Deutsches Traber-Derby Berlin-Mariendorf 2014: Mit Stuten-Power in die Derby-Woche

 

Um mal mit einem etwas abgewandelten Zitat eines nicht ganz unbekannten Fußball-Trainers namens Sepp Herberger zu beginnen, dass „nach der Derby-Woche vor der Derby-Woche ist“: Das Warten auf Traber-Deutschlands mit Spannung erwartete bedeutendste Rennwoche hat ab Samstag ein Ende. Auch wenn über dem deutschen Trabrennsport nicht überall eitel Sonnenschein herrscht, werden die sechs tollen Renntage im Süden Berlins wieder zu einem Treffen aus nah und fern. Sie beginnen mit einer Doppelveranstaltung zum Wochenende, bei der jeweils 14 Prüfungen abgehalten und zunächst jene Dreijährigen gesucht werden, die eine Woche darauf jene Rennen bestreiten, die dem Meeting den Namen verpasst haben: Das zum 119. Mal ausgetragene Deutsche Traber-Derby bzw. das seit 1989 angebotene  Deutsche Stuten-Derby.

Ab dem 2. Rennen - und dann in den jeweils „geraden“ Prüfungen - geht’s in sechs Vorläufen für die 2011 geborenen Traber-Ladys um die Pflicht vor der Kür, nämlich die Fahrkarte ins Finale des Stuten-Derbys, in dem erstmals zwölf junge Damen um Ruhm und die ausgelobten 98.510 Euro ringen. Nur das jeweils beste Duo kommt weiter, womit es in den Vorläufen kein taktisches Geplänkel und Versteckspiel geben, sondern hart zur Sache gehen wird.

Bevor es so weit ist, kann zum Auftakt der Rennwoche um 13.20 Uhr ein junger Mann punkten, der seit Kindesbeinen mit Trabern zu tun hat, in diesem Jahr richtig Biss bekommen hat, auf einer wahren Erfolgswelle schwimmt oder besser fährt und sich über Pfingsten den Titel eines Deutschen Amateurmeisters gesichert hat mit einem Pferd - hier schließt sich der Kreis - des Mariendorf-Besitzers Ulrich Mommert. Auch der beste Fahrer kann ohne konkurrenzfähigen vierbeinigen Partner wenig ausrichten - Christoph Pellander hat mit Diva Newport eine starke Stute im Sulky.

Danach heißt’s endgültig „Bahn frei“ für die dreijährigen Ladys, deren haushohe Favoritin Star Potential ist. Wer die beiden wichtigsten Vorprüfungen souverän gewonnen hat, dem muss im Vorlauf nicht bange sein - im 6. Rennen gibt die Braune, die aus einem Quartier kommt, das europaweit für Furore sorgt und im Vorjahr mit Tiger Woods As den Derby-Sieger gestellt hat, eine weitere Kostprobe ihres überdurchschnittlichen Könnens. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollte der über enormes Potenzial verfügende Vierbeiner-Star die Vorlauf-Pflicht in den Mariendorfer Sand setzen, der für ihn stets mit dicken Schecks gepflastert war.

Bilden die sechs Vorläufe so etwas wie das feste Gerüst, sind die übrigen Rennen die drum herum verteilten Pretiosen. Im 3. Rennen treffen Publikumslieblinge aufeinander, die das Sieger-Gen sozusagen im Blut haben. Auf seiner Heimatbahn wird sich Harry’s Bar, benannt nach einer berühmten Bar in Venedig, so leicht nicht den Siegerschluck verwehren lassen. Es wäre der 18. insgesamt. Auf den Linkskursen läuft eher wenig bei dem Wallach zusammen, doch rechts herum präsentiert er sich wie verwandelt, insbesondere in seinem „Wohnzimmer“ Mariendorf, wo er zu einem echten Lokalmatador gereift ist. Nicht minder sieggefräßig ist der aus Bayern anreisende Jag Heuvelland, der gar schon 22 Ehrenschleifen sein Eigen nennt und sich bei seinen Stippvisiten oft genug am Mariendorf Prämientopf gütlich getan hat. Und weil noch einige andere wie Andrew Dragon, Major Eck oder Peter Pan Diamant nicht zimperlich waren, wenn eine Ehrenrunde lockte, darf sich das geneigte Publikum auf eine messerscharfe Auseinandersetzung freuen.

Geht der Sieg im Monté-Derby dem mit 20.000 Euro höchstdotierten Trabreiten Deutschlands, wirklich nur über die Franzosen? Aus dem Mutterland des Trabreitens kommen Up Market, der unterm Sattel zwei Prüfungen hoher Kategorie gewonnen hat, Quel Hermès und Son Alézan, die jeweils über eine halbe Million Euro gewonnen haben - Beträge, von denen man hierzulande normalerweise nur träumen kann. Gut möglich, dass ihnen mit dem 58.000 Euro armen Queiros de Nancras ein Landsmann den ersten Rang abläuft, der sich in diesem Metier prächtig eingenistet hat und mit Michelle Kokkes eine fest verschweißte Einheit bildet. Den „Franzmännern“ im 7. Rennen den Spaß verderben möchten Hannieball und Pinocchio HJ - es riecht nach einem Trabreiten allererster Güteklasse.

Bevor im 12. Rennen mit Sunshine Lane die Tochter einer ehemaligen Derby-Siegerin als Letzte den Sprung ins Stuten-Derby-Finale schaffen will, sieht es für einen Berliner Vulkan ausgesprochen günstig aus. Daniel Wagners Schützling sollte im 11. Rennen genug Puste für den 2500 Meter weiten Weg haben.

Unsere Tipps:

  1. Diva Newport – Vivian Buster – Söte Popp

  2. Pippa Barosso – Pippilotta Diamant – Emerald Bay

  3. Harry’s Bar – Jag Heuvelland – Andrew Dragon – Major Eck

  4. Imi Para Mi – Wariana – Emma F Boko

  5. Mr. Smith – Theodor Fontane – Silver Surfer

  6. Star Potential – KW Tigerlady – Emma di Quattro

  7. Son Alezan – Queiros de Nancras – Hannieball

  8. Celestial Light TK – Aint she sweet – Panama Diamant

  9. Wishing you Well – Richeliell – Candyman Hornline

10. Cattiva Byd – Eva Kievitshof – Elena Kievitshof

11. Vulkan – Bonaparte – Biscuit Dragon – Guliano Bo

12. Sunshine Lane – You know Me – Mega Love

13. Copacabana – Lanea – Lady Maren

14. Pandora Diamant – Mr. Cashman – Velten Venus

 

Foto von Marius Schwarz: Robin Bakker und Star Potential