Deutsches Traber Derby Berlin – Mariendorf 2014: VORHANG AUF FÜRS BLAUE BAND!

 

 EXPO EXPRESS AUF STRAMMEM WEG ZUR DREIFACHEN KRONE

  (Text: Dr. Manfred Wegener)  Im 10. Rennen des Sonntags um 17.45 Uhr hat das Warten endlich ein Ende: Manege - oder besser Start frei zum 119. deutschen Traber-Derby heißt es dann für zwölf Gespanne, die sich eine Woche zuvor in vier harten Ausscheidungsläufen die Teilnahmeberechtigung an dem mit 227.430 Euro wertvollsten Trabrennen hierzulande erstritten haben. 108.715 davon bekommt allein der Sieger gut geschrieben, und nur wenige zweifeln daran, dass der Expo Express heißen wird. Der braune Hengst, übrigens ein Halbbruder mütterlicherseits des 2005er Derbysiegers Unforgettable - der hat im Laufe seiner quer durch Süd-, West- und Nordeuropa führenden Karriere fast 900.000 Euro eingetrabt ud für seinen Derbysieg 2005 117.790 Euro gebucht bekommen -, hat in den beiden wichtigsten Vorprüfungen Stacelita jeweils knapp, aber sicher bezwungen. Und wer noch leise Zweifel hatte an dem Friesen-Express des Arnold Mollema nach den teilweise berauschenden Vorstellungen der Übrigen in den drei Vorläufen, denen grub er sich in seinem, dem letzten Vorlauf mit einer geradezu königlichen Vorstellung tief ins Gedächtnis. Sieben Längen betrug sein Vorsprung am Zielpfosten, womit ihn seine Gegner nur noch mit dem Fernglas ausmachen konnten und er zum überlegensten der vier Sieger wurde. Gewonnen ist damit das Blaue Band zwar noch nicht, aber doch eine überdeutliche Duftmarke gesetzt - vor allem gegenüber seiner Dauerrivalin Stacelita. Die einzige Stute, die es überhaupt gewagt hatte, es mit den 2011 geborenen Hengsten und Wallachen aufzunehmen, hatte wie erwartet viel härter zu knabbern, um mit Ewald F Boko den besten Zweiten niederzuringen, doch ihr Steuermann Josef Franzl lässt sich darob nicht einschüchtern: „Sie ist das mit Abstand beste dreijährige Pferd, das ich je in Händen hatte, und kann einen mörderischen Speed gehen. Die zweite Niederlage gegen Expo Express nehme ich auch ein wenig auf meine Kappe. Da hatte ich ihr kurzfristig eine etwas andere Zäumung verpasst, mit der sie nicht sonderlich gut zurecht kam.“

Wenn zwei sich streiten, freut sich manchmal der Dritte - und der könnte Ganystar heißen, womit Berlin Kopf stehen würde. Der kernige Fuchs wird im Süden der Hauptstadt vorbereitet und gehört einer Berliner Besitzergemeinschaft. Seit 1988, als Tornado Hanover und Gottlieb Jauß zum Derbysieg fegten, warten die Gastgeber nun schon auf einen Triumph eines der Ihren - da wird’s allmählich wieder Zeit. Oder macht’s Indover? Der schnellste Vorlaufsieger würde damit der Ex-Berlinerin Marion Jauß ihren größten sportlichen Wunsch erfüllen, jagt die Gestütschefin von Neritz doch seit Jahren vergeblich einem Sieg im Derby hinterher, während sie jenes für die Stuten schon mehrmals gewonnen hat. Vielleicht ist aber auch Elton Attack jener lachende Dritte, der nach vielen Problemen und Galoppaden im Vorlauf alte Klasse zeigte, für Indover die Lokomotive spielte und fürs Derby mit Schwedens zehnfachem Champion Björn Goop einen neuen Fahrer verpasst kriegt, dessen Erfolge mit Pferden, die er zum ersten Mal fährt, in dieser Saison geradezu legendär sind.

Natürlich haben die Mariendorfer um das trabrennsportliche Ereignis des Jahres einen exquisiten Rahmen gebaut. Ruft Jag Heuvelland im an Berlins vor 15 Jahren tödlich verunglückten Meisterfahrer und -trainer Gottlieb Jauß erinnernden Memorial die gleiche Leistung wie vor acht Tagen ab, sollte dem Hünen mit dem gewaltigen Antritt im 2. Rennen niemand die Siegersuppe versalzen.

