Der Renntag in Mariendorf: Neue Berliner Hoffnungen am Derby-Horizont

 

Maik Esper präsentiert erstklassige Dreijährige und gewinnt mit Brasco und Sarently As beide B-Trials des Adbell-Toddington-Rennens. Im Rahmenprogramm gelingen dem Profi noch zwei weitere Treffer. Als Trainer zeichnet Esper zudem für den Triumph von Andrew Dragon und Werner Schnieder im Heinz-Mohr-Memorial verantwortlich. Daniel Wagner und Thorsten agieren ebenfalls in bärenstarker Form.

Mariendorf, 27. April 2014.

Es war die große Stunde des Maik Esper. Der Profi gestaltete den Renntag zu einem einzigartigen Erfolgsfestival. Vier eigenhändig herausgefahrene Siege und dazu ein weiterer Big Point als Trainer lautete am Ende die persönliche Bilanz. Espers Team beherrschte sämtliche sportliche Highlights des Nachmittags – sowohl beide B-Trials des Adbell-Toddington-Rennens als auch das renommierte Heinz-Mohr-Memorial. Und was das Schönste an der Sache ist: Die Mariendorfer Traberfans werden in den kommenden Wochen mächtig mitfiebern, ob diese Erfolgsstory weiter geht. Denn wenn sich die beiden Dreijährigen, die Esper am Sonntag siegreich in den Derby-Vorprüfungen präsentierte, weiterhin so prächtig entwickeln, dann haben ihre Berliner Besitzer Dirk Schüller und Sven Block (Stall Living Dream) sowie Siegfried Hahn (Stall Högon) heiße Eisen beim Kampf um das Blaue Band im Feuer. Espers Lebensgefährtin Joana Klein zog nach der Triumphgala das passende Resümee: „Maik hat sich seit langem auf die jungen Pferde konzentriert und seinen ganzen Arbeitsfleiß in ihre Entwicklung gesteckt – ich glaube, das zahlt sich nun aus!“

Der Hengst Brasco und die Stute Sarently As: Das sind die Namen der neuen Esper-Stars. Brasco trommelte bei seinem Trial-Erfolg stolze 15,4/1.900m auf die Derby-Piste und seine Trainingsgefährtin war bei ihrem siegreichen Karrieredebüt im Stutenlauf in beachtlichen 16,9/1.900m unterwegs. Nur der Vorsprung auf die Gegner fiel unterschiedlich aus: Während Brasco, der eine Runde vor dem Ziel in die Außenspur gewechselt war und Ende des Schlussbogens für einen kurzen Moment auszubrechen drohte, auf den letzten zweihundert Metern wieder mächtig Fuß fasste und drei Längen Vorsprung auf den ebenfalls von Esper trainierten Latino Glass (Andrea Lombardo) herauslief, gab sich Sarently As, die eine Runde lang an zweiter Stelle innen gelegen hatte und kurz vor der letzten Kurve zum Angriff geführt wurde, mit dem Vorteil einer halben Länge gegen ihre ebenfalls überzeugende Konkurrentin Amira Noir (Thorsten Tietz) zufrieden. Beide Leistungen waren jedenfalls ein Wechsel auf die Zukunft. Der bereits zweijährig im Auktionsrennen gestartete Brasco muss noch fester werden, besitzt aber die Geschwindigkeit eines Düsenjets. Und die mit Gently Way (88.987 Euro Gewinnsumme) verwandte Sarently As hätte bei ihrem Erstauftritt kaum besser agieren können.

Im Rahmenprogramm gelangen Maik Esper noch zwei weitere Fahrersiege. „Er ist nicht immer ganz einfach zu regulieren und auch nicht auf einen Ruck schnell zu machen. Deswegen sind wir gleich nach vorne gegangen, um das Tempo selber einteilen zu können“, erläuterte der 41-Jährige die Taktik nach seinem Erfolg mit Dancer Dragon. Der Hengst spulte das Pensum aus der Führungsposition heraus problemlos herunter und wies auch den Schlussangriff von Uldimeo (Peter Kwiet) souverän ab. Nahezu identisch verlief das Rennen bei Espers viertem Treffer: Die Debütantin Sex and the City fackelte nicht lange und rannte die Konkurrenten von der Spitze aus in Grund und Boden. „Die Stute wird jetzt zwei oder drei Rennen in Berlin bestreiten und dann werde ich entscheiden, ob ich sie in die Obhut von Holger Ehlert übergebe“, erklärte Maik Esper die Planung für die in seinen eigenen Farben laufende Italienerin.

