Derby-Bahn Berlin-Mariendorf 2012: Meringo Star schlägt den Derby-Sieger

 

 

Derby-Bahn Berlin-Mariendorf 2012:

Meringo Star schlägt den Derby-Sieger

 

Der Topfavorit Kaka verliert das Rennen schon am Start.
Rehabilitation für Sugar: Die Stute läuft Tagesbestzeit.
Rekordquote von 20.912:10 in der Zweierwette
 

Er fängt dort an, wo er aufgehört hatte: Meringo Star – gemeinsam mit Love Story Deutschlands siegreichster Traber der Saison 2011 – begann das neue Jahr mit einem großartigen Triumph. Daniel Goehrkes Stallcrack schlug niemand Geringeren als den österreichischen Derbysieger Kaka. Gerd Biendls Großverdiener, der am Amérique-Wochenende in Paris starten soll, überzeugte jedoch trotz der Niederlage mit einer feinen läuferischen Leistung.

Den Sieg hatte Kaka bereits auf den ersten Metern verschenkt. Während Meringo Star aus dem ersten Band heraus überraschend schnell auf die Beine fand und sogar die Führung übernahm, kam der mit Zulage bedachte Österreicher in dieser Phase überhaupt nicht auf Touren. Als Love Times (Thorsten Tietz) vor den Tribünen aufmarschierte und an Meringo Star vorbei die Tempoarbeit machte, war von Kaka noch überhaupt nichts zu sehen. Erst eine halbe Runde vor dem Ziel, als Daniel Goehrke seinen Schützling schon längst wieder in die zweite Spur genommen hatte und mächtigen Druck auf Love Times ausübte, kam Kaka etwas besser ins Bild.

Eingangs der Zielgeraden hatte der bei 57:10 notierte Meringo Star den Widerstand von Love Times endgültig gebrochen. Der Wallach ging in 16,9/2.000m einem ungefährdeten Sieg entgegen und es ist wirklich großartig, in welcher Form er sich trotz seiner anspruchsvollen zurückliegenden Rennsaison weiterhin bewegt. Im Finish zeigte nun aber auch Kaka, was er wirklich kann: Der 13:10-Topfavorit flog wie ein Pfeil an den Gegnern vorbei und belegte eine Länge hinter Meringo Star den zweiten Rang. Trotz des verpassten Erfolges war die Generalprobe für Frankreich also durchaus zufriedenstellend. Die weiteren Gelder gingen an Hamiro Sebarg (Daniel Wagner) und Adios Amor (Michael Nimczyk), der überraschend deutlich geschlagenen Love Times blieb nur der fünfte Platz.

Das Hauptereignis konnte Gerd Biendl also nicht gewinnen, dafür trumpfte der bayrische Spitzentrainer aber mit zwei anderen Pferden groß auf. Zunächst mit der Stute Makemefamous MS (19:10), die ein echtes Juwel ist. Bei ihrem ersten Berliner Auftritt fegte die Tochter der vorzüglichen Saskia Bisa (36 Siege und 160.309 Euro Gewinnsumme) wie ein Wirbelwind Start bis Ziel über ihre Gegner hinweg. Welch hohen Stellenwert die Stute im Umfeld besitzt, unterstreicht die Tatsache, dass die Besitzer Max und Andreas Schwarz in den vergangenen Wochen lukrative Kaufangebote ausgeschlagen haben. Der für seinen hohen Anspruch bekannte Gerd Biendl hielt den Ball nach dem souveränen Sieg dennoch flach: „Makemefamous MS ist zwar für das österreichische Derby genannt – allerdings ist der Weg bis dorthin weit und es wird für sie schwer, sich gegen die besten Hengste zu behaupten.“

