Der Renntag in Berlin-Mariendorf: Alle(z) Alle(z)!

Der Mariendorfer PMU-Renntag wird zur Bühne für den großartigen Auftritt des Niederländers Alle Loman. Dennis Spangenberg agiert ebenfalls in herausragender Form.

Mariendorf, 2. Januar 2014.

Das Jahr 2013 endete für den Berliner Trabrenn-Verein mit einem zufriedenstellenden Ergebnis, denn der Umsatz pro Rennen konnte um beachtliche vier Prozent gesteigert werden. Der Auftakt der neuen Saison brachte an den Wettkassen ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis. Doch so richtig glücklich über die Mariendorfer Veranstaltung wird vor allem ein auswärtiger Gast gewesen sein. Alle Loman machte die Derby-Bahn zu seiner Bühne. In Amsterdam geboren, im schwäbischen Öhringen aufgewachsen, nun in der Nähe von Prag beheimatet und im Sulky ein wahrer Teufelskerl: Der 62-jährige Sportler bringt nicht nur im Kampf um Sieg und Platz, sondern auch als Interviewpartner im Winnercircle beeindruckende Qualitäten mit.

Zwei Starts, zwei Siege – das war am Ende seine Bilanz. „Ich habe einfach goldene Hände“, scherzte der sympathische Weltenbummler vor laufender Kamera. Über diesen humorvoll gemeinten Satz werden seine unterlegenen Gegner allerdings kaum geschmunzelt haben – denn es steckte Wahres dahinter. Die Art und Weise, wie Loman seine beiden Siegerinnen präsentierte, entsprach der eines Genies. Mit der auf der Gegenseite attackierenden Charming Oreau ließ er sich zu keinem Zeitpunkt vom Erfolgskurs abbringen, obwohl die tschechische Derby-Siegerin sogar die vierte Spur in Kauf nehmen musste. Und mit Damalia hielt sich Loman in zweiter Spur derartig provozierend zurück, dass Michael Nimczyk im Sulky des Favoriten Trombone wohl oder übel die Offensivrolle übernehmen musste und am Ende nur Zweiter wurde. Der beste Beweis für die große Klasse der Loman-Stuten war aber der Blick auf die Stoppuhr: Mit Ergebnissen im sechzehner Bereich erzielten Charming Oreau und Damalia die beiden Bestzeiten der gesamten Veranstaltung. Wenn es nun bald Richtung Frankreich geht, werden sie für ihre zukünftigen Gegner weit mehr als nur ein Fresshappen sein. Eines ist jetzt schon klar: Egal, wie Alle Loman in Vincennes abschneidet – er wird in Paris ein Stück Geschichte schreiben. Denn ein Trainer und Fahrer, der grundsätzlich auf den Einsatz einer Peitsche verzichtet – das ist in Frankreich und in halb Europa ein absolutes Novum.

Alle Loman war also fraglos der Star der Berliner Veranstaltung. Den ersten Sieg der bundesdeutschen Trabrennsaison 2014 landete aber ein anderer Fahrer, der mittlerweile ebenfalls einen bedeutenden Stellenwert besitzt und ohne den man keine einzige Rechnung machen kann: Dennis Spangenberg. Der mittlerweile bei 340 Karriereerfolgen stehende Profi hatte schon im letzten Jahr bewiesen, was in ihm steckt und scheint sich nun auch für die Zukunft einiges vorgenommen zu haben. Spangenberg trumpfte mit der Stute Bestseller auf, die auf der Schlusshalben immer stärker wurde und von der Disqualifikation ihres Kontrahenten Playboy Diamant (Josef Franzl) profitierte, der auf der Zielgeraden in Führung liegend das Geläuf verlor. Wenig später drehte Dennis Spangenberg erneut mit einem Pferd zur Siegerehrung ein: Major Eck ging auf der Schlussrunde nach vorne und spulte sein Tempo eisern herunter, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt einen ernsthaften Angriff des zweitplatzierten Zuccero (Daniel Wagner) zuzulassen.

Die größte Überraschung des Renntages lieferte Thomas Heinzig ab, der den in den Farben seiner Frau Yvonne laufenden 267:10-Außenseiter Mister Rene in bärenstarker Manier vortrug. Der Wallach lag eine Runde lang an sechster Position und gab dann erst Ende der Gegenseite richtig Gas. In fast identischer Manier siegte der von Sophia Raschat präsentierte Zinto. Die Tochter des Trainers Josef Sparber hat ein großes Lob verdient, denn obwohl die Gegner bereits enteilt schienen, ließ sich die Amazone nicht beirren und setzte den Speed ihres Schützlings genau zum richtigen Zeitpunkt ein. Keine Frage: Diese junge Frau, die bereits mehrfach mit überzeugenden Leistungen geglänzt hat, wird ihren Weg im Profigeschäft erfolgreich gehen. Wer weiß – vielleicht gesellt sie sich eines Tages zu Könnern wie Michael Nimczyk und Josef Franzl, die am Mariendorfer PMU-Tag natürlich auch nicht ohne einen Volltreffer von der Bahn fuhren. Der Goldhelm punktete mit der Stute Venus Brador, die auf der Überseite mit einem gewaltigen Vorstoß am Feld vorbeigeflogen war, und der Bayrische Champion führte Radja Gousserie außen herum zu einem überlegenen Triumph.            

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 114.768,22 Euro – Bahnumsatz: 28.714,40 Euro – Außenumsatz: 86.053,82 Euro

Die nächste Veranstaltung – der zweite große PMU-Renntag mit der Ehrung der Mariendorfer Champions – findet am Donnerstag, dem 16. Januar statt. Beginn ist um 16.30 Uhr!