Vier eigenhändig herausgefahrene Siege an einem Tag sind ohnehin schon ein großer Wurf – aber das Esper-Festival wurde zudem noch durch den Triumph des von ihm trainierten und von Werner Schnieder gelenkten Wallachs Andrew Dragon beim Heinz-Mohr-Memorial 2014 gekrönt. Das Rennen entwickelte sich zu einem Duell zweier Pferde. Während der bei 19:10 gehandelte Favorit Jag Junior (Dr. Marie Lindinger) seine Doppelzulage nie wettmachen konnte und einmal mehr völlig unter seinen Möglichkeiten blieb, gab Mariendorfs Amateurchampion Werner Schnieder mit Andrew Dragon von der 2.526-Meter-Grundmarke aus von der ersten Sekunde an Gas. Lediglich der von Claudia Westphal gekonnt vorgetragene New Generation konnte dem Piloten folgen. Auf der Zielgeraden trat der Widersacher aus Andrew Dragons Schatten heraus – doch obwohl New Generation seinen gefürchteten Speed vehement in die Waagschale warf, konnte der Braune den Spieß gegen den in 1:15,9 min. auftrumpfenden und optimal unterstützten Kontrahenten nicht mehr umbiegen. „Eigentlich wollte ich gar nicht so ein flottes Tempo vorlegen“, erklärte Werner Schnieder im Anschluss bei der von der gesamten Familie Mohr und dem VDT-Vorstand begleiteten Siegerehrung. „Aber Andrew Dragon hat sich mächtig ins Zeug gelegt und ich habe ihm seinen Willen gelassen.“ Für Schnieder war es nach seinem Erfolg mit Kandahar Lobell (2003) bereits der zweite Memorial-Triumph.

Trotz der erdrückenden Dominanz der Esper-Pferde blieb aber auch für andere Sulkysportler genügend Raum, um sich überzeugend in Szene zu setzen. Daniel Wagner glänzte mit einem Dreierschlag. „Er hat in den letzten Monaten soviel Pech gehabt – aber heute hat er es allen gezeigt“, strahlten Angelika Jost-Schick und ihr Lebensgefährte Michael Schreiber nach Wagners Auftakt-Sieg mit dem Hengst Apollon. Der von der Körperstatur her sehr kleine Traber bewies einmal mehr sein riesiges Kämpferherz und setzte sich – obwohl er die Schlusshalbe in dritter Spur bestreiten musste – souverän mit einer Länge Vorsprung durch. Bei Daniel Wagners zweitem Tageserfolg – diesmal im Sulky von Medusa und ebenfalls für die Aleo-Farben – entwickelte sich das Geschehen genau anders herum: Die Stute ging schon früh nach vorne und zog das Tempo konsequent bis zum Zielpfosten durch. Nach genau dem gleichen Strickmuster gelang auch Wagners dritter Treffer: Bernhard Schuchs Poison Spin war von der Spitze aus eine Macht und verabschiedete sich im Einlauf unter Rekordverbesserung auf 15,0/1.900m in überlegener Manier von Romanelli (Kay Werner), der sich mit zwei Zehntelsekunden Rückstand ebenfalls großartig verkaufte.

Fünfmal Team Esper, dreimal Team Wagner – da wollte auch Thorsten Tietz nicht tatenlos zuschauen. Der Berliner Berufsfahrer-Champion landete einen Doppeltreffer und verdankte dabei einen seiner beiden Punkte einem Traber, der derzeit besser als jemals zuvor ist. Obwohl Harry’s Bar beim Kampf um die Führung auf der ersten halben Runde eine ganze Menge tun musste, gab der Wallach das auf der Tribünengerade eroberte Kommando bis zum Zielpfosten nicht mehr ab. Die Tagesbestzeit von 14,6/1.900m sagt eigentlich alles: Der auf einem Auge blinde Sechsjährige ist eine Klasse für sich. „Das liegt vor allem an einem Menschen: An seiner Pflegerin Liza Marlow, die wirklich alles für ihn tut und eine unheimliche Ruhe und Geborgenheit auf unseren Braunen ausstrahlt“, verpasste Harry’s Bars Besitzer Klaus Gührs der 23-jährigen Berlinerin im Anschluss ein ganz dickes Lob. Nur wenig später ging Thorsten Tietz dann erneut auf die Siegerparade. Nach einem Rennverlauf in der Idealposition an vierter Stelle außen fing der Silberhelm mit Vicky Corner die bereits enteilte Karisma Diamant (Klaus Daust) in 15,5/1.900m ein.    

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 92.202,19 Euro – Bahnumsatz: 41.760,20 Euro – Außenumsatz:   50.441,99 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 4. Mai statt. Im sportlichen Mittelpunkt stehen der Trial II des Adbell-Toddington-Rennens und der Trial I des NRZ-Pokals.