Derby-Bahn Berlin-Mariendorf 2012: Mit Lapoz geht die Post ab

 

 

Derby-Bahn Berlin-Mariendorf 2012:

Mit Lapoz geht die Post ab

 

Thomas Heinzig steuert Ulrike Fiedlers Wallach zur 15,2-Tagesbestzeit.
Love Times und Thorsten Tietz beeindrucken ebenfalls mit einer glänzenden Leistung

 

Am Tag der Mariendorfer Championatsehrung hätte man sich besseres Wetter gewünscht: Anhaltender Regen überzog die gesamte, zehn Rennen umfassende PMU-Veranstaltung. Die Titelträger ließen sich dennoch nicht die gute Laune trüben. Heinz Wewering (erfolgreichster Berufsfahrer), Roman Matzky (siegreichster Trainer) und Sarah Kube (Amateurmeisterin) nahmen die verdienten Ehrenpreise entgegen. Nur der Besitzer- und Züchterchampion Ulrich Mommert, für den sein langjähriger Freund Frank Schmidt in die Bresche sprang, war krankheitsbedingt verhindert. Und natürlich wurde auch das beste Pferd prämiert: Meringo Star präsentierte sich mit seinen Besitzern Daniel und Nicole Goehrke als Mariendorfer Traber des Jahres.

Der Seriensieger musste gute anderthalb Stunden später auch auf der Rennpiste ran, landete aber – wie schon im Vorfeld von Goehrke befürchtet – gegen eine erlesene Konkurrenz diesmal nur auf dem vierten Rang. Der Erfolg ging stattdessen an die bei 63:10 notierte Love Times, die mit Thorsten Tietz in 15,8/1.900m mächtig schnell unterwegs war. Und das sogar nach einem alles andere als günstigen Verlauf. Thorsten Tietz: „Es kam mal wieder ganz anders als geplant – aber Love Times hat heute bewiesen, was für ein Klassepferd sie ist!“ Die Stute stürmte die gesamte Schlussrunde durch die Angriffsspur und löste sich im Einlauf völlig überlegen mit dreieinhalb Längen Vorsprung von dem vergeblich nachsetzenden Salut (Roland Hülskath).

Diese Leistung war absolut top, doch Lapoz und Thomas Heinzig hatten ein Rennen zuvor bereits kräftig einen draufgesetzt. Das Gespann trommelte die Tagesbestzeit von 15,2/1.900m auf die regendurchweichte Piste. Einen Kilometerschnitt, den man angesichts der widrigen äußeren Bedingungen gar nicht hoch genug werten kann. Auch hier galt: Keine Angst vor der Todesspur! Der Wallach, der in seiner alten Heimat Schweden nur ein einziges Rennen – nämlich am 17. Januar 2008 in Aby in der Hand von Börje Johansson – gewinnen konnte, ist unter der Regie seiner neuen Besitzerin und Trainerin Ulrike Fiedler und ihres Lebensgefährten Günter Jilg geradezu aufgeblüht. Das im Märkischen Oderland lebende Paar scheint mit dem Traber alles goldrichtig zu machen. Obwohl er auf der gesamten Strecke nicht ein einziges Mal die Innenkante sah, ließ der am Toto mit einer Quote von 125:10 sträflich unterschätzte Lapoz den ebenfalls bravourös agierenden Gegnern Zatopek Dragon (Caroline Aalbers) und Johnny be good (Gerd Biendl) keine Chance.

Wie angesichts der lukrativen Renndotationen auch nicht anders zu erwarten war, sahen die Mariendorfer Zuschauer während der gesamten PMU-Veranstaltung hochklassigen Sport. Den Auftakt machte Kay Ray Mo (18:10). „Der Hengst ist ein sehr gut veranlagtes Pferd“, konstatierte Siegfahrer Heinz Wewering und diese Worte waren eher eine Untertreibung. Denn die Art und Weise, wie der Vierjährige seine Aufgabe gegen dreizehn Konkurrenten löste, war mehr als nur souverän. Kay Ray Mo preschte im Schlussbogen an die Spitze und löste sich auf der Zielgeraden spielerisch. Ganz erstaunlich die Quote der Dreierwette: Mit Höwings Orpheus Z (Roland Anders) und Love Story HH (Daniel Wagner) auf den Plätzen zahlte der richtige Tipp trotz des heißen Favoriten stolze 7.688:10.

