Deutsches Traber-Derby Berlin-Mariendorf 2013: Vorberichte zum Final-Wochenende

 

Wer knackt Mustang's Sally?

Robin Bakker und seine große Favoritin Mustang's Sally beließen es im Vorlauf bei einer flotten Abschlussarbeit. Ein 15er Feld im Auktionsrennen der Zweijährigen. Lady Good Wood als Einzige schon erfolgreich.

Berlin-Mariendorf, 3. August 2013 (12.30 Uhr).

Vor einer Woche hatten sich 32 Ladys um die zehn Finalplätze im German Tote Stutenderby beworben. Mehr als zwei Drittel von ihnen hatten entweder nicht ihren besten Tag oder wurden eindeutig als zu leicht befunden. Immerhin haben einige von ihnen ja noch das mit 10.000 Euro honorierte Trostpflaster namens B-Finale vor der Brust. Was die zehn Finalistinnen in ihren Vorläufen abgeliefert haben, lässt den Schluss zu, dass auch von ihnen nur maximal die Hälfte mit einer realistischen Hoffnung auf die Jahrgangs-Krone ins Rennen geht, dass mit genau 102.958 Euro die höchste Dotierung seiner Geschichte gefunden hat.

Der Kreis der Favoritinnen beschränkt sich im 11. Rennen, in dem Dreier- und Viererwette ausgespielt werden, auf die vier Vorlaufsiegerinnen, die ihre Qualifikationen jeweils mit dem Richterspruch „überlegen“ absolvierten. Die große Voraus-Favoritin, die noch unbezwungene Mustang's Sally (Robin Bakker), verzichtete am vergangenen Samstag bei der sommerlichen Hitze auf eine Demonstration ihrer Klasse, beließ es bei einer aus ihrer Sicht normalen Leistung von 1:16,5 und duldete dennoch unangefasst keine Gegnerin in ihrer Nähe. Abasi (Gerhard Mayr) hatte in ihrer Elimination die Fronten schon kurz nach dem Ab geklärt, marschierte Start-Ziel nach Hause. Fräulein Wunder (Roland Hülskath) setzte sich mit der gleichen Taktik souverän durch. Die Nummer eins des Stalles von Marion Jauß erzielte mit 1:16,1 die beste Vorlaufzeit, musste dafür als Einzige bis in den Schlussbogen kräftigen Druck aushalten, den sie aber sicher konterte. Zuletzt machte auch Stall Adamas’ Red Riding Hood (Conrad Lugauer) von der Spitze Nägel mit Köpfen. Wie leicht das gelang darf man dem Kommentar ihres Trainers entnehmen, der beim Sieger-Interview sagte: „Eine Sekunde schneller ist drin“.

Bereits im 2. Rennen kämpfen zehn Ladys im „kleinen“ B-Finale um ein 10.000-Euro-Trostpflaster. Hier könnte die Entscheidung zwischen Lady Ellen (Robin Bakker) und Honeybee (Victor Gentz) liegen. Die Hagoort-Stute griff auf den letzten 400 Metern enorm schwungvoll an und scheiterte am Finale grande nur um eine Nasenspitze. Ähnlich groß war das Pech für Honeybee, die mit dem letzten Schritt nicht mehr an Donna Kievitshof vorbeikam. Die hoch gehandelte Joyful Angel (Peter Strooper) sprang am Start, lief noch hinterher, verfehlte jedoch Platz drei.

Um den opulenten Preispool von 50.000 Euro treten im zweiten Höhepunkt des Renntages, dem Auktionsrennen der Zweijährigen (7. Rennen), 15 Bewerber an, die vor einem Jahr auf einer der beiden Jährlingsauktionen versteigert worden waren. Mit einigen Unwägbarkeiten in Form von galoppierenden Klippen wird man in diesem Mammutfeld rechnen müssen, doch wenn Lady Good Wood (Michael Nimczyk) ungeschoren über die Runden kommt, sollte es für sie „gut Holz“ heißen. Die für 24.000 Euro abgegebene Stute, die als Einzige ein Rennen „im Leib“ hat, hat am 21. Juli beim ersten Rennen für die Youngster in Deutschland überhaupt eine Gala-Vorstellung gegeben und sich nervlich und körperlich bereits als ausgewachsenes Rennpferd erwiesen. Die bislang schnellste Zeit bekam allerdings Sing Hallelujah (Michael Schmid), ein Schützling von Italiens oftmaligem Trainerchampion Holger Ehlert, auf die Qualifikations-Uhr. Everreach Draviet (Heinz Wewering) hat im südschwedischen Jägersro ihre Qualifikation über eine hierzulande ungewöhnlich lange Distanz souverän absolviert und dürfte am Toto viel Vertrauen genießen. Brasco, Juppi und Emotion Boshoeve sollten aufgrund ihrer guten Qualifikationen nicht unterschätzt werden.

