Der Renntag in Berlin-Mariendorf am 15.12.2013: Vorzeitige Weihnachtsbescherung für Josef Franzl

 

Dem Bayrischen Champion gelingen vier Siege en suite. Maik Esper und Thorsten Tietz glänzen mit einem Doppelerfolg. Bei den Amateuren spielt die zweimalige Vize-Europameisterin Alena Cemusova ihre ganze Klasse aus.

Mariendorf, 15. Dezember 2013.

Vier Siege hintereinander – das hat für jeden Sulkyfahrer absoluten Seltenheitswert. Bei der Mariendorfer Sonntagsveranstaltung gelang Josef Franzl dieses Kunststück. Der Bayrische Champion, der bei seiner Reise in die Hauptstadt von seinem Vater begleitet wurde, fegte los wie die Feuerwehr und schraubte seinen Saison-Erfolgsschnitt mit dieser Ausbeute auf phänomenale 33,6 Prozent. Lediglich Thorsten Tietz, der aktuell bei 32,8 Prozent liegt, kann da bundesweit mithalten.      

Der Auftaktsieg gelang „Seppi“ Franzl mit Richelieu Bi. „Das wird ein richtig Guter“, strahlte der Sauerlacher im Anschluss. Und das zu Recht: Der auf 12:10 herunter gewettete Hengst war auch beim zweiten Start seiner jungen Rennkarriere eine absolute Macht. Trotz der Nummer acht ergatterte der Dreijährige schon beim Einbiegen in den ersten Bogen das Kommando. Der Rest war eine One-Horse-Show: Auf der Zielgeraden löste sich Richelieu Bi mit Weile-Vorsprung von den Gegnern. Weitaus spannender ging es bei Franzls Sieg mit Super Love Boy zu, denn der Hengst des Rennstalls Agro ging zwar ebenfalls rasch nach vorne, musste sich aber am Ende mächtig strecken. „Der Fuchs hat heute wirklich fein gekämpft“, kommentierte der Bayrische Champion den Erfolg.

Das gleiche Lob galt nur zwanzig Minuten später Playboy Diamant, mit dem Franzl seinen lupenreinen Hattrick vollendete. Der temperamentvolle Hengst, der immer für einen Fehler gut ist, verkniff sich alle Eskapaden und zwang Abaton (Maik Esper) trotz eines Rennverlaufs durch die Außenspur mit einer Länge Vorsprung in die Knie. Doch was bedeutet schon ein Hattrick? Franzl gab sich mit diesem Ergebnis nicht zufrieden und räumte noch einen weiteren Volltreffer ab. Diesmal war es Jag Heuvelland, der von der Spitze aus unbezwingbar war und zu keinem Zeitpunkt eines der anderen Pferde in seiner Nähe duldete. So sehr sich Franzl unterwegs vom Sulky aus nach möglichen Gegnern umschaute – es erfolgten keinerlei Angriffe und ein ernsthafter Konkurrent war zu keinem Zeitpunkt in Sicht.

Nur noch wenige Tage, dann kann sich Michael Nimczyk zum dritten Mal in seiner Karriere den Goldhelm aufsetzen. In dieser Saison fuhr der 27-Jährige an nahezu keinem der Renntage ohne einen Sieg von der Bahn. Mit Rolex Columbus sah es zwar zunächst nicht nach einem Erfolg aus – aber auf der Schlusshalben wurde Peter Sieburgs vierjährige Stute immer stärker und am Ende kämpfte sie sich mit einer Halslänge an Evalina Ray und Thorsten Tietz vorbei. Gleich Anschluss verlief es zwischen dem designierten Goldhelm und dem Silberhelm genau anders herum. Denn Tietz trumpfte mit Richeliell gegen den von Nimczyk gesteuerten Junior Connor überlegen auf. Im Einlauf setzte sich Wolfgang Mays Stute mit Weilevorsprung von dem Gegner ab. Ähnlich souverän fiel auch der zweite Tagestreffer von Thorsten Tietz aus: Rayman zog im ersten Bogen an die Spitze und fertigte seine Kontrahenten wie Lakaien ab. Mit nunmehr fünf Siegen bei sechs Starts ist der Dirk Grusdas gehörende Hengst nicht einmal annähernd erfasst.

Maik Esper gehört aktuell ebenfalls zu denjenigen, für die es momentan richtig rund läuft. Der 41-Jährige Profi punktete mit der in der Tagesbestzeit von 16,6/1.900m imponierenden Herana, die das kräftezehrende Gerangel um die Führung nicht mitmachte und erst aus dem Schlussbogen heraus auf Touren kam. Im Einlauf flog die Stute wie ein Pfeil an allen vorbei. Im darauf folgenden Rennen kam Maik Esper mit Becky Dragon für den Sieg jedoch zu spät. Die Dunkelbraune fand keine freie Passage und als endlich eine Lücke da war, hatte die von Dennis Spangenberg gekonnt vorgetragene Bestseller längst schon alles im Griff. Mit einer Siegquote von 108:10 war die zuvor in Karlshorst erfolgreiche Außenseiterin deutlich unterschätzt. Aber genauso wie Thorsten Tietz holte auch Maik Esper einen Doppeltreffer heraus. Sein zweiter Tageserfolg gelang dem Shooting Star mit Sorpassando. Der diffizile Wallach fühlte sich auf dem Rechtskurs wie zuhause, übernahm nach einer dreiviertel Runde die Führung und gewann völlig ungefährdet.        

Internationales Flair schwang bei dem Sieg von Damalia mit – saß im Sulky der dreijährigen, vom Niederländer Alle Loman trainierten Stute doch keine Geringere als die tschechische Amateur-Championesse Alena Cemusova. Die im Hauptberuf als Direktorin einer Raiffeisenbank tätige 51-jährige Pragerin, die ihre erste Fahrt schon 1979 bestritten hat und zweimal Vize-Europameisterin wurde, spielte ihre ganze Erfahrung aus. Obwohl Damalia zwanzig Meter Zulage zu verkraften hatte, dirigierte sie Alena Cemusova rasch an die dritte Position. Nach einer Runde ging das Gespann nach vorne und der Vorsprung wurde immer größer – die Championesse konnte sich schon weit vor dem Ziel für das Foto zurechtsetzen. Auch Werner Schnieder, der Sieger des zweiten Amateurfahrens der Veranstaltung, gilt als ausgekochter und mit allen Wassern gewaschener Routinier. Mit der nach einem Idealverlauf als viertes Pferd außen drückend überlegenen Ysvogel baute der Hufschmied seine Führung im Mariendorfer Amateur-Championat auf drei Zähler aus. Der Titel ist ihm wohl kaum noch zu nehmen.    

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: Euro – Bahnumsatz: Euro – Außenumsatz: Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 29. Dezember statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht der „Winterpokal der Amateure“ um 13.000 Euro Preisgeld. Beginn ist um 13.30 Uhr!