Der Renntag in Berlin - Mariendorf: Uwe Stamer gewinnt ersten Lauf des Stamer-Cups

Uwe Stamer, Nelly Pepper

Der Amateurfahrer siegt beim Auftakt des Wettbewerbs mit der dreijährigen Stute Nelly Pepper. Michael Hönemann punktet am Stammbesucher-Renntag als einziger Fahrer doppelt.

Mariendorf, 11. Oktober 2017.

„Ich wusste schon gar nicht mehr was es heißt, ein Rennen zu gewinnen“, lauteten die ersten Worte von Uwe Stamer im Mariendorfer Winner-Circle, nachdem er Sekunden zuvor die Ziellinie mit Nelly Pepper als Sieger passiert hatte. Umso größer war die Freude des Berliner Amateurfahrers, der sich schon seit langem leidenschaftlich dafür stark macht, dass auch gezielt Rennen für Sportler ausgeschrieben werden, die im wahrsten Sinne des Wortes reine Hobbyfahrer sind und ihr Können nur sporadisch unter Beweis stellen. „Dafür habe ich sogar Unterschriften gesammelt und bin dem Bahnbesitzer Ulrich Mommert und allen Verantwortlichen des Rennvereins dankbar, dass sie das Vorhaben unterstützen. Ich halte es nämlich für wichtig, dass auch kleine Besitzer, die vielleicht nur ein oder zwei Pferde ihr Eigen nennen, Startgelegenheiten bekommen“, erläuterte Uwe Stamer die Motivation für sein Engagement.

Teilnahmeberechtigt sind in dem über mehrere Läufe ausgetragenen Wettbewerb, der bereits am kommenden Sonntag auf der Karlshorster Piste fortgesetzt wird, nur Amateurfahrer, die in ihrer Karriere maximal 35 Prüfungen gewonnen haben. Nelly Pepper erwischte als viertes Pferd außen eine Traumlage und verabschiedete sich Ende der Gegenseite mit einem Blitzvorstoß um Längen vorm Feld. Damit war das Menü allerdings noch nicht gegessen. Denn auf den letzten Metern wurde es noch einmal mächtig spannend, als ganz außen die mit Linda Matzky perfekt harmonierende Ilaria Sidney brandgefährlich heranflog. Für Nelly Pepper, die zuvor einen höchst achtbaren zweiten Rang in einer Breeders-Crown-Entlastung erzielt hatte, reichte es in 16,4/1.900m aber knapp. Eines scheint sicher: Uwe Stamer wird an seiner vierbeinigen Neuanschaffung noch viel Freude haben.           

Der Name war Motto: Die seit kurzer Zeit von Michael Hönemann betreute Laufey zeigte als 101:10-Außenseiterin eine starke läuferische Leistung und triumphierte, obwohl sie fast das gesamte Rennen in der Angriffsspur bestritten hatte. Gerhard Sporrers Stute, die zuvor in Schweden stationiert war und nun in Neuenhagen am östlichen Rand der Hauptstadt auf ihre Aufgaben vorbereitet wird, hatte mit dem anspruchsvollen Pensum in 15,8/1.900m nicht das geringste Problem. Michael Hönemann: „Ganz im Gegenteil – ihr ehemaliger Trainer hatte mir sogar extra angeraten, die Todesspur zu wählen und damit Recht behalten. Laufey geht außen herum tatsächlich am besten!“ Unmittelbar danach folgte „Pinkys“ zweiter Treffer: Der ehemalige Mariendorfer Abonnements-Champion punktete mit Mike Dwornickis Rocky Diamant, der sich von der Spitze aus endlich einmal jeglichen Fehler verkniff. 