Nur wenig später folgte dann Biendls zweiter Treffer: Johnny be good (22:10) trotzte einem Rennverlauf in zweiter Spur in überragender Manier. Der Love-You-Sohn hatte den Widerstand des bis in den Schlussbogen hinein führenden und am Ende restlos geschlagenen Grand Slam (Thorsten Tietz) im Rush gebrochen und ging im Einlauf mit acht Längen Vorsprung auf und davon. Der Siebenjährige erzielte für seine Münchner Besitzerin Liselotte Staudinger damit in seiner Rennlaufbahn bereits den zwölften Volltreffer. In 17,5/1.900m sprang für den Fuchs auf der vom Dauerregen durchweichten Piste obendrein ein mehr als ordentlicher Schnitt heraus. Nach einer klug eingeteilten Fahrt holte sich Ines Kubatzki, die ihrem Pferd jeden unnötigen Meter erspart hatte, mit dem 477:10-Außenseiter Höwings Okeanos Z das zweite Geld.      

Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte – das ist ein altbekanntes Sprichwort, doch es traf nicht für das PMU-Rennen der Gewinnsummenklasse bis 6.000 Euro zu. Im Gegenteil: Die beiden Streithähne Navarro SAS (Heinz Wewering) und Azarri Ass (Benjamin Hagen), die sich schon aus dem ersten Bogen heraus ein erbittertes Gefecht um die Spitze geliefert hatten, waren auch auf der Ziellinie vorne. Wobei der bei 26:10 gehandelte Navarro SAS in 18,1/1.900m sehr deutlich die Oberhand behielt. Heinz Wewering: „Der Dunkelbraune hatte in der abgelaufenen Saison mit einigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, aber sein Trainer Fred König hat alles sehr gut in den Griff bekommen.“ Neben Gerd Biendl wurde der Weltrekordler zum zweiten Doppelsieger der Veranstaltung. Denn Wewering führte auch den Wallach Mendic (16:10) zum Erfolg, mit dem er vor den Tribünen die Idealposition an vierter Stelle außen erobert hatte. 

Sugar (Daniel Wagner) oder Zatopek Dragon (Caroline Aalbers) – das war die Frage in der herausragend besetzten Gewinnsummenklasse bis 24.000 Euro. Mit einer Quote von 25:10 war die Sympathie des wettenden Publikums auf beide Pferde gleich verteilt. Mit dieser Einschätzung lagen die Zuschauer goldrichtig, denn die beiden Traber belegten tatsächlich die Plätze eins und zwei. Der Rennverlauf entwickelte sich allerdings klar zugunsten von Sugar, die an vierter Stelle außen alles perfekt vorfand und sich ausgangs des letzten Bogens in der Tagesbestzeit von 16,3/1.900m von ihren Gegnern absetzte. Die Stute korrigierte ihren kürzlichen Ausrutscher also umgehend. Zatopek Dragon dagegen wurde die für ihn äußerst undankbare Startnummer eins zum Verhängnis, denn der schwache Beginner musste im Anschluss außen um das ganze Feld herum. Die Schlussleistung des Hengstes war jedoch exquisit und seine Fahrerin Caroline Aalbers, die zuvor noch nie mit einem Pferd in Berlin gestartet war, fand sich auf der Derby-Bahn prächtig zurecht. 

Mit mächtiger Aufregung war das Viererwetten-Rennen verbunden. Romantika und Rolf Hafvenstöm hatte die Prüfung klar dominiert und die Siegerehrung war bereits durchgeführt worden. Doch das Gespann wurde nachträglich disqualifiziert, denn es hatte nach Ansicht der Stewards ausgangs der Startgeraden mehrere Teilnehmer behindert, wobei sogar erhebliche Sturzgefahr drohte. Für Rolf Hafvenström hatte das saftige Konsequenzen, denn der Schwede wurde mit einem elftägigen Fahrverbot bestraft. Der Sieg ging also nicht an Romantika, sondern an die krass unterschätzte 574:10-Außenseiterin Hainang (Christian Zimmermann), die aus dem Schlussbogen heraus mit viel Schwung herangestürmt war. Die nur knapp voneinander getrennten Valderrama (Thomas Buley) und Wishbone Dragon (Caroline Aalbers) belegten die Plätze zwei und drei. Obwohl Hainang und auch der zweitplatzierte Valderrama als frische Sieger angetreten waren, ließ dieses Ergebnis den Toto platzen: Der Kleine Einlauf zahlte rekordverdächtige 20.912:10 aus, die Viererwette war überhaupt nicht getroffen. 

