Der Renntag auf der Trabrennbahn Berlin – Mariendorf: It’s Amazing einfach fantastisch

Der Sieger Roman Matzky mit seinem Wallach It’s Amazing (Foto: Marius Schwarz)

Start bis Ziel in Tagesbestzeit: Der Fuchswallach gewinnt den Winter-Pokal des VDT mit seinem Trainer Roman Matzky im Sulky. Drei Siege: Michael Nimczyk lässt den Goldhelm glänzen. 

Berlin-Mariendorf, 14. Februar 2016.

 „Dieses Pferd wird immer wieder unterschätzt – obwohl der Wallach schon seit Monaten in bärenstarker Form läuft. Wir können uns stets hundertprozentig auf ihn verlassen!“ So lautete das Fazit von Roman Matzky unmittelbar nach seinem Sieg mit It’s Amazing beim Kampf um den mit 4.000 Euro Preisgeld dotierten Winter-Pokal des VDT. Der Profi hatte damit den Nagel genau auf den Kopf getroffen. Denn es ist beeindruckend, in welch zuverlässiger Form der Traber für die Farben seines Trainers agiert. Die Referenzen, die der Siebenjährige vor seinem Start im Hauptereignis der Mariendorfer Sonntagveranstaltung vorzuweisen hatte, waren beeindruckend: Bei seinen zurückliegenden zwölf Einsätzen war It’a Amazing nur ein einziges Mal nicht im Geld gelandet, fünf davon hatte er sogar als Erster beendet. Insofern war seine lukrative Siegquote von 40:10 sehr erstaunlich. Doch noch verblüffender als die deutlich zu hohen Odds war die Art und Weise, in der sich der Fuchswallach gegen seine sieben Kontrahenten durchsetzte: It’s Amazing stürmte sofort nach vorne, ließ unterwegs keinerlei Angriffe zu und verabschiedete sich in der imposanten Tagesbestzeit von 13,9/1.900m mit zwei Längen Vorsprung und Richterspruch „überlegen“ von seinen Verfolgern – ohne Frage der Top Act der Veranstaltung!          

Doch es gab an dem von dem von Nieselregen begleiteten Berliner Nachmittag noch weitere tolle Auftritte zu bewundern. Dass er in seiner Rennkarriere schon den Titel „Mariendorfer Traber des Jahres“ einheimsen konnte und dies wohl alles andere als ein Zufall war, bewies Vulkan in der Hand von André Pögel zum wiederholten Male mit einer außergewöhnlichen Leistung. Trotz der ungünstigen Startnummer zehn fertigte der von Daniel Wagner trainierte Wallach seine gewiss nicht schlechten Gegner in fulminanten 14,7/1.900m ab. Entscheidend war die Phase auf der Gegenseite: Vulkan fand in Holly go lightly (Christian Schulz), die am Ende den dritten Platz belegte, eine ideale Zugmaschine und kam entscheidend weiter. Auf den letzten Metern rang der Achtjährige dann auch den sich tapfer wehrenden und nur mit einer halben Länge geschlagenen Biscuit Dragon (Michael Hamann) nieder. 

Sie macht ihrem Namen alle Ehre und wird tatsächlich immer mehr zu einem Star: Ulrich Mommerts Stute Holy Wood Star feierte beim sechsten Start ihrer noch jungen Karriere bereits den dritten Sieg. Im Sulky der Stute saß Michael Nimczyk, der sie zunächst an der vierten Stelle außen einparkte und dann auf der Gegenseite richtig Gas gab und die Braune an die Spitze führte. Damit war die Mahlzeit zwar noch nicht gegessen, denn die kleine Schwester des Buddenbrock-Siegers Halali musste durchaus noch gegnerische Attacken abwehren – aber das tat sie unter Rekordverbesserung auf 15,8/1.900m nahezu spielerisch. Michael Nimczyk: „Holy Wood Star besitzt wirklich alle Qualitäten, die ein tolles Rennpferd auszeichnen.“ 

Einen Tick langsamer war der Goldhelm kurze Zeit später mit seiner zweiten Tagessiegerin Replay Diamant unterwegs, der 17,1/1.900m für einen ungefährdeten Erfolg reichten. Der glattgehend noch ungeschlagenen Stute, die einer aus der Familie Schwarz und dem niederländischen Stall Van Dijk bestehenden Besitzergemeinschaft gehört, gelten ebenfalls berechtigte Hoffnungen. In dem von zahlreichen Nichtstartern dezimierten Feld hatte die Vierjährige gegen nur vier Kontrahenten trotz eines Verlaufs in der Außenspur leichtes Spiel. Michael Nimczyk machte erst auf den letzten dreihundert Metern Ernst und Replay Diamant nahm die Aufforderung willig an. Doch mit zwei Tagestreffern ließ es der Deutsche Meister nicht bewenden, denn der punktete erneut – diesmal wieder für die Mommert-Farben. Alannah Mo hieß seine dritte Siegerin an diesem Nachmittag. Die Vierbeiner-Lady machte auf der Schlusshalben ein mächtiges Fass auf und zog im Spurt mit einer halben Länge Vorsprung an dem ebenfalls überzeugenden Piloten Bonjour Ganyboy AM (Gerhard Biendl) vorbei.