Er war der einzige Dreijährige im Feld und galt trotz der Tatsache, dass er zuvor nur vier Rennen bestritten hatte, als heißer Tipp des Tages: Der von Lea Ahokas präsentierte Hengst Chuckaluck wurde diesen hohen Erwartungen gerecht und verwies die beiden Angreifer Kilbeggan (Wladimir Gening) und Tufani Bes (Thomas Skoruppa) auf die Plätze. Auf den letzten Metern machte es der 12:10-Topfavorit, der sofort die Führung übernommen hatte, dennoch mächtig spannend und ließ die Konkurrenten dicht an sich heran. Lea Ahokas: „Ich konnte ihm nicht den Kopf freigeben, denn es fehlt Chuckaluck natürlich noch an Routine. Ich war mir der Sache dennoch sicher und bin überzeugt davon, dass sich der Dunkelbraune zu einem ganz tollen Pferd entwickeln wird.“

Im direkt im Anschluss ausgetragenen internationalen Rennen spielte Lea Ahokas ebenfalls eine prominente Rolle, denn ihr Schützling Pascal SAS, der auf den letzten Metern etwas von der Innenkante weg wich, lag bis kurz vor dem Ziel in Führung. Doch dann betrat ihr Lebensgefährte Victor Gentz die Bühne und steuerte Iron Steel zu einem souveränen Sieg. Der mit zwanzig Meter Zulage bedachte Wallach, der zuvor in Karlshorst ausnahmsweise einmal enttäuscht hatte und nun wieder eindrucksvoll seine Klasse unter Beweis stellte, war unterwegs an vierter Stelle innen auszumachen. Als Victor Gentz im Einlauf die entscheidende Lücke fand, war Iron Steel in der Tagesbestzeit von 15,7/2.020m sofort an seinen Gegnern vorbei. Diejenigen, die nicht an ihm gezweifelt hatten, wurden mit einer Siegquote von 43:10 geradezu fürstlich entlohnt.           

„Eigentlich wollte ich sie gar nicht von vorne einsetzen – aber dann musste ich aus dem ersten Bogen heraus doch die Chance nutzen, an die Spitze zu gehen“, schilderte Kay Werner bei der anschließenden Ehrung die taktische Vorgehensweise mit Friday Fortuna. Die Stute aus dem Lot von Georg Radde hat sich in den vergangenen Monaten prächtig entwickelt und erledigte ihren Auftritt in 16,6/1.900m souverän. Hinter der 14:10-Favoritin ergatterte die an der Innenkante geschonte Louisa (Thomas Panschow) den zweiten Rang. 

Eine clevere Renneinteilung und die besten Reserven: Das war die Basis, die zum Erfolg von Bell Simoni führte. Im Sulky der Stute führte Thomas Panschow die Regie und der Mann im blau-orangenen Dress machte seinen Job perfekt. Er hielt die in den Farben der Berliner Amateurfahrerin Julia Hoheisel laufende Vierjährige geschickt aus allen Positionskämpfen heraus und spielte ihren Speed erst auf den letzten vierhundert Metern aus. Bell Simoni bedankte sich für den optimalen Verlauf mit einem überlegenen Sechs-Längen-Sieg. 

Ebenfalls sehr deutlich fiel der Treffer von André Schiller und Look Santana Eck aus, was zugleich den zweiten Besitzererfolg an diesem Abend für Gerhard Sporrer und seinen Stall GESVEA bedeutete. Der Wallach, der seine Rennkarriere sehr hoffnungsvoll begonnen hatte, in dieser Saison bisher aber noch sieglos geblieben war, beendete die Durststrecke und diktierte seinen Konkurrenten von der Spitze aus das Tempo. André Schiller: „Die Aufgabe sah schon auf dem Papier sehr verlockend aus. Ich hatte daher mit einem Treffer von Look Santana Eck geliebäugelt.“    

Gesamtumsatz: 83.715,04 Euro – Bahnumsatz: 27.385,50 Euro – Außenumsatz: 56.329,54 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 22. Oktober statt. Im Mittelpunkt stehen die beiden mit jeweils 10.000 Euro Preisgeld dotierten Läufe des Criteriums. Beginn ist um 13.30 Uhr. Starterangabe für diesen Renntag ist am Montag, dem 16. Oktober. Sie erreichen das Mariendorfer Rennsekretariat unter der Rufnummer 030-7401229 bzw. per Mail an starterangabe@berlintrab.de.

Fotos von Marius Schwarz: Uwe Stamer und Nelly Pepper