Der Renntag in Berlin-Mariendorf: Jorma Oikarinen und André Schiller sind die Totoschocker

Foto von Marius Schwarz: Der Riesenaußenseiter Amigo Kievitshof mit seinem Trainer André Schiller

Der Finne führt die 452:10-Außenseiterin Moonchild auf die Siegerparade. Der Amateurfahrer setzt noch einen drauf und triumphiert mit dem für 608:10 gehandelten Amigo Kievitshof. Die Quoten erreichen Rekordhöhen: Die V5-Wette zahlt 250.131:10!

Berlin-Mariendorf, 26. Februar 2016

Es war ein Abend der dicken Überraschungen. Bei der mit acht lukrativ dotierten PMU-Prüfungen bestückten Mariendorfer Veranstaltung gab es so einige verblüffte Gesichter. Denn man muss schon weit zurückblicken, um sich an einen Renntag, an dem gleich zwei im hohen dreistelligen Bereich notierte Riesenaußenseiter zuschlugen und zudem auch in den weiteren Prüfungen viele Topfavoriten auf der Strecke blieben, zu erinnern. Die Quoten wurden daher quer durch die Bank in neue Rekordhöhen getrieben – insbesondere natürlich die V5-Wette, die stolze 250.131:10 auszahlte.

Für den ersten spektakulären Coup sorgte Jorma Oikarinen. Der finnische Profi dirigierte die Riesenaußenseiterin Moonchild zum 452:10-Sensationssieg. Dabei hatte es lange Zeit überhaupt nicht danach ausgeschaut, denn die Vierbeiner-Lady war unterwegs stets nur an der fünfter Stelle auszumachen. Selbst als es in den Schlussbogen ging, hatte die Stute die Position noch nicht entscheidend verbessert. Doch auf der Zielgeraden kam die Wende: Moonchild wurde immer stärker und setzte sich in 15,7/1.900m mit einem Halsvorteil gegen den außen herangeflogenen und nach seiner viermonatigen Pause auf Anhieb überzeugenden Fittipaldi (Andreas Gläser) sowie die innen tapfer gegenhaltende Sultana Jet (Josef Franzl) durch. Wer diese Reihenfolge tatsächlich getroffen hatte, durfte sich über 27.303:10 freuen.

Doch damit war der Spuk noch nicht beendet, denn der Amateurfahrer André Schiller ließ den Toto erst richtig beben und trumpfte im Prix Berthe Morisot – einem offenen Rennen – mit dem bei 608:10 gehandelten und seit Januar 2013 sieglosen Amigo Kievitshof auf. Der turbulente Verlauf der Prüfung glich einem allgemeinen Hauen und Stechen. Die zunächst führenden Pferde gingen im Einlauf völlig unter und als das Feld zweihundert Meter vor dem Ziel breit auseinanderfächerte, tauchte plötzlich auch Amigo Kievitshof auf, von dem zuvor aufgrund seiner Startposition neun in der zweiten Reihe kaum ein Gegner Notiz genommen hatte. Der Jag-de-Bellouet-Sohn tankte sich tatsächlich an Wetim Rower (Thomas Heinzig) vorbei. Der Zweitplatzierte wurde anschließend allerdings disqualifiziert – er war auf der Gegengeraden einem Kontrahenten in die Quere gekommen. Die richtige Dreierwetten-Reihenfolge lautete also Amigo Kievitshof vor Dolomit R (Norbert Bierman) und Fiobana (Thorsten Tietz und erbrachte 19.384:10!     

Den ersten Hammerschlag hatte es bereits in der Auftaktprüfung gegeben – und das nicht nur im sportlichen Sinne, sondern auch am Wettmarkt: Der vierjährige Hengst Whisper aus dem Besitz von Katharina Kramer, der aufgrund einiger Probleme und Verletzungen zuvor nur ein einziges Engagement bestritten hatte, deklassierte seine Gegner mit Thorsten Tietz im Sulky in 15,7/1.900m Start bis Ziel. Berlins Champion hatte allen Grund zum Strahlen: „Wir haben mit ihm einiges vor! Whisper ist ein erstklassiges Pferd!“ Kein Wunder angesichts seiner Abstammung – der Braune kann auf prominente Brüder wie Wild Viking, Wings of Crown und Wonderboy verweisen. Doch obwohl Whisper am Toto mit 26:10 favorisiert war, entwickelte sich die Dreierwette zu einer Sensationsquote: Die zweitplatzierte Hatari Bes (Klaus Daust) war vom Publikum mit 88:10 zwar als chancenreich eingeschätzt worden. Die drittplatzierte 1.752:10-Außenseiterin Tilly Simoni (Alexander Kelm) hatte aber kaum jemand auf dem Schein. Die Dreierwette zahlte gigantische 38.735:10!