Dem Goldhelm wäre mit dem Wallach Noiseinbigdance beinahe noch ein weiterer Erfolg gelungen – doch eine derartige Nimczyk-Triumphgala wurde von Daniel Wagner und One and Only in verhindert. Der Berliner Trainer ging bei seinem ersten gemeinsamen Start mit der für die Farben von Christian Strobl laufenden Stute sofort zur Sache und übernahm vom Fleck weg das Kommando. Auch als Michael Nimczyk mit seinem Schützling auf der letzten Halben vehement angriff und Noiseinbigdance bereits einen hauchdünnen Vorteil besaß, gab One and Only nicht auf und kämpfte sich unter Rekordverbesserung auf 15,4/1.900m erneut nach vorne. Eine kleine Schrecksekunde musste Daniel Wagner allerdings überstehen. Denn im letzten Bogen war One and Only im Eifer des Gefechts kurz aus dem Tritt gekommen – nach Ansicht der Rennleitung war der aus acht Galoppsprüngen bestehende Fauxpas aber als Grund für eine Disqualifikation nicht ausreichend.

Zu den prominenten auswärtigen Gästen, die der Mariendorfer Rennverein begrüßen durfte, gehörte Gerhard Biendl, der es sich nicht nehmen ließ, ein Pferd auf die Siegerparade zu führen. Und zwar den in allen Belangen überzeugenden Diamond Select, den der Profi im Anschluss ausgiebig würdigte: „Er ist so gut wie nie zuvor!“ Dieses Lob hatte sich der achtjährige Wallach der Besitzerfamilie Platzer wahrlich verdient. Zunächst als drittes Pferd an der Innenkante platziert, machte der Dunkelbraune im Einlauf unter Rekordverbesserung auf 15,1/1.900m gewaltige Reserven frei und flog an Janus R.A. (Josef Franzl), On the road Rex (Matthieu Hegewald) und Dynamite Goal Ass (André Pögel) vorbei. Durch den Ausfall des 11:10-Topfavoriten Floh G (Thorsten Tietz), der zu Beginn der Gegenseite beim Angriffsversuch von den Beinen kam, gab es am Toto saftige Quoten: Die Dreierwette zahlte 15.245:10 und die Viererwette gar 62.116:10 aus.  

Noch ein weiteres der insgesamt neun Rennen ging an die zahlreich vertretenen bayerischen Teilnehmer. Und zwar an den Bronzehelm Josef Franzl, der am Tag zuvor schon zweimal bei der PMU-Veranstaltung in der Wuhlheide zugeschlagen hatte. „Im Training ist er hinter den Pferden am stärksten und verfügt über immensen Speed – aber der Rennverlauf entwickelte sich so, dass ich dann doch zügig mit ihm nach vorne ging“, kommentierte Josef Franzl seinen Sieg mit Serafino. Der Sohn der großartigen Ina Comtesse (147.116 Euro Gewinnsumme) zog aus der zweiten Spur heraus genau eine Runde vor dem Ziel an die Spitze – und das war es auch schon, denn der vierjährige Hengst spulte das Pensum souverän herunter und legte beim zweiten Start seiner Laufbahn die Maidenschaft ab.

„Er ist ein ganz schöner Heißsporn und recht launisch – aber heute hat er einen tollen Tag erwischt!“, freute sich Katharina Kramer über ihren Sieg mit Rayman. In der Tat – die Leistung des bei 76:10 notierten Wallachs war imponierend. Die Amazone hatte den Sechsjährigen sofort an die Spitze beordert, hielt ihren Schützling dann aber aus allen Gefechten heraus und gab sich zunächst mit dem dritten Platz an der Innenkante zufrieden. Eine clevere Rechnung, die im Einlauf aufging, denn Rayman spielte seine Reserven aus und zog noch leicht an der bereits enteilten Cardea (Michael Schreiber) vorbei.    

Gesamtumsatz: 112.730,50 Euro - Bahnumsatz: 32.913,10 Euro - Außenumsatz:    79.817,40 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Samstag, dem 20. Februar ab 11 Uhr statt. Es handelt sich dabei um eine Matinée-Veranstaltung mit vier PMU-Rennen. Das Champions Teehaus und das Stall-Casino sind für Sie geöffnet.