Der Renntag in Mariendorf: Michael Nimczyk weiterhin auf der Erfolgswelle

 

Der Goldhelm erzielt zwei Siege für die Farben der Familie Mommert und einen Treffer für den Stall von Peter Sieburg. Auch Thorsten Tietz erwischt einen guten Lauf und punktet doppelt. Carola Reckzeh formt ihre Stute Karisma Diamant immer mehr zum Publikumsliebling.

Mariendorf, 9. März 2014.

Ein wunderschöner Frühlingstag mit tollem Sport: Der gut besuchte Nachmittag auf der Derby-Bahn stellte den Veranstalter vom Umsatzergebnis her sehr zufrieden. Die V5-Wette wurde vom Publikum gut angenommen und auch das Experiment, die Dreier- und die Viererwette gemeinsam in einem Rennen auszuspielen, darf man als sehr gelungen bezeichnen. Überschattet wurde der Sonntag allerdings von einer Nachricht, die sich schnell unter den Aktiven herumsprach und nun leider offiziell bestätigt ist: Der Berliner Trabrenntrainer Günter Kühl ist tot. Das Mariendorfer Urgestein verstarb im Alter von 68 Jahren. Im Lauf seiner langen beruflichen Karriere hatte Günter Kühl insgesamt 416 Siege im Sulky erzielt.

Die auffälligsten Akzente des Mariendorfer Renntags setzte natürlich – wie könnte es auch anders sein – der amtierende Deutsche Meister Michael Nimczyk, dem ein beeindruckender Dreierschlag gelang. Den Treffer Nummer eins erzielte der 27-Jährige gleich in der ersten Tagesprüfung mit der Stute Tallyhoo Mo, die sich für die Farben von Ulrich Mommert und seiner Frau Karin Start bis Ziel durchsetzte und die einzige ernsthafte Kontrahentin Söte Popp (Roland Anders) nicht heranließ. Die Fünfjährige, deren Mutter Tornadina mit Twilight Mo und Taylor Mo bereits weitere gutklassige Produkte gebracht hatte, legte ihre Maidenschaft auf Anhieb in 18,6/1.900m ab.

 

Weitaus schneller, nämlich in der Tagesbestzeit von 15,5/1.900m, war der Goldhelm dann – ebenfalls für den Stall Mommert – direkt im Anschluss unterwegs. Der Sieg von Andersson Mo glich obendrein einer regelrechten Demonstration. Der Fuchshengst, der auch von seinem Exterieur her einen geradezu majestätischen Eindruck hinterlässt, fegte vor den Tribünen wie ein Wirbelwind über seine Gegner hinweg und degradierte seine Konkurrenten im weiteren Verlauf zu Statisten. Vier Längen dahinter holte sich ausgerechnet einer der längsten Außenseiter – nämlich der von Julia Ertel punktgenau eingesetzte und am Toto bei 274:10 gehandelte Wallach Hadol – das zweite Geld.

 

Über Nimczyks dritten Tagestreffer freute sich naturgemäß vor allem der passionierte Pferdebesitzer Peter Sieburg, der allen Grund hatte, auf die Leistung seines Hengstes Zatopek Boshoeve stolz zu sein. Der überaus verlässliche und stets konstante Achtjährige, der allerdings auch von der Startgaloppade und der anschließenden Disqualifikation des Topfavoriten Abano Boy (Heinz Wewering) profitierte, lag auf den ersten beiden Kilometern an dritter Position auf der Lauer, ging im letzten Bogen in die dritte Spur und zog im Einlauf in 16,6/2.520m überlegen auf und davon.

 

Nimczyks Mariendorfer Gastspiel hatte sich also gelohnt. In der Gewinnsummenklasse bis 1.750 Euro musste der Willicher im Sulky der zweitplazierten Melody PS jedoch einem seiner Gegner den Vortritt lassen: Heinz Wewering führte mit Miss Dior von der Startstelle weg die Regie und zog im Anschluss bei der Siegerehrung das folgende Fazit: „Es war heute ein sehr leichter Erfolg. Miss Dior besitzt sehr gutes Laufvermögen, aber sie ist dennoch kein einfaches Pferd. Die Braune ist noch sehr nervös und lässt sich durch viele Dinge irritieren. Wir müssen also in erster Linie weiterhin an ihrer Stabilität arbeiten.“

 

In genau dem gleichen Offensivstil wie Miss Dior trumpfte Trible Laser auf. Der Wallach, der erst zwei Tage zuvor in der Wuhlheide gepunktet hatte, stieß sofort nach vorne und seine Fahrerin Claudia Westphal, die zuvor noch nie die Leinen des Dunkelbraunen in die Hand genommen hatte, bereitete sich ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Denn die seit Monaten in starker Form agierende Amazone war am Samstag 23 Jahre alt geworden und freute sich: „Ich kannte Trible Laser bisher ja nur vom Zuschauen und es hat wirklich toll geklappt. Thorsten Tietz hatte mir im Vorfeld einige Ratschläge gegeben und wir konnten alles problemlos umsetzen. Ich möchte mich außerdem herzlich beim Besitzer Gerhard Kulik für das Vertrauen bedanken.“

 

Thorsten Tietz hatte der Amateurfahrerin aber nicht nur die richtigen taktischen Hinweise gegeben, sondern er ging auch selber zweimal mit seinen Trabern auf die Ehrenrunde. Vicky Corner marschierte vor den Tribünen weit außen auf und zog dann zu Beginn der Gegenseite endgültig nach vorne. Obwohl der Silberhelm seinem Pferd gerne einen geschonteren Verlauf serviert hätte, absolvierte die Vierjährige das Pensum überaus konsequent und billigte ihrem Konkurrenten Rock of Gibraltar (Andrea Lombardo ), der im Einlauf noch schnell wurde, keine ernsthafte Angriffschance zu. Fast ein wenig überrascht war Thorsten Tietz dann wenig später über seinen zweiten Tageserfolg mit Anthony Boko: „Im Vorfeld hatte ich dem Wallach lediglich eine Plazierung ausgerechnet.“ Doch es lief einfach optimal: Anthony Boko bekam sofort die Führung, die er bis zur Ziellinie nicht mehr abgab.

 

Ein schneller Antritt und ein trockener Zwischenspurt – das war das Erfolgsmotto beim Sieg von Carola Reckzeh und Karisma Diamant. Nach einem flotten Start gab das Gespann die Führung auf der ersten dreiviertel Runde zwar an den in der Endabrechnung nur fünftplazierten Leonardo (Sabine Koza) ab. Doch gleich zu Beginn der Gegenseite gab Carola Reckzeh ihrer Stute das entscheidende Zeichen und Karisma Diamant ging auf und davon. In der exzellenten Kilometerzeit von 1:16,4/1.900m wurden ihre Schritte immer länger und auch der fein spurtende und zusätzlich durch einen Radschaden gehandicapte Faustus (Claudia Westphal) kam nur noch bis auf zweieinhalb Längen an die Siegerin heran. Keine Frage – Karisma Diamant, die zu Beginn ihrer Rennkarriere alles andere als eine „Überfliegerin“ war, läuft aktuell in der Form ihres Lebens und hat mit ihren famosen Leistungen die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 84.447,55 Euro – Bahnumsatz: 30.708,70 Euro – Außenumsatz: 53.738,85 Euro

Die nächste Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Dienstag, dem 18. März statt. Beginn ist um 16.30 Uhr!

Fotos von Jan-Pierre Habicht (C)