Derby-Bahn Berlin-Mariendorf 2011: Light of Europ mit Sieg Nummer achtzehn

 

 

Derby-Bahn Berlin-Mariendorf 2011:

Light of Europ mit Sieg Nummer achtzehn

 

 

 

Gerd Biendl führt den Wallach zum Triumph im

hochdotierten Trial I des Weihnachts-Pokals

 

4.095 Siege im Sulky und eine fahrerische Gewinnbilanz von 16,1 Millionen Euro – so lautet Gerd Biendls beeindruckende Erfolgsbilanz. Am Sonntag fügte der 54-jährige Profi seiner persönlichen Statistik einen weiteren wichtigen Punkt hinzu und gewann den mit 10.000 Euro dotierten Trial I des Weihnachts-Pokals mit dem Wallach Light of Europ.

Für Thomas Kestel, den Besitzer des Trabers, wurde es schon weit vor dem Start des Mariendorfer Rennens mächtig spannend. „Das war eine anstrengende Woche für mich und meine Frau“, schmunzelt der im gut dreißig Kilometer von München entfernten Massenhausen lebende Züchter. Der Hintergrund: Kestel hatte wenige Tage vor dem Weihnachts-Pokal-Trial ein überaus lukratives Kaufangebot für Light of Europ erhalten. „Es war gar nicht so einfach, der Offerte zu widerstehen und ich hatte einige schlaflose Nächte – doch ich bin froh, dass ich mich gegen den Verkauf entschieden habe!“

An Light of Europ wird der Oberbayer noch sehr viel Freude haben. Denn der sechsjährige Wallach ist das, was man im Rennsport gerne als „Vollbomber“ bezeichnet. Den Mariendorfer Trial, die Vorprüfung für das am Zweiten Weihnachtsfeiertag in Daglfing stattfindende Finale des Gruppe III-Rennens um 30.000 Euro Preisgeld, gewann Light of Europ völlig souverän in 18,2/2.500m mit zwei Längen Vorsprung. Das war bereits der 18. Sieg seiner Vierbeinerlaufbahn, die bisher 34 Starts umfasst. Ein Pferd, das sein Trainer Gerd Biendl nur ungerne aus der Hand lässt: Lediglich bei sechs von Light of Europs Einsätzen saß der Topprofi nicht selber im Sulky.

Der Weg zum Erfolg war am Sonntag dennoch steinig, denn der erste Startversuch des Trials musste nach einer halben Runde abgebrochen werden. Die von Benjamin Hagen gesteuerte Stute Lincolns Sarah, die zu diesem Zeitpunkt bereits disqualifiziert war, hatte sich verpullt und war ohne Fremdeinwirkung zu Fall gekommen. Das Pferd und sein Fahrer überstanden diesen Vorfall gottseidank ohne Schaden und nach einer kurzen Verzögerung ging das nun nur noch aus sechs Teilnehmern bestehende Feld erneut auf die Reise. Ein „Sechserpack“, das im Anschluss keine Langeweile aufkommen ließ und mit einem überaus abwechslungsreichen Rennverlauf für jede Menge Action sorgte.

Wie schon beim ersten Anlauf erwischte der bei 38:10 notierte German Pride (Matthias Schambeck) den besten Start. Dahinter kam auch Light of Europ (16:10), gleich auf Touren. Roccano (Heinz Wewering) vor Hemingway Mo (Birte Stamp) innen und Zuccero (Daniel Wagner) außen lautete die weitere Reihenfolge. Das Schlusslicht bildete der vor dem Rennen in den Besitz der Berlinerin Annika Schmidt gewechselte und von Michael Nimczyk gesteuerte Lucky Moor, der sich nur wenig später entscheidend für die neuen Farben auszeichnete.

Schon im ersten Bogen kam mächtig Bewegung in die Partie. Zuccero überraschte seine Konkurrenten mit einem schnellen Vorstoß und setzte sich an die Spitze. Nur Sekunden danach konterten German Pride und Light of Europ umgehend und ausgangs der ersten Gegenseite war die ursprüngliche Reihenfolge beinahe wiederhergestellt. German Pride führte nun vor Zuccero und Light of Europ. Doch es ging ohne größere Atempause weiter – denn jetzt trat Lucky Moor auf den Plan und stürmte an die Flanke des Piloten. German Pride nahm die Attacke an und eine Runde vor dem Ziel orientierte sich Lucky Moor hinter dem Führenden an die Innenkante. Für Gerd Biendl und Light of Europ das entscheidende Zeichen, nun selber in die Offensive zu gehen.