Im Rahmen fallen zwei weitere gut dotierte Entscheidungen. Gesucht wird im 13. Rennen der Sieger im Derby-Handicap-Pokal „de luxe“ (8.000 Euro), dessen Finalisten sich jedoch erst noch bis Samstag qualifizieren müssen.

Eine Verbeugung vor Gottlieb Jauß, Berlins wohl erfolgreichstem Trainer und Fahrer der Nachkriegszeit, ist das seinen Namen tragende Memorial (8. Rennen). Unvergessen in der Hauptstadt, wie der damalige Berliner Dauerchampion am 7. August 1988 mit Tornado Hanover letztmalig einen Derby-Sieg nach Berlin holte. Unter den zwölf Startern der sehr offenen Prüfung sollten Alquin Elegance, Like a Porsche, Amigo Butcher und Kamina die meisten Anhänger finden.

14 spannende Rennen

Sportliche Highlights:

Finalläufe zum German Tote Stuten-Derby; Auktionsrennen 2013.

Topakteure am Start:

Langeweg, Nimczyk, Wewering, Biendl, Bakker, Hülskath, Mollema & Lugauer!

Unsere Tipps:

1. Roadtrip Diamant – Une d’Arcy – Volydor

2. Honeybee – Obsession Diamant – Onmyknees Diamant

3. Baresi Toscana – Chatain – King of Moor – Britany

   4. Madame Love – Eva Kievitshof – Still Loving You

5. Baltimore As – Byron – Impact As

6. Bokito Starlake – Avinka Dragon – Desideri

7. Lady Good Wood – Sing Hallelujah – Nico Way

8. Amigo Butcher – Kamina – Il Lamborghini

9. Proud Amber – Disney As – Rigel LB

10. Kalido – Blueberry Dragon – Sweet Star

11. Mustang’s Sally – Red Riding Hood – Fräulein Wunder – Abasi

12. Ronas Liguori – Realismo – Garva AM

13. Finale zum Handicap-Pokal “de luxe” 2013

14. Let’s win – Radiosa Gual – Bestseller

Das Derby: Der Tiger zeigt die Krallen

Der Buddenbrock-Sieger Tiger Woods As schockt die aufmüpfige Konkurrenz. Nu I Nu oder Stanislawski - wer wirft den Fehdehandschuh? Thorsten Tietz mit ersten Chancen in beiden Derby-Revanchen.

Berlin-Mariendorf, 4. August 2013 (12.30 Uhr).

Schien vor dem Buddenbrock-Rennen alles sonnenklar, so sah es danach auf einmal völlig anders aus: „Quali-Rekordler“ Tiger Woods As behielt zwar auch beim dritten Start seine weiße Weste, doch salopp ausgedrückt: Der Schmutz flog hoch, traf aber nicht, da der zudringliche Stallkamerad Stanislawski kurz vor der Linie galoppierte. Trainer Paul Hagoort gestand trotz des glücklichen Sieges, dass ihm der Tiger nicht gefallen habe. Das Standing des Quick-Wood-Sohnes schien nicht mehr unangreifbar zu sein. Als dann am Sonntag in seinem Vorlauf der knifflige Nu I Nu vorneweg beim erst dritten Start seines Traberlebens lockere 1:14,8 aus seinen langen Beinen schüttelte, als ob das gar nichts wäre, schien die Favoritenstellung des mächtigen Braunen endgültig „perdu“. Der „Tiger“ hob sich die passende Antwort - ein Drehbuchautor hätte es nicht besser hinschreiben können - bis zum letzten Qualifier auf - als echte Ansage an alle „Miesjodler“. Im ersten Bogen übernahm er die Führung, und fortan spielte Tiger Woods As (Robin Bakker) in seiner Privat-Liga. Eine „Weile“ voraus stiefelte er 1:14,4 herunter, als ob das gar nichts wäre, und machte sämtliche andere Vorstellungen der gewiss nicht schlechten Konkurrenz zur Makulatur.