Eine in jeder Hinsicht monströse Aufgabe steht Pferden, Fahrern und Wettern unmittelbar darauf bevor: Im Derby-Marathon (3. Rennen) über die bis zum Jahre 1978 gültige Derby-Strecke von 3200 Metern nehmen 16 gestandene Recken aus drei Bändern den Kampf auf - ein Mammutfeld, das es auch in früheren Derbys durchaus gegeben hat. Gar nicht lang genug sein kann der Weg für den Dänen Laughing Stock, der solche in Deutschland sehr seltenen Marathons in seiner nordischen Heimat zuhauf bestritten und auch gewonnen hat, aber bis zu 40 Meter Zulage wettzumachen hat. Noch einmal zu sehen bekommt man den am vergangenen Samstag im Derby-Monté so großartig auftrumpfenden Franzosen Son Alézan, der solche Aufgaben ebenfalls zur Genüge kennt, es aber ungleich schwerer als im Reiten hat. Aus dem zweiten Band sticht der von Sieg zu Sieg eilende Going As hervor, von der Grundmarke versucht der seit sieben Rennen unbesiegte Montecore Mo sein Heil in der sicherlich gebremsten Flucht - schließlich gilt es die Kräfte gut einzuteilen auf den 2½ zu absolvierenden Runden.

Auf ultralang folgt ultrakurz. Über 1609 Meter geht es in der Derby-Meile zu (6. Rennen), deren Beginn aus zwei Reihen à fünf Gespanne nicht ganz einfach ist. Die Cracks müssen in der zweiten Startreihe loslegen. Wie gut Parkin drauf ist, der frischgebackene Bahnrekordler über diese Strecke auf der Piste von Baden bei Wien, kann man bereits am Donnerstagabend sehen, wen er die identische Strecke unter die Hufe nimmt. Übrigens: Bei seinem Rekordlauf am 13. Juli musste der Schwede auch aus der zweiten Reihe lossegeln - und hatte mit diesem Manko, wie am Ergebnis abzulesen, keinerlei Probleme. Seine schärfsten Widersacher dürften I Won’t Dance, bei Banks’ Hamburger Rekordlauf Zweiter, und der dreifache Bild-Pokal-Sieger Top of the Rocks sein, ein Meilenkünstler par excellence.

In der Derby-Revanche der nunmehr vierjährigen Stuten (5. Rennen) könnte sich Vicky Corner fürs vorjährige Pech entschädigen. Genannt, aber zum Tag X nicht einsatzfähig, versucht die Fuchsstute heuer vieles nachzuholen und dürfte in der Stutenderby-Zweiten Abasi, der damals am Start gesprungenen haushohen Favoritin Mustang’s Sally wie der Stutenderby-Siegerin Fräulein Wunder die stärkste Konkurrenz haben.

Derby-Revanche ohne Derby-Sieger Tiger Woods As heißt es bei den Männern im 9. Rennen. Für den Tiger hat sein Trainer Paul Hagoort lukrativere Aufgaben in Europa vorgesehen und schickt als Stellvertreter Stanislawski in die Hauptstadt. Der war im vorjährigen Blauen Band Dritter und hat in zwei hiesigen Vierjährigen-Vergleichen die Konkurrenz förmlich an der Nase herumgeführt. Da kann der einheimische Shoemaker zeigen, was er gegen den Fuchs drauf hat. Mit von der rasanten Partie sind Fridericus, fürs Derby-Finale knapp gescheitert, dafür souveräner Trostlauf-Sieger, More Caviar sowie Lord Jaycee und Gri Harry, die in Dänemark bzw. Bayern keine Niederlagen kennen, jedoch auch noch nie solche Kaliber vor der Brust hatten.

Diese Pferde sehen wir vorn:

  1. Amundsen Mo – Tyrolean Dream – Gentille

  2. Jag Heuvelland – Cosmic Love – Easy Lover

  3. Laughing Stock – Going As – Montecore Mo – Solo Nolo

  4. Artos W – Be Stuck Paasloo – Not to Bi

  5. Mustangs’s Sally – Zenyatta – Vicky Corner

  6. I Won’t Dance – Parkin – Aida Boko

  7. Stark Bi – HöwingsSilberpfeil – Brixton

  8. Sandro Power – Julio Cortina – Ciao Amore

  9. Stanislawski – More Caviar – Fridericus

10. Expo Express – Stacelita – Indover – Ganystar

11. Olivier As – Artos W – Not to Bi

12. Pasi di Girifalco – Becky Dragon – Empire TI

13. Vin Rouge – Ginger Heldia – Breitling

14. Jeronimo Express – Nuit d’Amour – Oneandonly Diamant

Arnold Mollema und Expo Express   (Foto: Marius Schwarz)