Nachdem sich das Feld also mehrfach umsortiert hatte, lautete die Konstellation auf der Schlusshalben erneut German Pride innen vor Light of Europ außen. Doch nur einer von Beiden hatte noch etwas zu verkaufen: Während Light of Europ mit jedem Schritt stärker wurde, war German Pride mit Erreichen des Einlaufs restlos geschlagen. Light of Europ setzte sich sofort entscheidend ab und auch der tapfer nachsetzende Lucky Moor konnte den Spieß nicht mehr umbiegen. Schon sehr deutlich – nämlich sieben Längen zurück – belegte Zuccero den dritten Rang. Der Wallach hatte seine zunächst gute Position unterwegs entscheidend verloren. Roccano und Hemingway Mo sammelten die kleineren Gelder ein ohne entscheidende Akzente zu setzen. German Pride endete abgeschlagen.

Nicht nur das Mariendorfer Hauptrennen verlief spannend: Aus dem Rahmenprogramm stachen vor allem zwei Prüfungen für gewinnreiche Pferde hervor. Dass ihr Sieg mit Roland Hülskath in der Breeders-Crown-Entlastung kein Zufall gewesen war, bewies die diesmal von Thorsten Tietz gesteuerte Love Times mit einem hochüberlegenen Erfolg auf der 2.500m-Strecke. Besonders beeindruckend: In der Kilometerzeit von 1:16,0 min. gelang der Stute die Tagesbestzeit. Die Tochter der ausgezeichneten Golden Times (67.096 Euro Gewinnsumme) war eine gute Runde vor dem Ziel in Front gezogen und ließ Hamiro Sebarg (Daniel Wagner) und Zovilja (Seth Ronland) abblitzen. Gleich im Anschluss an diese Prüfung kam King of Swing (50:10) mit Thomas Heinzig zu einem glücklichen, aber verdienten Erfolg. Der Star des Rennstalls Gottschalk war zunächst an der Innenkante eingesperrt. Als dann aber nacheinander Starello (Heinz Wewering) und Gaius R.A. (Michael Nimczyk) von den Beinen gerieten, war der Weg für King of Swing frei.

Heinz Wewering glänzte mit zwei Tagessiegen, die er beide mit von Edelbert Ohmer trainierten Pferden erzielte. Für den 11:10-Topfavoriten Utopiste du Manoir, der noch vor Erreichen des ersten Bogens in Front gestürmt war, ähnelte der erste Karrieresieg eher einem lockeren Herbstspaziergang. Ganz anders sah es beim Erfolg von Tambelle Bleue aus, der wohl nur der großen Erfahrung und Cleverness des 29-maligen Deutschen Meisters zu verdanken war. Denn Wewering schaukelte die Stute, die ständig auseinanderzufallen drohte, gerade noch so mit Ach und Krach vor den Verfolgern über die Ziellinie.

Auch die frisch aus dem Karibik-Urlaub zurückgekehrte Sarah Kube landete einen Doppeltreffer und hat mit diesen beiden Zählern vielleicht schon entscheidend die Weichen für das Mariendorfer und für das bundesdeutsche Amateurchampionat gestellt. Im Sulky von Grand Slam saß die Amazone das erste Mal und verstand sich mit dem Wallach auf Anhieb blendend. Der Nachkomme der in Berlin noch bestens bekannten Stute Gravität deklassierte seine Konkurrenten Start bis Ziel. Ganz anders gestaltete sich der Rennverlauf für Sarah Kubes zweite Siegerin Voulez Vous Corner, die das Feld aufgrund ihrer Zulage von hinten aufrollen musste und den schon im Vorteil befindlichen Super Neil (Steffen Schulz) noch kurz vor der Linie abfing.

Die übrigen Sieger: Glatte 100:10 betrug die Quote von El Rappido, der von Michael Nimczyk meisterlich vorgetragen wurde. Der Bronzehelm versteckte seinen Außenseiter an zweiter Position innen und war auf den entscheidenden Metern dann goldrichtig mit dem Fünfjährigen zur Stelle. Daniel Wagners in Familienbesitz befindlicher Wallach Janus (18:10) musste einem völlig anderen Rennverlauf trotzen, steckte die weiten Wege in der Außenspur dennoch gut weg. Geradezu sensationell war die Leistung von Lord of Magic (Heiner Christiansen), der auf der Gegenseite am gesamten Feld vorbei flog und am Toto stolze 219:10 zahlte. Gleich danach durfte sich sein Besitzer Ulrich Mommert über den nächsten Sieg seines Rennstalls freuen, denn die grob unterschätzte Darling (120:10) verkniff sich mit Karin Walter-Mommert bei der ersten gemeinsamen Fahrt jeglichen Fehler und war außen herum eine Macht.

 

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz:  117.514,48 Euro – Bahnumsatz:  33.247,00 Euro – Außenumsatz: 84.267,48 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 4. Dezember ab 13.30 Uhr statt.