Deutsches Derby Berlin-Mariendorf: Bayerisches Mannsbild contra Frauenheld

Das 117. Deutsche Derby hat keinen klaren Favoriten / Erfüllt Dream Magic BE weiß-blaue Träume oder wird Casanova zum Traberheld? / Kann die „Schweden-Fraktion“ dagegen halten?

Das „Grande Finale“ der Derby-Woche 2012 kann starten und damit auch das des 117. Deutschen Traber-Derbys, über dem einen Preisgeld von 235.178 Euro steht. Im Gegensatz zu den vorangegangen Entscheidungen scheint das Feld der zehn Finalisten ausgeglichen wie selten und selbst die vier Vorläufe vor Wochenfrist haben keinen Vertreter des Jahrgangs 2009 vorab auf den Thron gehievt.

Fest steht allerdings, dass sich mit Magic BE (Josef Franzl) und Casanova (Roland Hülskath) zwei als überzeugende Vorlaufsieger zurück gemeldet haben, hinter deren Leistungsfähigkeit im Vorfeld krankheitsbedingt ein Fragezeichen stand. Ersterer machte in seinem Lauf gegen den schon scheinbar sicher enteilten Bradley, heute mit Heinz Wewering im Wagen, kurzen Prozess, als er Mitte des Einlaufs den Turbo schaltete und sicher vorbei flog. Casanova marschierte durchweg durch die „Geige“ und tat gerade soviel, um den lange führende Sir Mathijs (Conrad Lugauer) mit einer halben Länge, aber dennoch sicher abzufangen. Ein kleines Chapeau verdienten sich Erik Adielsson Chapeau, der sich zwar auf den letzten Meter strecken musste, um den überraschend stark auftrumpfenden Tamburini (Robin Bakker) in Schach zu halten. Adielsson bemerkte im Nachgang, dass der Hengst nicht so gern von vorn agiert, aber dann doch bestens auf den heranpreschenden Gegner reagiert hat. Ein Hinweis, den sein heutiger Steuermann Thorsten Tietz gern zur Kenntnis genommen hat, dem zudem das Chapeau vom Besitzer Harald Krogmann zuteil wurde, der bei der Auslosung die Fahrerwahl so begründete. „Thorsten fährt gute Rennen und wird das schon machen.“ Krogmanns erste Wahl bleiben dennoch Indigious und Erik Adielsson, deren Siegerzeit im 17er Bereich zwar die eindeutig schlechteste, aber den widrigen Umständen geschuldet war. Dafür demonstrierte der schwarzbraune Hengst auch bei „Land-Unter-Bedingungen“ seine Stärke und war der klarste Gewinner aller Vorläufe, in dem sich drei Längen Rückstand Camiel Kievitshof (Hugo Langeweg) ganz sicher seine Finalkarte gelöst hatte. Für die beiden Vorlaufdritten Nemo Diamant (Gerhard Biendl) und Global challenger (Micheal Schmid) wird selbst der Griff zur kleinen Prämie wohl eher ein zu schwerer Gang, denn mit vier bzw. sechs Längen Rückstand trennten sie vom jeweiligen Sieger schon Welten.

Das mit 20.000 Euro dotierte B-Finale (4. Rennen) ist das Treffen der Enttäuschten, die sich hier aber noch einen versöhnlichen Abschluss verschaffen wollen. Hier sind die an Fehlern gescheiterten Comeonhill (Roland Hülskath) und CC Rider (Heinz Wewering) auf Wiedergutmachungstour und müssen wieder als erste Wahl angesehen werden. Lindo Eden (Arnold Mollema) und Vantastic (Heinrich Gentz) verpassten als Dritte nur aufgrund der schwächeren Zeit das Finalticket, während sich für Punk, diesmal mit Erik Adielsson im Wagen, der Weg durch die Außenspuren als zu aufwändig entpuppte.