Schon kurz darauf ging es für Heinz Wewering mit dem nächsten Treffer weiter. Der Hengst Mister PK (27:10) wurde seinem exzellenten Ruf in 17,0/1.900m mit einer ausgezeichneten läuferischen Vorstellung gerecht. Denn er schlug nicht nur bärenstarke Gegner wie Alquin Elegance (Josef Sparber), der vor den Tribünen das Kommando übernommen hatte und in der Endabrechnung hinter dem schlussstarken King of Swing (Thomas Heinzig) den dritten Platz belegte. Sondern Mister PK trotzte auch dem harten Rennverlauf in zweiter Spur. Heinz Wewering: „Das haben wir uns natürlich nicht freiwillig ausgesucht – aber uns blieb vom Startplatz elf aus nichts anderes übrig. Mister PK war in jeder Phase überzeugend. Im letzten Bogen hatte ich bereits ein sehr gutes Gefühl.“

 

Neben Wewering war Gerhard Biendl der zweite Doppelsieger. Der bayrische Spitzenprofi punktete zunächst mit Veneziano (56:10), dem er einen Traumverlauf als zweites Pferd an der Innenkante servierte. Biendl hatte den Sechsjährigen gleich hinter den Piloten Defiant Dancer (Heiner Christiansen) gesteuert, der noch dreihundert Meter vor dem Ziel wie der sichere Sieger aussah, im Finish aber nichts mehr zu verkaufen hatte und nur Rang fünf belegte. Eine viel zu hohe Quote von 23:10 gab es wenig später für Gerd Biendls zweites Siegpferd Makemefamous MS, die im Vorfeld als unverlierbar galt. „Eigentlich spricht nichts gegen einen Erfolg“, hatte der gewiss nicht für vollmundige Versprechungen bekannte Münchner seinen Optimismus vor dem Rennen ausgedrückt und Makemefamous MS machte tatsächlich mit ihren Gegnern kurzen Prozess. Auf dem ersten Kilometer ließ sich Biendl noch Zeit, aber Mitte der Gegenseite rückte die Vierjährige, die mit E.T. Diamant (143.112 Euro Gewinnsumme) und Fotoboy Diamant (159.081 Euro) überaus prominente Brüder hat, im Rush zur Spitze auf. Der Rest des Rennens war für die Fuchsstute nur noch eine Pflichtaufgabe.

Und hier die weiteren Sieger: Hej Garvinsson (17:10) übernahm im ersten Bogen die Führung und ließ hernach nichts mehr anbrennen. Ihr Fahrer und Trainer Herbert Strobl: „Es lief diesmal nicht alles rund für mich und meine Pferde – aber die feine Leistung von Hej Garvinsson ist ein versöhnlicher Abschluss unseres Berlin-Ausflugs.“ Herana (34:10) wurde bei ihrer ersten Fahrt mit Werner Schnieder auf den letzten fünfhundert Metern immer stärker und verwies die tapfer gegenhaltende Love Story (Sarah Kube) mit zwei Längen Vorsprung auf den Ehrenplatz. „Aber ich bin doch auch gut gezogen!“, scherzte der routinierte Amateurfahrer bei der anschließenden Siegerehrung über die Tatsache, dass Herana mit Marianne’s Diamant (231.594 Euro Gewinnsumme) einen sehr berühmten Bruder hat.

Alana Boy (65:10) lag eine knappe Runde lang als siebentes Pferd an der Innenkante. Auf der Gegenseite steuerte Wladimir Gening seinen Schützling nach außen, doch der finale Angriff erfolgte erst auf der Zielgeraden. Sehr zur Freude seiner Besitzerin Maria Meyer erwischte der Wallach die Gegnerin Vicky di Jesolo (Roland Hülskath) mit dem letzten Schritt: „Wir haben Alana Boy in den vergangenen Monaten viel Ruhe gegeben und das scheint sich jetzt auszuzahlen.“ Der Riesenaußenseiter Freeliner (398:10) kaufte seinen Konkurrenten mit einer entschlossenen Attacke Ende der Gegenseite den Schneid ab und seine Fahrerin Julia Ertel bewies einmal mehr, dass sie jederzeit für eine Überraschung gut ist. Bei der Siegerehrung gab sich die Sportlerin auf sympathische Art und Weise bescheiden: „Es mangelt mir noch an Routine und ich ärgere mich oft über die taktischen Fehler, die mir im Rennen unterlaufen.“ Ein ganz klares Understatement, denn Julia Ertel hat sich in den vergangenen Monaten durch viele couragierte und taktisch abgebrühte Fahrten ausgezeichnet. Es ist gar keine Frage, dass die Amazone ihren Weg machen wird.

 Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

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 Gesamtumsatz: 121.749,58 Euro – Bahnumsatz: 31.190,50 Euro – Außenumsatz: 90.559,08 Euro

 Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Donnerstag, dem 26. Januar statt. Achtung: Der Beginn ist bereits um 16.30 Uhr!