Der Renntag auf der Trabrennbahn Berlin – Mariendorf: Halva von Haithabu stark wie ein Wikinger

Thomas Panschow und der Hengst Halva von Haithabu (Foto: Marius Schwarz)

Thomas Panschow führt Mijo Ivics Stallcrack zur 14,2-Tagesbestzeit. Prince of Persia (Michael Nimczyk) und Aggetto (Thorsten Tietz) imponieren ebenfalls. 

Berlin, 20. März 2016

„Ich habe immer gesagt: Von hinten ist er am allerbesten!“, jubelte Thomas Panschow im Mariendorfer Winner-Circle nach einem Triumph, an den sich Mijo Ivic,  der Besitzer des siegreichen Hengstes Halva von Haithabu, noch lange und gerne erinnern wird. Sicherlich – sein Traber, der im Vorjahr einen der Derby-Vorläufe gewann, hatte in der Vergangenheit schon höher dotierte Rennen bestritten als die PMU-Prüfung um 5.000 Euro Preisgeld an diesem Berliner Sonntagabend. Aber es handelte sich trotzdem um ein fantastisches Ereignis – denn das Starterfeld las sich wie ein Who‘s who des lokalen Sulkysports. Und es gab neben einem der Klasse der Teilnehmer angemessenen rasanten Tempo ein würdiges, ja geradezu dramatisches Finish. Unmittelbar vor dem Erreichen des Zielpfostens kämpften drei Pferde Kopf an Kopf um Alles oder Nichts.

Dass es ausgerechnet der nach einer zwischen dem achten und elften Jahrhundert bestehenden Wikingersiedlung benannte 114:10-Außenseiter Halva von Haithabu war, der am Ende an Vulkan (Daniel Wagner) und Nileo (Josef Franzl) vorbei die Nüstern nach vorne streckte, verblüffte nicht nur das Publikum, sondern es war auch angesichts des Rennverlaufs sensationell. Denn unterwegs war von dem stets an fünfter Stelle platzierten Hengst eigentlich kaum etwas zu bemerken. Und selbst als das Feld in den Einlauf einbog, hatte der Hengst seine Position noch nicht entscheidend verbessert. Doch auf den letzten dreihundert Metern folgte ein unglaublicher Speedwirbel und Halva von Haithabu, der bei seinem Frankreich-Abstecher Anfang Februar aufgrund eines Infektes nicht sein wahres Gesicht gezeigt hatte, riss das Eisen in der Tagesbestzeit von 14,2/1.900m tatsächlich aus dem Feuer.

Diese Leistung macht Geschmack auf mehr – man darf gespannt sein, wie sich Halva von Haithabu in dieser Saison verkaufen wird. Einen seiner Altersgenossen sollte man ebenfalls genau verfolgen. Nämlich Prince of Persia, der mit dem Goldhelm Michael Nimczyk im Sulky genau das hielt, was sich sein Umfeld von ihm versprochen hatte. Sein Jahresdebüt hätte nicht überzeugender ausfallen können: Vom Startplatz elf aus verbesserte sich der Fuchswallach bereits im ersten Bogen an die dritte Position und ließ sich im Anschluss von seiner einzigen ernsthaften Gegnerin Bellevue (Thorsten Tietz) den Weg zeigen. Auf der Zielgeraden überspurtete der Mommert-Traber seine Konkurrentin in 14,9/1.900m leicht und locker und musste nur das Nötigste tun. Michael Nimczyk: „Alles lief nach Plan und ich brauchte ihn überhaupt nicht zu fordern. Das war erst eine kleine Kostprobe – Prince of Persia wird in den kommenden Monaten garantiert für Schlagzeilen sorgen!“        

Den überlegensten Treffer des Abends landeten Aggetto und Thorsten Tietz. Der für die Farben von Heinz Hutter laufende Wallach verfügt über ein geradezu fantastisches Geläuf – es gibt vom Bewegungsablauf her nur wenige Traber, die optisch derartig stolz wirken. Aggetto spielte seine Trumpfkarten grandios aus und selbst die Tatsache, dass er vor den Tribünen und bis in den trotto.de-Bogen hinein durch die dritte Spur gehen musste, brachte ihn nicht vom Erfolgskurs ab. Den letzten Kilometer absolvierte der Fünfjährige weit vor dem Feld und gewann in 14,7/1.900m mit acht Längen Vorsprung.