Einen echten Leckerbissen verspricht die Derby-Revanche 2011 (25.000 Euro)

Mit Lobell Countess (Peter Strooper) kommt die Titelverteidigerin an den Start, bei der allerdings in diesem Jahr noch nicht viel zusammenlief und die ihr sattes Gewinnkonto bisher um lächerliche 200 Euro aufgestockt hat. Zuletzt ging sie zumindest glatt. Der Derbyzweite Impact As (Michael Schmid) und der Fünfte, Jesse Kievitshof (Roland Hülskath), haben im Münchener Criterium der Vierjährigen gerade erst eine heftige Schlacht geschlagen, die die Gemüter erhitzte. Trotz einer schweren Behinderung hielt sich Jesse Kievitshof riesig, aber es blieb beim knappen Sieg von Impact As. In der gleichen Prüfung unterstrich Jaycee (Daniel Wagner) als Dritter seine guten Form, während die glorreiche Siegerin des Stutenderbys 2011, What a Feeling, jetzt in der Hand von Heinz Wewering, disqualifiziert wurde und offenbar nicht die Power des Vorjahres zur Hand hat. Für die Vorjahres-Sechste Seda Rapide (Michael Nimczyk) und dem im Derbyfinale 2011 als Co-Favorit gesprungen Cao Dai (Erik Adielsson) wird es ebenfalls kein Spaziergang, wobei der in diesem Jahr noch sieglose „Schwede“ immer flott auf Achse war.

Steher-Qualitäten sind im 3. Rennen, dem Derby-Marathon (15.000 Euro) gefragt

Mit Lotis Photo (Roland Hülskath) kommt der Derbysieger von 2007 an die Stätte seines großen Erfolges zurück, der auf französischem Terrain seine Qualitäten über die lange Distanz unter Beweis gestellt hat. Offenbar noch besser kann es Infatti November (Erik Adielsson) der in seiner Heimat über diese Steherdistanz mit einer 14er Zeit glänzte. Beide müssen allerdings angesichts ihrer Höchstzulage weite Wege gehen. Das niederländische Trio - Yale (Hugo Langeweg) und Zamorano (Michael Schmid), beide sind von der Grundmarke gut unter gekommen und Armbro Embellish. (Arnold Mollema)  - ist auf langen Distanzen stets gut dabei und muss stark beachtet werden.

Im 8. Rennen, der mit 15.000 Euro dotierten Derby Rekordmeile, rückt der Bahnrekord, den Gustav Diamant seit 2007 mit 1:11,9 hält, ins Visier der zehn Starter. An dem hat sich aber auch ein Klassetraber wie Classic Grand Cru, der sich zweimal in Folge in die Siegerliste eintrug, mit 1:12,2, die Zähne ausgebissen. Istogramma SAS (Gerhard Mayr) war als einziger im Feld  schon einmal schneller, als er vor drei Jahren eine 11,8 ablieferte, im Vorjahr aber nicht über den fünften Rang hinauskam. Dafür hat sich der Franzose Kebby du Bocage (Michael Schmid)  ganz aktuell mit seiner neuen Bestmarke von 12,8, als Zweiter zu Orso November, ins Blickfeld geschoben, muss aber aus der zweiten Reihe ins Rennen gehen. Dieses Handicap hat auch der immer wieder stark gehende alte Raufer Hollys Boy (Michael Nimczyk) zu tragen, während die in guter Verfassung laufenden Yesterday (Stefan Schoonhoven) und Top of the Rocks (Gerhard Biendl) eine bessere Ausgangslage vorfinden. Ein Wiedersehen gibt es mit Unikum, dem Derbysieger von 2010, dessen Formenspiegel aber eher einer Katastrophe gleicht.

Tipps:

1. Andrew Dragon – Ronja – Garfield

2. Circleofmoments – Rapinello – Chatain

3. Infatti November – Ambro Embellish – Zamorano – Yale

4. CC Rider – Comeonhill – Lindo Eden

5. Impact As – Lobell Countess – Jesse Kievitshof

6. At Full Speed – German Belini – Wladimir

7. Michigan Venus – Secret Boy – Affliction

8. Hollys Boy – Yesterday – Istogramma SAS

9. Quarter Session – Barfighter LM – Beauty Boshoeve

10. Casanova – Indigous – Dream Magic BE – Sir Mathijs

11. Zidane Boshoeve – Let the music play – Yann the mailman

12. At Full Speed – German Belini – Shaparrell

13. Crown Store – Louis Vuitton – Ysvogel

14. Volkswagen up! Rennen

Diese Vorschau ist für den 6. Tag der Derbywoche 2012 auf der Trabrennbahn Mariendorf. Im  Mittelpunkt der Veranstaltungen steht das Finale des trotto.de 117. Deutsches Traber-Derby. Die Veranstaltung findet am kommenden Sonntag ab 12:30 Uhr statt. Das erste der insgesamt dreizehn Rennen wird um 13:00 Uhr gestartet.