Das Pferdefest des Nordens - Breitensportler begeistern Bad Segeberg

Schwere Kür (Rohwedder)

Pferdefans aus ganz Deutschland feierten am 20. und 21. August gemeinsam die Vielfalt des Pferdesports. Es war das 21. Landesbreitensportturnier, das einmal mehr Pferdefreunde aller Rassen und Disziplinen zusammenbrachte.

(Bad Segeberg.) Unerwartet freundlich lachte die Sonne am vergangenen Wochenende über der Rennkoppel, so dass fast alle der rund 100 ausgeschriebenen Wettbewerbe im Trockenen stattfinden konnten. Umso tapferer waren am Samstagabend die Reiter des Moonlight-Trails, die sich auch von Starkregen nicht einmal die Siegerehrung verhageln ließen. Insgesamt fanden sich knapp 4.000 Besucher, rund 1.000 Teilnehmer und über 600 Pferde und Ponys zusammen, um gemeinsam ein fröhliches, facettenreiches Wochenende im Zeichen der Vielfalt des Pferdesports zu verbringen.

Es ist die entspannte Atmosphäre, die dieses Wochenende auszeichnet. Während auf bis zu 9 Plätzen den ganzen Tag die unterschiedlichsten Disziplinen gezeigt werden, stehen direkt daneben Paddocks und kleine Zelte, in denen Zwei- und Vierbeiner das Wochenende Seite an Seite verbringen. Bei einem Spaziergang über das Gelände blickt man in strahlende Gesichter und entdeckt dabei quasi alles Schöne, was man sich rund ums Pferd so vorstellen kann und auch so manches, was man noch gar nicht kannte, denn auch das ist kennzeichnend für das Landesbreitensportturnier: Hier stehen vor allem Darbietungen im Mittelpunkt, die noch nicht unbedingt ihren Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden haben, obwohl sie nicht weniger fordernd sind als die klassischen Turnierdisziplinen. Insbesondere Wettbewerbe, die für alle Rassen und Reitweisen offen waren, erfreuten sich hoher Nennzahlen. Hier zeigten sowohl turnieraffine Reiter als auch reine Freizeitreiter großartige Ergebnisse und stellten eindrucksvoll unter Beweis, dass die Harmonie zwischen Mensch und Tier an oberster Stelle steht und fast alles möglich ist, wenn das Vertrauen stimmt.

Besonders die offenen Küren waren hoch frequentiert, da hier ganz frei und zwanglos gezeigt werden konnte, was Pferd und Halter gern gemeinsam tun. Erfahrene Richter verteilten Lob und hilfreiche Tipps, die gern angenommen wurden.

Um Erfahrungen ging es auch für eine Delegation der Landesverbände und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, die am Samstag in Bad Segeberg einen besonderen Blick auf die Wettbewerbe im Reiten mit gebisslosen Zäumungen warfen, da es erste Überlegungen dazu gibt, eventuell auch dieser Herausforderung einen Raum im offiziellen Regelwerk, der Wettbewerbsordnung für den Breitensport (WBO), zu geben. In verschiedenen Rittigkeits- und Geschicklichkeitswettbewerben zeigten die Teilnehmer ihr Können und nicht nur die Breitensportler, sondern auch Freunde des klassischen Turniersports stellten ihre Pferde sogar am Halsring vor. „Pferdegerechtes Reiten ist nicht abhängig von der gewählten Reitweise oder Ausrüstung, sondern immer eine Frage von Harmonie und guter Ausbildung.“ erläutert Breitensportbeauftragte Antje Voß. „Deshalb haben beim Pferdefest des Nordens alle Ideen Platz, an denen Pferd und Mensch gleichermaßen Freude haben können. Das ist unsere Vorstellung von Breitensport.“

Und längst nicht all diese Ideen fanden auf dem Rücken der Pferde statt. Gespannfahrer glänzten mit ihren schönsten Gefährten und fanden sich unter anderem auch zum „Fahren auf 6 Beinen“ ein, einem Fahrführwettbewerb ohne Kutsche am langen Zügel. Es wurde viel am Boden gearbeitet und auch gespielt und dabei das ganze Spektrum von bunten Zirkuslektionen über kunterbuntes Horse Agility bis zu ruhigen Vertrauensübungen gezeigt.

Bei den Mounted Games durften dieses Jahr auch die Jüngsten mit einer U14-Klasse Geschick und Geschwindigkeit beweisen. Überhaupt zeigte diese Veranstaltung, dass Spaß und Engagement für den Pferdesport keine Altersgrenzen kennen. Von den ganz Jungen bis hin zu den Senioren war sowohl auf Pferde- als auch auf Menschenseite alles vertreten. Die erst 10-jährige Emily Hope Skopnik und ihr Pony Flavour of Baltic Sea gewannen den Wettbewerb Kilometersammler im Rahmen der SternStafettenaktionen mit 94,1 gemeinsam gerittenen und gefahrenen Kilometer. Die SternStafetten setzen sich durch einen gelebt sorgsamen Umgang mit der Natur für mehr Reit- und Fahrwege im Norden ein und ritten pünktlich zum großen Aufmarsch am Sonntagmittag von ihrer letzten Etappe dieses Jahres ein. Auf stolzen 2.457,8 km stellten sie unter Beweis wie achtsam Fahrer und Reiter mit ihrer Umwelt umgehen.

Während der großen Ehrung am Sonntag wurde auch jenen gedankt, die dieses Wochenende hinter den Kulissen zu dem machen, was es ist. Neben dem bunten Potpourri der Teilnehmer, Pferde und Ponys sind das vor allem die 11 Vereine, 40 Organisatoren und rund 300 ehrenamtlichen Helfer, die das ganze Wochenende für einen reibungslosen Ablauf sorgten.

Stellt man auf dem Landesbreitensportturnier die Frage: „Was ist hier am spannendsten?“ wird man so viele unterschiedliche Antworten bekommen wie Befragte. Westernreiten, Kostümvoltigieren, Quadrillen, Fohlen, Kaltblüter, Ponys, Barockreiter, … Die Liste ist so lang und bunt, dass man sie selbst erlebt haben sollte – zum Beispiel nächstes Jahr, wenn der Pferdesportverband Schleswig-Holstein e.V. erneut zum Pferdefest des Nordens lädt und eine bunte Schar von Pferdefreunden dem Ruf folgen wird, denn nicht umsonst sind viele Teilnehmer immer wieder mit dabei – einige sogar schon seit 21 Jahren.