Derby-Woche in Berlin - Mariendorf 2015: Feines Appetithäppchen

Berlin-Mariendorf, Freitag, 24. Juli 2015. Auch wenn der eigentliche Grund des zusätzlichen Renntages in der Derbywoche, die Übertragung von vier sogenannten PMU-Rennen nach Frankreich, ein ziemlicher Schuss in den Ofen war - München und Hamburg hatten mit Matinée-PMU-Renntagen ähnliche Erfahrungen gemacht -, so konnten sich in Deutschland das finanzielle wie das sportliche Ergebnis diese Freitagmittags sehr wohl sehen lassen.

Zahlreiche Jackpots und Gewinngarantien ließen den Umsatz zu ungewohnter Stunde auf mehr als 160.000 Euro klettern, und das sportliche Programm war ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Der Derbysieger hält Hof

Für einen der Höhepunkte war einer verantwortlich, der demnächst wieder in Frankreich, dem Schlaraffenland des Pferderennsports, seiner Arbeit nachgehen wird und nur noch manchmal in Deutschland vorbeischaut: Dream Magic BE. An der Stätte seines bedeutendsten Triumphs, dem nach langen juristischen Streitereien erst Anfang dieses Jahres endgültig in die Ehrenliste eingemeißelten Derbysieg 2012, bekam der sechsjährige Hengst zu spüren, wie hart hierzulande Aufbaustarts für größere Aufgaben sein können. Der schwarzbraune Modellathlet, am Start mit 20 Meter Zulage gehandicapt, musste mächtig knautschen, um seinen bayerischen Landsmann Man in Black und die brave Daydream, der sich unverhofft die Tür zum Ehrenplatz öffnete, in die Knie zu zwingen. „Genau das sind sein Stärken - er kommt gut mit dem Bänderstart zurecht und kämpft wie ein Löwe“, strahlte Erfolgstrainer Josef Franzl nach vollbrachter Tat, die seinen Crack auf enorme 287.984 Euro an Gewinnen hievte.

Dort, wo der „magische Traum“ bereits angekommen ist, möchte Emma di Quattro hin. Weil sie ebenfalls in 1:13,2 die Nase vorn hatte - eine Zeit, in der auch Stan Libuda mit Berlins Meister Thorsten Tietz die Konkurrenz ausdribbelte -, sollte dies beileibe keine Utopie bleiben. In bärenstarker Haltung wies die Zweite aus Stuten-Derby und Breeders Crown 2014, mit lediglich acht Starts ein noch wenig geprüftes Pferd, den lange führenden Captain Rob ganz sicher in die Schranken und ließ dabei so renommierte Trotter wie Star Potential und Rapido OK glasklar hinter sich, ohne dass ihr Standardfahrer Dennis Spangenberg („Das beste Pferd, das ich je in Händen hatte!“) auch nur einmal die Hand aufmachen musste. Pippa Barosso, ihre Bezwingerin im Blauen Band der Stuten, ist bereits in Frankreich stationiert - man muss kein sonderlich guter Prophet sein, um der wie aus dem Ei gepellt daherkommenden Ganymède-Tochter in Kürze ein ähnliches Arbeitsumfeld vorherzusagen.

Überhaupt war es ein lohnender Nachmittag für das Team um Thorsten Tietz. Der Bronzehelm selbst überfiel mit Florana G ein ambitioniertes Feld aus hinterer Position und holte sich den Derby-Cup der Vierjährigen in verblüffend leichtem Stil, womit die Berliner Stute das halbe Siegdutzend in diesem Jahr in „nur“1:13,3 komplettierte.

Zum Auftakt hatte Tietz’ Lebensgefährtin Sarah Kube das einzige Amateurfahren der Matinee mit Dimitri W Eden dominiert, und auch Mighty Hanover war im Treffen des Fahrernachwuchses mit seinem „Mädchen für alles“ Liza Maria Marlow überlegene Ware - zum siebenten Mal in dieser seiner ersten Saison.

Zwei Siege heftete Ex-Weltrekordler Heinz Wewering an seine reich geschmückte Fahne: Die ihm anvertraute Venise des Lucas war die einzige, mit der im Rennen der Franzosentraber richtig Staat zu machen war - folgerichtig rannte sie die Konkurrenz in Grund und Boden und gewann mit 40 Metern Vorsprung. Dichter dran blieb die Konkurrenz an Rainbow Diamant, der sich mit Dimitri W Eden bei 11:10 den Titel als Tipp des Tages teilte und seine vielen Anhänger nicht enttäuschte.

Weil mit Neuland und Maik Esper ein weiteres Berliner Gespann als Erstes den Pfosten kreuzte, blieb für die „Auswärtigen“ lediglich noch eine Siegerschleife übrig, die sich „Geheimfavorit“ Enzo Newport und Jesse ter Borgh im letzten Rennen abholten.

Umsatz bei 10 Rennen: 160.117,44 Euro (incl. 93.126,94 Euro Außenumsatz)