Der Renntag in Mariendorf am 15. Juli 2913: Shoemaker und Fridericus brillieren

 

Beide Traber liefern glänzende Generalproben für das Derby ab. Auch Anubis Silk empfiehlt sich für das wichtigste deutsche Rennen. Sensationelle Place-Quoten lassen den Toto beben.

Der dickste Knaller kam ganz zum Schluss: In der abschließenden zehnten Tagesprüfung der letzten Mariendorfer Veranstaltung vor dem Beginn der Derby-Woche richteten sich alle Blicke auf Heinz Wewering und seinen Schützling Shoemaker. Der dreijährige Hengst lieferte seinen Härtetest für den geplanten Auftritt im Kampf um das Blaue Band ab und bestand die Klausur mit Bravur.

Shoemaker machte seinem Mitbesitzer Johann Holzapfel, der das Rennen von seiner bayrischen Heimat aus verfolgte, damit das schönste Geburtstagsgeschenk. Der Hengst lieferte eine Glanzleistung in der Tagesbestzeit von 15,3/1.900m ab. Vom Startplatz sieben aus stritt Shoemaker zunächst hartnäckig um die Führung mit, orientierte sich dann aber an die vierte Position außen. Auf der Gegenseite leitete der Dunkelbraune seinen Angriff ein und zermürbte die führende Hainang noch vor dem Schlussbogen. In der letzten Kurve besaß der Verfolger Lord of Magic (Michael Nimczyk) einen ganz starken Moment und klebte wie ein Schatten an dem 14:10-Favoriten. Doch wirkliche Spannung trat nicht mehr auf, denn im Einlauf machte sich Shoemaker überlegen mit drei Längen Vorsprung frei.

Das Ergebnis war kaum überraschend – ganz im Gegensatz zur Place-Quote von Lord of Magic, die bei 38:10 lag. Sie setzte den Schlusspunkt unter eine Reihe von geradezu sensationellen Ausschüttungen auf diese Wettart. Es ging gleich im ersten Rennen los: Der im Speed erfolgreiche Disney As (Gerd Biendl) zahlte auf Sieg 57:10, auf Place aber 67:10! Für die zweitplatzierte Wolvega Mo (Michael Nimczyk) galt das Gleiche: Auf Sieg hätte die Stute 55:10 ausbezahlt – auf Place brachte sie jedoch satte 78:10! Das nächste Beispiel: Die Siegquote der beim Sommer-Pokal des VDT ebenfalls im Speed erfolgreichen Nereide d’Esi (Katharina Kramer) betrug 151:10, die Placequote aber 181:10 und auf Rang zwei lag Byron (Henry Grohmann) mit Place 158:10 sogar 51 Punkte über seiner Sieg-Eventualquote. Ein klares Plädoyer für diese Wettart. Sogar wenn man sämtliche Starter des Abends auf Place gespielt hätte, wäre ein dickes Plus dabei herausgekommen.

Ganz zu schweigen natürlich von den 390:10 auf Place, welche die Riesenaußenseiterin Lady Marian (Fred König) bei ihrem knappen Erfolg über die Debütantin Nuit d’Amour (Heinz Wewering) ausschüttete – wobei die krass unterschätzte Riemekasten-Stute auch mit ihren Siegodds von 749:10 den Totalisator wackeln ließ. Es gab aber nicht nur überraschende Ergebnisse, sondern zugleich auch Favoritensiege. Heinz Wewering gelang sein zweiter Tagestreffer mit dem von der Spitze aus auftrumpfenden Victory Love (Heinz Wewering), der den außen herum bärenstarken Gaius R.A. in 16,1/1.900m mit einem Halsvorsprung abwies. Und im Meilenrennen ließ sich Let’s Win (Michael Schmid) selbst von der Startnummer 10 nicht stoppen und fegte auf den letzten 300 Metern über die Gegner hinweg.

Das Augenmerk der Zuschauer ruhte aber vor allem auf Thorsten Tietz, dem amtierenden Berliner Champion, und seinen Derby-Aspiranten des Rennstalls Preussen. Der Auftakt ging daneben – der auf 13:10 herunter gewettete Theodor Fontane („Er hat sich im Rennen ständig die Luft genommen.“) konnte das Vertrauen nicht rechtfertigen und verfiel als geschlagenes Pferd mit Erreichen des Einlaufs in Galopp. Dafür sprang aber sein Stallgefährte Fridericus in die Bresche – und in was für einer Manier! Tietz hielt den Hoffnungsträger des Ehepaars Kleemann ganz am Ende des Feldes und brachte den Wallach erst auf der Schlusshalben auf Touren. Fridericus offenbarte im Einlauf eine enorme Grundschnelligkeit und fing den schon enteilten Abaton (Michael Schmid) in 17,3/1.900m mühelos ein. Der äußerlich recht schlaksige und noch verspielt wirkende Dreijährige geht damit als ungeschlagenes Pferd in den Derby-Vorlauf. Wenn er sich auf das Wesentliche konzentriert, wird Fridericus dort für alle Gegner eine hohe Hürde sein.

Noch schneller, nämlich in 16,5/1.900m, war Tietz dann mit Harry’s Bar unterwegs und der dritte Tagessieg sprang für den Silberhelm mit dem spurtstarken Oskar Eck heraus, der allerdings von der Disqualifikation von Bundi Boko (Ferdinand Hirsch) profitierte. Mit dieser dreifachen Ausbeute konnte der in der bundesdeutschen Wertung weiterhin klar führende Michael Nimczyk zwar nicht mithalten. Aber dem Willicher gelang ein feiner Erfolg mit dem für die Farben von Ulrich Mommert laufenden Anubis Silk. Der erst auf der Zielgeraden eingesetzte Wallach musste in 18,0/1.900m nicht mehr zeigen als nötig und war trotz der ungünstigen Ausgangslage mit der Startnummer neun überhaupt nicht gefordert. „Ich denke nach dieser Leistung schon, dass Anubis Silk in einem der Derby-Vorläufe an den Start gehen wird. Er ist ein sehr ruhiger und ausgeglichener Bursche“, urteilte Michael Nimczyk nach dem Sieg. Im Winnercircle präsentierte sich der Braune tatsächlich wie die Ruhe in Person.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 96.910,06 Euro – Bahnumsatz: 30.181,00 Euro – Außenumsatz: 66.729,06 Euro

Die nächste Veranstaltung – die große Eröffnung der Derby-Woche 2013 – findet am Samstag, dem 27. Juli statt. Im Mittelpunkt stehen die Vorläufe des Stuten-Derbys und das mit 20.000 Euro dotierte Monté-Derby. Die Siegerehrung beim „Großen Preis der ARD“ wird Sandra Maischberger vornehmen. Beginn der Veranstaltung ist um 12.30 Uhr!