Flotte 8.301:10 gab es in der Dreierwette des Trotteur-Francais-Rennens für die Gewinnsummenklasse bis 25.000 Euro. Die Prüfung wurde zur Beute des von Dennis Spangenberg präsentierten Vieux Manoir, der Agets de Bouere (Robert Pletschacher) und Arcadius (Heiko Schwarma) Start bis Ziel die Eisen zeigte. Dennis Spangenberg: „Vor allem angesichts seiner dreimonatigen Pause war das das eine exzellente Leistung, die mich nicht überrascht – denn Vieux Manoir hat in der vergangenen Saison teilweise sehr gute Gegner geschlagen.“ Mit Pablo Kemp gelang dem sympathischen Berufsfahrer wenig später ein weiterer Treffer – und in was für einem Stil! Der in seiner gesamten Rennkarriere maßgeblich von Peter Scheack begleitete Traber stürmte in 15,5/1.900m zur Tagesbestzeit! Der Hengst lag zunächst an fünfter Stelle und machte dann auf der Schlusshalben ein richtiges Fass auf. Es wurde trotzdem eine ganz enge Geschichte: Vor dem spurtstarken Grand Ass (Thorsten Tietz) rettete sich der Sieger nämlich nur mit einer Nüsternbreite über die Linie. 

Wenig überraschend war dagegen der tolle Erfolg von Josef Franzl und seinem Schützling N Cor Star, über den man nur sagen kann: Ein Pferd geht seinen Weg! Der Fuchshengst, der aus einer achtwöchigen Pause kam, knüpfte gleich an seine großartigen Leistungen des Vorjahres an und trumpfte in 16,6/1.900m auf. Nach einer kurzen Rochade mit Biscuit Dragon (Maik Esper) hatte N Cor Star zu Beginn der Tribünengeraden endgültig die Führung erobert und zwischen diese beiden Kontrahenten schob sich letztlich nur noch Janus R.A. (Michael Hönemann) der außen herum ein Riesenrennen lief und das zweite Geld eroberte. Den souveränen N Core Star konnte der Aleo-Traber allerdings zu keinem Zeitpunkt in Bedrängnis bringen.   

In der internationalen Klasse waren an diesem Abend genauso wie in dem von Vieux Manoir gewonnenen Rennen französische Traber gefordert und hier waren es einmal mehr Benjamin Hagen und Ukamaya Verderie, die mächtig für Furore sorgten. Magdalena und Robert Kieniksmans Stute trat ohne Zweifel als formkonstanteste aller neun Teilnehmer an und selbst vierzig Meter Zulage konnten sie nicht stoppen. Benjamin Hagen gab der Achtjährigen zu Beginn der zweiten Tribünengeraden das entscheidende Zeichen. Ukamaya Verderie stürmte an die Spitze und gab das Heft in 16,7/2.540m mit drei Längen Vorsprung nicht mehr aus der Hand. Benjamin Hagen: „Die lange Strecke ist eindeutig die Lieblingsdistanz der Stute und vieler anderer französischen Pferde. Das sollte man meiner Meinung nach bei den Ausschreibungen für die Trotteur-Francais-Rennen zukünftig verstärkt berücksichtigen.“   

Einen weiteren Sieg für polnische Farben erzielte der in Tykolin ansässige Trainer Lukasz Kurys, der Asper de Cassandra zum Erfolg führte. Das Rennen verlief allerdings völlig kurios, denn der in Frankreich gezüchtete Hengst hatte die Ziellinie eigentlich nur als Dritter überquert. Doch beide vor ihm platzierte Pferde wurden von den Stewards aus der Wertung genommen: Kap de Bonne (Marisa Bock) aufgrund unreiner Gangart und Ula Rower (Thomas Heinzig) aufgrund der Behinderung eines Gegners. Natürlich waren auch hier die Quoten richtig fett: Mit Kronprinz LB (Ferdinand Hirsch) und Chrissi H (Katharina Kramer) auf den Rängen ergab sich eine Dreierwetten-Quote von 16.377:10. Die viertplatzierte Jackie (Manfred Zwiener) hatte gar niemand auf dem Schein, sodass demnächst ein Vierer-Jackpot in Höhe von 2.415 Euro ausgespielt wird.    

Gesamtumsatz: 78.518,39 € Euro – Bahnumsatz: 20.947,00 Euro - Außenumsatz: 57.571,39 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Sonntag, dem 6. März statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.