Der Renntag in Mariendorf am 2. Juni 2013: André Pögel trumpft groß mit Belgino auf

 

 

Das Gespann gewinnt das Heinz-Mohr-Memorial 2013. Thorsten Tietz, Maik Esper und Daniel Wagner glänzen mit Doppelsiegen.

Mariendorf, 2. Juni 2013. Ein spannendes Rennen und ein dramatischer Finishkampf: Obwohl die Hauptstadt beinahe im Dauerregen versank, hielt das Heinz-Mohr-Memorial das, was es im Vorfeld versprochen hatte. Nach der Zielankunft fanden sich drei Generationen der Familie Mohr zur Siegerzeremonie im Mariendorfer Winnercircle ein und ehrten ein Pferd, das in der letzten Saison nur den siebenten Platz in dieser renommierten Prüfung belegt hatte: den Wallach Belgino.

Im Gegensatz zum Vorjahr wurde der Braune diesmal allerdings von André Pögel gesteuert. Der mehrfache Berliner Amateurchampion hatte zuvor nur ein einziges Mal – nämlich im Oktober 2010 – die Leinen des Achtjährigen in seine Hände genommen. Am Toto wurde das mit zwanzig Meter Zulage bedachte Gespann bei 33:10 als zweiter Favorit gehandelt. Noch höher schätzte das Publikum den bei 18:10 notierten Eckstein (Werner Schnieder) ein, der aus dem ersten Band heraus auch prompt in Führung ging. André Pögel ließ den Konkurrenten aber nicht lange aus den Augen. Belgino arbeitete sich schon vor den Tribünen an den Piloten heran.

Eine gute halbe Runde lang begnügte sich Pögel zwar noch mit der Tuchfühlung. Doch Mitte der Gegenseite gab „der Mann in Blau“ seinem Schützling dann das entscheidende Zeichen. Das Tempo zog gewaltig an und Belgino setzte sich nach dieser Blitzattacke sofort um mehrere Längen von Eckstein ab. Doch damit war die Entscheidung noch nicht gefallen. Denn der überrumpelte Eckstein gab nicht auf und kämpfte sich im Einlauf wieder gefährlich heran. Der Zielpfosten stand für Belgino aber genau richtig. Der Gigaro-Sohn rettete sich in 18,7/2.020m mit einem knappen Kopfvorsprung über die Linie. Hinter den beiden Streithähnen machte auch der drittplatzierte Meringo Star (Afsoon Amirfallah) im Finish mächtig Boden gut und war nur mit einer halben Länge geschlagen.  

André Pögels Triumph war nicht der einzige Glanzpunkt des Mariendorfer Nachmittags. Nicht weniger als drei Fahrer, nämlich Thorsten Tietz, Maik Esper und Daniel Wagner, konnten sich mit Doppelsiegen in Szene setzen. Tietz eröffnete den Renntag mit dem Erfolg von Torpedo As, der hinter dem Piloten Bestseller (Dennis Spangenberg) stets an zweiter Stelle innen gelegen hatte und knapp mit einer halben Länge Vorsprung gewann, nachdem er im Schlussbogen erst über Umwege auf freie Bahn gekommen war. Ein echtes Highlight war dann Tietz` zweiter Tagessieg: Nachdem der Hengst Theodor Fontane in der Vorwoche bereits ein großartiges Debüt für die Farben von Hans-Joachim Kleemann abgeliefert hatte, zog nun der Stallgefährte Fridericus mit einem Start-Ziel-Erfolg nach. Der Berliner Besitzer hält also zwei Asse für den Dreijährigen-Zirkel in der Hand. Auf dem völlig aufgeweichten Boden war Fridericus natürlich deutlich langsamer unterwegs als sein Boxennachbar, der bei seinem Erstauftritt einen 16-er Schnitt erzielt hatte. Entscheidend war aber nicht Kilometerzeit von 20,0/1.900m, sondern vielmehr die Manier: Fridericus agierte völlig souverän und ließ keine Angriffe zu. Thorsten Tietz zog ein äußerst zufriedenes Resümee: „Ich glaube, zwischen Fridericus und Theodor Fontane liegt nicht viel.“        

Maik Esper machte seinen Doppeltreffer mit zwei laufgewaltigen Stuten: mit Like a Diamond und Hainang. Die Erstgenannte gewann ein Rennen, das von zahlreichen Ausfällen gekennzeichnet war. Like a Diamond erwischte einen Blitzstart, doch Esper ließ zunächst einen Gegner passieren und warf die Tochter der 28-maligen Siegerin Pam Hollandia erst ausgangs des letzten Bogens ins Gefecht. Like a Diamond war sofort andere Ware und stürmte mit sechs Längen Vorsprung zum überlegenen Triumph. Noch spektakulärer war jedoch Espers Sieg mit Hainang. Die Stute des Rennstalls Föllmer flog aus dem Schlussbogen heraus wie ein Pfeil an dem führenden Kongo (Heinz Wewering) vorbei und erzielte auf der Meilenstrecke die Tagesbestzeit von 1:15,9 min., die man angesichts der schwierigen Bodenverhältnisse gar nicht genug loben kann. Die Braune zeigte auch bei der anschließenden Ehrung viel Temperament und war von ihrem Trainer kaum zu bändigen. Maik Esper: „Hainang ist eine recht komplizierte Traberlady.“

Daniel Wagner griff erst in der zweiten Hälfte des Renntages in das Geschehen ein. Dies allerdings vehement – denn die beiden Treffer, die er mit Janus R.A. und Yoboko Toscana erzielte, waren ebenfalls imponierend. Janus R.A. demonstrierte einmal mehr seine große Zuverlässigkeit und stürmte sofort an die Spitze. Als ihm sein Trainer ausgangs des letzten Bogens den Kopf frei gab, waren die Gegner komplett chancenlos. Der Hengst stiefelte auf und davon und gewann mit riesiger Autorität. Einen völlig anderen Rennverlauf fand Yoboko Toscana vor. Vom Startplatz neun aus musste der Achtjährige einmal ums Feld herum und erledigte diese Aufgabe mit Bravour. Der Hengst setzte 500 Meter vor dem Ziel zum Schlussspurt an und war in einer breit auseinandergefächerten Phalanx das eindeutig stärkste Pferd.  

Und hier die restlichen Tagessieger: Der Hengst Chatain trat mit Sarah Kube im Sulky als heißer 15:10-Favorit an und enttäuschte seinen Wettanhang nicht. Die Amateur-Championesse steuerte den Vierjährigen, der für die Besitzergemeinschaft Sybille Krüger und Dirk Grusdas läuft, im Scheitel des ersten Bogens an die Spitze. Damit war das Menü bereits gegessen, obwohl sich Helms Klamm (Werner Schnieder) in der Außenspur bis zum Schluss redlich bemühte. Benjamin Hagen führte Bagheera Boko zum verdienten ersten Saisontreffer. Die Fünfjährige verbesserte aus dem Mittelfeld heraus Ende der Gegenseite entscheidend ihre Position und erwischte Onore SAS (Jörg Schefe) genau auf der Linie. Auch die von Thomas Buley gesteuerte Amazing Passion triumphierte erst mit dem allerletzten Schritt. Die Stute, die es zuvor im Mariendorfer Jubiläumsrennen überaus schwer angetroffen hatte, zeigte einmal mehr ihren unermüdlichen Einsatz.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 97.277,72 Euro – Bahnumsatz: 27.853,00 Euro – Außenumsatz: 69.424,72 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Montag, dem 10. Juni statt. Beginn ist um 18.30 Uhr!