Deutsches Traber - Derby Berlin - Mariendorf 2016: Der dritte Tag

Foto von Marius Schwarz: Der großartige Hengst Orlando Jet mit seinem Trainer Rudolf Haller

Deutliche Duftmarken

Es ist angerichtet für das höchst dotierte deutsche Trabrennen des Jahres, das am kommenden Sonntag zum 121. Mal ausgetragene Traberderby. Anders als tags zuvor bei den Stuten, deren Jahrgang 2013 allerdings bis auf Gilda Newport sehr unübersichtlich daherkommt, fiel nur einer der vier Gesetzten dem Rotstift zum Opfer - und wurde genau durch jenen Joker bestens vertreten, der als „Nummer 4 b“ der Rangliste angesehen worden war. Das mit rund 235.000 Euro dotierte Finale, das aus den jeweils drei Bestplatzierten der vier Vorläufe gebildet wird, dürften die vier allesamt überzeugenden Vorlaufsieger unter sich ausmachen. Selten zuvor in einem Traber-Derby stand die Form so felsenfest. Sollte einer von ihnen tatsächlich das Blaue Band holen - der Unwägbarkeiten im Turf gibt es bekanntlich viele -, wäre es für den Fahrer eine Premiere: Weder Dennis Spangenberg noch Thorsten Tietz, Rudi Haller, ja selbst Dauerchampion Michael Nimczyk haben sich bislang in der Ehrenliste verewigt.

Der Goldhelm eröffnete den Vorlauf-Reigen wie erwartet mit dem von Arnold Mollema trainierten Dreambreaker mit eiserner Faust. „Normalerweise geht der Hengst aus der Deckung besser“, so der 30jährige. Doch diese Taktik sparte er sich fürs Finale auf. Der Sohn des zwiefachen Prix-d’Amérique-Siegers Offshore Dream machte seinem Namen alle Ehre und zerstörte die vagen Träume der Konkurrenz trotz des äußersten Startplatzes mit einem schneidigen Run vorneweg, bei dem den Gegnern ziemlich die Augen tränten.

Berlin darf hoffen

Dem deutschen wollte der Berliner Champion nicht nachstehen und steckte mit zwei Siegen seinen Claim klar ab. „Die ‚1’ ist nicht sein Lieblingsstartplatz, aber Fiobano muss nicht unbedingt die Spitze haben“, hatte Thorsten Tietz vor Qualifier 2 verkündet, „wir werden sehen, wie sich die Partie entwickelt.“ Sie entwickelte sich ideal für den bislang ausschließlich im Alltagsgeschäft fürs Derby aufgebauten Abano-As-Sohn. Drei gute „Eintreter“ verpatzten den Start - kein Problem für Tietz, in Front zu kommen, den Kräfteverschleiß so minimal wie möglich zu halten und für 13:10 die in seinem Fahrwasser liegenden Muscle Boy AS und Guccio Fortuna sehr sicher in Schach zu halten. Allein vor dem Rennen hatte es den einzigen Missklang dieses ansonsten rundum gelungenen Renntags gegeben. Die Rennleitung hatte dem Antrag Tietz’ stattgegeben, Fiobano zur Beruhigung bis eine Minute vorm Start von einem Gespann begleiten zu lassen, wie das bei Ready Cash in Frankreich Usus war, nach Tietz’ Aussage der Veranstalter dem jedoch ein Veto gesetzt.

Weil’s so schön war, steuerte der 38jährige Geronimo T in Vorlauf 4 genauso schnurstracks aus der Frontlage in den Winner Circle. Auch beim leichten Sieg vor Muscle Scott und dem Berliner Laskari, dem Hexenmeister Jos Verbeeck die beste Leistung der bis dato ziemlich verkorksten Saison 2016 entlockte, hielt er für den großen Auftritt in einer Woche mit den Kräften des von Hans Joachim Tipke perfekt vorbereiteten Braunen perfekt haus.

Dazwischen lag ein Spektakel der besonderen Art. Der gesetzte Blackhawk galoppierte in Vorlauf 3 genauso am Start wie Rudi Hallers Orlando Jet. Während der schwarze Habicht weit zurückfiel und keine Rolle mehr spielte, blieb Bayerns Hoffnung im Spiel und legte eine Show hin, die ihn in den engsten Favoritenkreis hievte. Mit einem Gewaltvorstoß von ganz hinten sauste er nach einem Kilometer in Front und wackelte und wankte keinen Zentimeter, als ihn Zauni auf der Zielgeraden zu kippen suchte. Mit der schnellsten Vorlauf-Zeit von 1:12,9 katapultierte sich der kraftvolle Dunkelbraune in die Herzen der Zuschauer.

Parole „Sieg“ im Namen

…trägt Othello Victory, mit dem Rudi Haller den Schwung jenes Vorlauf-Sieges ins Charlie-Mills-Memorial transferierte, das an den lange Jahre in Berlin aktiven Weltbürger des Trabrennsports erinnert, dessen seit seinem Todesjahr 1972 mit diesem Rennen gedacht wird. Mit Österreichs bestem Traber der Generation 2011, der fast die komplette Vorjahrssaison wegen einer schweren Verletzung hatte sausen lassen müssen und auf bestem Weg ist, das dabei Versäumte heuer nachzuholen, preschte er sofort in Front, ließ den Favoriten, seinen äußeren Begleiter King of the World, ins Leere laufen und erstickte die Schlussangriffe der New Generation und Dream Magic BE höchst souverän im Keim.

Dass Alter beileibe nicht vor rasanten Finishs schützt, gab’s im Rennen der Oldies für Fahrer, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, zu sehen. Jorma Oikarinen, der bereits am Vortag mit Noble Dolly für Aufsehen gesorgt hatte, nutzte mit Fox Dragon einen perfekten Trip im Windschatten der den Takt vorgebenden Merana und gab der tapferen Stute ganz leicht das Nachsehen, womit Heinz Wewering mit ihr wie beim Oldtimer-Treffen 2015 den Ehrenplatz belegte.