Gleich in der anschließenden Prüfung ging der Mariendorfer Quotenzauber weiter, denn 84:10 bekommt man für ein Jahrgangspferd wie Britany, die in einem der Arthur-Knauer-Vorläufe 2011 immerhin Zweite war, nicht jeden Tag angeboten. Michael Nimczyk fackelte mit der seit kurzem von Katharina Merz trainierten Stute nicht lange und hielt und dirigierte die Dunkelbraune sofort an die Spitze. Die erste Runde verlief in ruhigem Tempo, doch im Schlussbogen kämpfte sich der 16:10-Favorit Butch (Christian Zimmermann) immer näher an die Pilotin heran. Doch als der Angreifer 250 Meter vor dem Ziel endgültig an ihrer Seite aufgetaucht war, präsentierte sich Britany sofort hellwach und legte entscheidend zu. Die Vierjährige verwies ihren Gegenspieler mit anderthalb Längen Vorsprung sogar sehr deutlich in die Schranken und man darf gespannt sein, wie sich Britany in den kommenden Wochen weiterentwickeln wird. 

Die 97:10-Siegquote von Figo Angel fiel ebenfalls übertrieben hoch aus, denn der fünfjährige Wallach hatte schon bei seinem letzten Start nach einem kapitalem Anfangsfehler eine riesige Aufholjagd auf die Piste getrommelt. Der Sieg lag diesmal also in der Luft und Figo Angels Fahrer Benjamin Hagen scheint sich mit dem für die Farben von Volker Riediger laufenden Traber ohnehin blind zu verstehen. Ein bisschen musste das Gespann dennoch um den Erfolg schwitzen – denn während des Rennens war Figo Angel an vierter Stelle innen bis weit in den letzten Bogen hinein eingesperrt. Als sich dann endlich die entscheidende Lücke auftat, präsentierte sich der Wallach prompt als andere Ware und zog mit fünf Längen Vorsprung auf und davon. 

Dass der Amateursport genauso spannend sein kann wie die Wettkämpfe der Profis, dokumentierte die abschließende Prüfung des PMU-Renntages. Hier kam es zum Duell von O’simoni (Michael Hamann) und Have no Times (Sarah Kube), das erst mit dem allerletzten Schritt entschieden wurde. Have no Times hatte noch Mitte der Zielgeraden mit deutlichem Vorsprung geführt und die bei 17:10 notierte O’simoni, die sich im Schlussbogen kräftig mit der von Jennifer Schmidt energisch vorgetragenen und am Ende mit dem dritten Rang belohnten 2.888:10-Außenseiterin Diamond Hallinck beharkt hatte, schien den Spieß nicht mehr umbiegen zu können. Doch Peter Simonis Stute wuchs auf den letzten dreihundert Metern einmal mehr über sich hinaus und erwischte die ebenfalls sehr überzeugende Kontrahentin genau auf der Linie. Ein toller Saisonauftakt für Michael Hamann, denn in seiner Hand bleibt  O’simoni nach vier gemeinsamen Starts weiterhin ungeschlagen.     

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 138.228,25 Euro – Bahnumsatz: 36.215,50 Euro – Außenumsatz: 102.012,75 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Donnerstag, 19. Januar statt. Neben den hochklassigen Rennen steht dann die Ehrung der Mariendorfer Champions im Mittelpunkt. Achtung: Der Beginn ist bereits um 16.30 Uhr!