaltung, einem Trabreiten: Die von Sarah Kube gesattelte und entschlossen an die Spitze geführte 202:10-Außenseiterin Inari ließ sich von dem für unschlagbar gehaltenen Garry (Ronja Walter) nicht beeindrucken und brachte dem siegreichsten deutschen Traber der Saison 2015 eine empfindliche Niederlage bei.

Gesamtumsatz: 147.690,00 Euro – Bahnumsatz: 51.662,80 Euro - Außenumsatz: 96.027,20 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Samstag, dem 2. April statt. Beginn ist um 11 Uhr. Es handelt sich dabei um eine Matinée-Veranstaltung mit vier PMU-Prüfungen. Das Champions Teehaus und das Stall-Casino sind für Sie geöffnet!