Ähnlich dominant präsentierten sich Ukamaya Verderie und Benjamin Hagen, die man als absolutes Dreamteam bezeichnen darf. Beide verstehen sich blind und die gemeinsame Bilanz spricht ein klares Wort, denn die von Magdalena Kieniksman trainierte Stute hat innerhalb weniger Monate stolze 16.000 Euro Preisgeld in Mariendorf verdient. Sie ist in den Trotteur-Francais-Rennen, bei denen sie bei insgesamt  elf Starts nunmehr sechs Siege und vier Platzierungen erkämpft hat, zu einer felsenfesten Bank für das wettende Publikum geworden. Nach den zahlreichen Galoppaden ihrer Kontrahenten übernahm Ukamaya Verderie zu Beginn der Gegenseite die Führung und baute ihren Vorsprung bis zur Ziellinie auf sechs Längen aus.                       

Die von ihrem Trainer Maik Esper gesteuerte Tricolore bereitete ihrem Mitbesitzer Dirk Schüller, der am Samstag fünfzig Jahre alt wurde, ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Die Stute zog eine knappe Runde vor dem Ziel an die Spitze und legte in 15,0/1.900m ein überaus flottes Tempo vor. Der Sieg fiel völlig souverän aus. Auch der dahinter platzierte Mäxchen (Luisa Ehrig) hatte sich angesichts seiner außen herum erzielten Leistung ein dickes Kompliment verdient. Seine ungewöhnliche Serie geht weiter: Der Wallach war wurde bei seinen letzten acht Starts siebenmal Zweiter!

Einen recht ähnlichen Rennverlauf wie Tricolore fanden Blueberry Santana und Michael Hönemann vor. Johann Lenz, der Besitzer der Stute, war eigens aus Wien angereist und brauchte um den Sieg keine einzige Sekunde zu fürchten. Denn die auf der Tribünengeraden nach vorne gestoßene Traber-Lady zog ihr Pensum eisern durch und löste sich mit Erreichen der Zielgeraden entscheidend von den Gegnern. Michael Hönemann: „Ich fühle mich jetzt wieder richtig in Berlin zuhause und finde auf der Trainingsanlage von Dirk Grusdas in Schünow am Rande von Zossen ideale Bedingungen für meine Schützlinge vor.“

Quasi in Mariendorf heimisch fühlt sich auch Josef Franzl, der die Derby-Bahn gerne und häufig aufsucht und selten ohne einen Sieg nachhause fährt. Diesmal punktete der Bayerische Champion mit Tribuno As, der nach vier vergeblichen Versuchen endlich die Maidenschaft ablegte und für den ersten vollen Erfolg seiner Laufbahn geradezu überfällig war. Josef Franzl: „Der Hengst kann einen gehörigen Strich gehen – aber er ist einfach noch sehr unreif und muss noch viel lernen.“ Eine kleine Schrecksekunde musste der Bronzehelm auch diesmal überstehen, denn Tribuno As leistete sich erneut eine kurze Galoppade. Doch vor den Tribünen nahm der Hengst die Verfolgungsjagd auf, ging im Anschluss am ganzen Feld vorbei. Er siegte in 17,3/1.900m völlig überlegen.     

One and Only machte ihrem Namen beim dritten Erfolg en suite alle Ehre und gewann in 15,5/1.900m völlig ungefährdet. André Pögel hatte die zur Quote von 12:10 als Tipp des Tages angetretene Stute sofort an die Spitze dirigiert und lediglich Ende der Gegenseite, als Up to win (Hans-Jürgen von Holdt) in der Angriffsspur im Rush heranflog, kam Spannung auf. Für einen Moment schien die Attacke des Herausforderers sogar erfolgreich zu sein. Doch im Einlauf klärten sich die Fronten deutlich und One and Only wies ihren Gegner mit anderthalb Längen Vorsprung ab. 

Einen völlig anderen Rennverlauf fand Giant Santana Eck vor, denn vom Startplatz neun aus musste Manfred Zwiener, dem der Wallach erstmalig anvertraut war, zunächst abwarten und auf seine Chance lauern. Diese ergab sich erst im Einlauf, wo dem Wallach regelrecht Flügel wuchsen und er als mit Abstand schnellstes Pferd an allen vorbeizog. Manfred Zwiener: „Mir war klar, dass sich Giant Santana Eck gut verkaufen würde, denn die Gegner hatten auf dem ersten Kilometer ein viel zu hohes Tempo vorgelegt. Sein zweiter Platz mit André Schiller in Karlshorst war zudem eine ausgezeichnete Empfehlung. Der Sieg überrascht mich daher keineswegs – der Fuchs wird sich in seiner neuen Heimat Berlin mit Sicherheit gut verkaufen!“

Gesamtumsatz: 100.618,04 Euro – Bahnumsatz: 29.790,00  Euro - Außenumsatz: 70.828,04 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Karfreitag, dem 25. März statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht ein absoluter Klassiker: das renommierte Fritz-Brandt-Rennen 2016! Beginn ist um 13.30 Uhr.