Deutsches Traber- Derby Berlin – Mariendorf 2016: Damenwahl und ein Monté-Rekordler

Foto von Marius Schwarz: Die bisher ungeschlagene Topfavoritin Gilda Newport mit ihrem Trainer und Fahrer Dion Tesselaar

Nach dem Appetitanreger am Freitag mit dem edlem Kampf der zweibeinigen Champions um den Europameister-Titel stehen ab Samstag die vierbeinigen Athleten im Fokus der bedeutendsten Rennwoche des Jahres. Los geht’s um 13.00 Uhr, 14 Prüfungen stehen auf der reich gespickten Menükarte, wobei - höflich, wie die Berliner sind - an diesem Tag die dreijährigen Damen den Vortritt haben.

46 wollen an den ganz großen Kuchen im Stuten-Derby, der eine Woche später verteilt wird, so dass eine Auslese in fünf Vorläufen getroffen wird. Die ist in diesem Jahr besonders hart, denn es kommen jeweils nur die beiden Besten weiter. Kein Raum also für großartige taktische Geplänkel.

Für die Experten etwas überraschend ist Gilda Newport dabei, von der man erwartet hatte, dass sie den Gang ins „große“ Derby gegen das starke Geschlecht wagen würde. Schließlich fehlt ihrer seit Jahrzehnten überaus ambitionierten Besitzerin Marion Jauß die bedeutendste Trophäe, die der deutsche Trabrennsport zu vergeben hat, noch in der Pokal-Vitrine. Der Platz wird folglich auch nach diesem Meeting leer bleiben.

Hingegen spricht alles dafür, dass die Neritzer Gestütsherrin ihren fünften Triumph im Arthur-Knauer-Rennen feiert. Wobei die Götter vor den großen Preis natürlich auch für die bei vier hochkarätigen Aufgaben unbezwungene Tochter des amerikanischen Star-Vererbers Donato Hanover den Schweiß der Qualifikation gesetzt haben. Nach dem Motto „Die Beste zum Schluss“ hat der Veranstalter ihren 5. Vorlauf als letzten fürs 12. Rennen terminiert. Wer bis dahin noch keine Lose für die üppige Prämienausspielung hat, die über die Siegwette zu bekommen sind, kann sich auf den vorletzten Punkt schadlos halten. Mehr als 10:10 und damit den Einsatz zurück dürfte es am Totalisator jedoch kaum geben.

Würde eine Niederlage Gilda Newports, die im Vorjahr im Hamburger Jugend-Preis auch das starke Geschlecht hat schwach aussehen lassen, ein veritables Toto-Beben auslösen, so geht es in den anderen Qualifiern etwas offener zu.

Im chronologisch 1., numerisch fünften Vorlauf (4. Rennen) bekommt es die noch sieglose, in größeren Aufgaben bewährte Jane Bo mit Berlins Shootingstar Noble Dolly zu tun, die vor acht Wochen diese Aufgabe noch gar nicht in der Planung hatte. Dann hat sie derart rasant dazugelernt, dass ihr Trainer Jorma Oikarinen nach zwei überragenden Vorstellungen gar nicht anders konnte, als den großen Gang zu wagen. Sie ist bei zwei Starts unbezwungen, aber eben noch ein bisschen grün hinter ihren braunen Ohren. Nicht zu unterschätzen ist Volita Go, mit der Conrad Lugauer aus Schweden anreist.

Riecht es in Qualifier 2 (6. Rennen) nach einem Duell der beiden Holländer Robin Bakker und Rob de Vlieger, die mit Gaia F Boko und Tessa gut gerüstet sind, so sollte in Vorlauf 3 (8. Rennen) Deutschlands Goldhelm Michael Nimczyk mit Strawberry Diamant die besten Karten haben. Die Dunkelbraune, in ihrer fünf Starts umfassenden Laufbahn durchweg Erste oder Zweite, legt sich für Mariendorfs Gönner Ulrich Mommert ins Zeug.

Die größten Fragezeichen stehen wohl hinter Vorlauf 4 (10. Rennen) - beziehungsweise hinter den beiden mit Abstand reichsten Stuten: Laurea LB hat im Vorjahr auf höherer Ebene fleißig Prämien gescheffelt, in dieser Saison jedoch einige unerwartete Niederlagen kassiert, was an Auswirkungen eines Infekts gelegen haben mag. Größer ist das Rätselraten um Danedream. Die in Schweden beheimatete Braune schien in Umrissen ihrer im Galopper-Lager berühmten Namensgevatterin nachzueifern, gewann im Vorjahr das hiesige Auktionsrennen und wurde Zweite in der Breeders Crown. Auf den Linkskursen ihrer nordischen Wahlheimat blieb sie heuer fast alles schuldig. Nun soll Heinz Wewering sie auf den im wahrsten Sinn rechten Traberpfad zurückführen. Vor zwei Jahren ist ihm dies mit dem aus dem gleichen Umfeld gekommenen Elton Attack im Derby bestens gelungen. Und dann ist da noch die Berlinerin Mon Etoile, dessen „Mama“ Belle Arnie vor zwölf Jahren einen solchen Vorlauf gewonnen hat. Fällt der Apfel nicht weit vom Stamm? Dafür darf sich die talentierte Stute keinen ihrer gefürchteten Aussetzer leisten.

Unmittelbar darauf wird im 11. Rennen der finanzielle Hauptgang serviert. Zum 100. Geburtstag hat sich die Derbybahn 2013 ein mit üppigen 20.000 Euro dotiertes Satteltraben spendiert. Weltrekordler wie Prince de Montfort (2013) und Valdenburg (2015) waren am Start. Diesmal kommt mit dem Dänen Tano Bork jenes Pferd, das am 14. Juli mit 1:12,6 die in Deutschland schnellste je unterm Sattel erzielte Zeit auf die Hamburger Piste gehämmert hat. Eines seiner Opfer war Deutschlands Vorzeige-Satteltraber Garry. Der Crack von Championesse Ronja Walter, von März 2015 bis März 2016 in 15 Trabreiten en suite nicht zu boxen, hatte nicht den Hauch einer Chance gegen den entfesselten Dänen, der weit voraus seine einsamen Kreise zog und als Top-Favorit startet. Garry hat er also bereits kräftig die Leviten gelesen und dürfte auch mit More Caviar fertig werden, der in Frankreich, dem Mutterland des Trabreitens, schon in einer Siegerliste steht.

Diese Pferde sehen wir vorn:

1. Amici P – Quinze Juin – Segen LB

2. Querys Alesio – Escape Convital – Dakota Greenwood   

3. Final Countdown – Julietta – Sophie Menoud

4. Noble Dolly – Jane Bo – Volita Go

5. Fittipaldi – Nico Way – Floh G – Cremers Boy

6. Gaia F. Boko – Diva Amici – Lesperanza

7. Ivy Corner – Ben Kingsley – Gri Power Jet

8. Strawberry Diamant – Velten Vivienne – Likasi

9. Stan Libuda – Dimitri W. Eden – Obelix Diamant

10. Laurea LB – Danedream – Mon Etoile

11. Tano Bork – More Caviar – Garry

12. Gilda Newport – Gamine Newport – Lady Vera

13. Kap de bonne – Billy the Kid TP – Ironheart – Thunder Girl

14. Maartje Flevo – Ufo del Rio – Ferrari Boshoeve