Felsenfest scheint der Tiger nach dieser Demonstration im 118. Deutschen Traber-Derby (10. Rennen) wieder auf seinem Jahrgangsthron sitzen. Dennoch haben die übrigen Neun die Hoffnung längst nicht aufgegeben, denn jedes Rennen muss erst gelaufen werden. In erster Linie ist da der bereits erwähnte, recht unerfahrene Nu I Nu, (Hugo Langeweg), der es seinem großen Bruder Nu Pagadi gern nachmachen möchte. Der hat sich vor fünf Jahren mit dem Blauen Band geschmückt und ist anschließend in die erweiterte Europa-Spitze aufgerückt. Nur einen Start mehr hat der gleichfalls halbfranzösisch gezüchtete Duke of Greenwood (Peter Strooper) auf dem Buckel, der im spannendsten Vorlauf Shoemaker (Heinz Wewering), dem zuvor gekürten heimlichen Favoriten, außen herum in bestechender Haltung den Zahn zog. Und der Holländer Peter Strooper weiß, wie man Derbysieger formt, hat mit Abano As, Lotis Photo und Lobell Countess bereits dreimal im deutschen Blauen Band gewildert. Leichter als dem Augenschein nach erledigte der zuverlässige, aber allein in Front stets etwas faule More Caviar (Arnold Mollema) die Pflicht vor der Kür. Auch Paul Hagoorts zweite Wunderwaffe Stanislawski (Dominik Locqueneux), zweimal zuvor vom Pech verfolgt, brauchte längst nicht an seine Grenzen zu gehen, um in 1:16,7 ganz leicht mit drei Längen im sicheren Final-Hafen anzulegen.

Im an Höhepunkten reichen Rahmenprogramm steht die Frage weit oben, wer sich am ehesten für das verpasste Derbyfinale im Finale B (20.000 Euro / 3. Rennen) schadlos halten kann. Aus dem Dutzend sollten sich am ehesten Julio Cortina, der Berliner Fridericus, Gentleman As, Greenspan, Pirlo und Immosand mit größeren Schecks trösten können.

Klein, aber von exzellenter Qualität ist die Derby-Revanche 2012 (4. Rennen). Von den Finalisten 2012 sind lediglich Sir Mathijs, Chapeau und Tamburini präsent und wollen die „Revanche“ wortwörtlich nehmen. „Chapeau“ soll es nun endlich für den gleichnamigen Fuchs heißen, der im 117. Derby mit Thorsten Tietz ganz klar den Hut aufhatte, den Sieg nach einer umstrittenen, in der Sportgerichtsbarkeit inzwischen zu seinen Ungunsten abgeschlossenen Entscheidung jedoch wieder hergeben musste. Auch bei den Stuten (12. Rennen) sollte der Berliner Champion zur Siegerparade umdrehen können. Seine Georgina Corner gibt ihr mit Spannung erwartetes Saisondebüt und will quasi die Titelverteidigung. Bei der wegen der langen Pause erforderlichen Wiederqualifikation machte sie einen so gehfreudigen Eindruck, dass sie diese Aufgabe auf Anhieb lösen sollte. Eine ihrer wenigen Bezwingerinnen war in einem Trial am 12. Mai 2012 Helena von Haithabu; die Knauer-Dritte konnte bisher gegen starke Gegner noch nichts ernten. Viel besser ist’s um die logische Nummer 2 Iniesta bestellt, die Enigma in einem Dinslakener Stutenlauf nach hartem Kampf um Haupteslänge widerstand. Zum echten Prüfstein für die beiden Vorgenannten wird sich Freccia rossa aufschwingen, die im Derby-Pokal der Stuten (27. Juli) ihre Gegnerinnen 600 Meter vor Schluss regelrecht überfiel und sich zu einem überlegenen 3½-Längen-Sieg auf und davon machte.

14 spannende Rennen

Sportliche Highlights:

118. Deutschen Traber-Derby; Derby-Revanche 2012; Derby-Rekordmeile.

Topakteure am Start:

Lövgren, Locqueneux, Wewering, Bakker, Lugauer, Mollema & Langeweg!

Unsere Tipps:

1. Varus Madrik – Inka Sunrise – Capitalist

2. Windtalker – Klasido – Lucky Luke

3. Fridericus – Donehill – Anubis Silk – Immosand

4. Chapeau – Banks – Lindo Eden

5. Top of the Rocks – Unforgettable – Ygold van Ranum

6. Shetan Casei – Ycoon – Farnese

7. Shark Attack – Jag Heuvelland – Inzagi

8. Abano Boy – Andriy Fortuna – Opéra de Joss

9. Harry’s Bar – Admiral Boom – VanHalen

10. Tiger Woods As – Stanislawski – Duke of Greenwood – Nu I Nu

11. Peter Pan Diamant – Going As – Pershing Shadow

12. Georgina Corner – Iniesta – Enigma

13. Ycoon – Recordtime – Cosmic Affair

14. Rapido – Oldtimer Diamant – Kalila