CCI4* Badminton: Michael Jung verpasst am letzten Sprung den Sieg

 

Deutsche Badminton-Debütanten auf den Plätzen zwei und vier

Badminton/GBR (fn-press). Alles bleibt, wie es ist. Deutschland hat noch immer keinen Badminton-Sieger. So nahe dran wie in diesem Jahr, waren die deutschen Vielseitigkeitsreiter in den vergangenen 64 Jahren jedoch noch nie, die berühmte CCI4*-Prüfung in Badminton zu gewinnen. Erst ein Abwurf am letzten Hindernis des Parcours verhinderte das „historische“ Ereignis und einen vierten Titel-Gewinn für Doppel-Olympiasieger, Welt- und Europameister Michael Jung (Horb) mit La Biosthetique Sam. Wie schon vor ihm Andreas Dibowski (2007 und 2010) und Ingrid Klimke (2006) belegte Jung den zweiten Platz.

„Das war wie London – nur umgedreht“, sagte Bundestrainer Hans Melzer, in Erinnerung an das spannende Abschlussspringen bei den Olympischen Spielen 2012. Damals hatte die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt das Nachsehen, Jung gewann Einzelgold. In Badminton war es nun der 29-jährige Jonathan Paget aus Neuseeland, der zuletzt triumphierte. Nach Dressur und Geländeritt auf Platz zwei, setzte er Jung mit einer Nullrunde im Parcours unter Druck. Paget beendete die Prüfung mit 39,7, Jung mit 40,0 Minuspunkten. „Ein bisschen Glück gehört eben auch dazu“, sagte Melzer. „Das war hier Sport auf allerhöchstem Niveau. Und mit einem zweiten und einem vierten Platz für unsere Badminton-Debütanten können wir mehr als zufrieden sein.“

Denn nicht nur für Michael Jung war es der erste Start bei den Badminton Horse Trials, dem „Wimbledon“ der Vielseitigkeitsreiter. Auch die Olympia-Dritte Sandra Auffarth (Ganderkesee) betrat damit Neuland. „Am schwersten einzuschätzen war es, wie es mit der Zeit klappt“, sagte sie nach der ersten Besichtigung des Geländekurses. Am Ende bereiteten ihr aber weder die Hindernisse, noch die Zeit Probleme. Gerade einmal drei Sekunden zu spät kamen sie und Opgun Louvo ins Ziel und demonstrierten zum Abschluss mit einer Nullrunde im Springen nochmals ihr Können. Mit 43,5 Minuspunkten beendete das Paar die Badminton-Premiere auf Platz vier.

Dritter zwischen Jung und Auffarth wurde Andrew Nicholson mit Nereo. Der Neuseeländer konnte bereits zum zehnten Mal die Prüfung in Badminton beenden, gewinnen konnte er sie allerdings noch nie. Dabei wäre in diesem Jahr ein erster Platz für ihn besonders vorteilhaft gewesen: Nach seinen Siegen in Burghley und Lexington wäre ihm damit der mit 350.000 Dollar dotierte Grand Slam gelungen. Dafür müssen die drei Topprüfungen in Folge gewonnen werden. Doch weder ihm, noch dem zweiten Grand-Slam-Anwärter William Fox-Pitt, Sieger in Burghley 2011 und Lexington 2012, gelang es, den Jackpot nicht knacken. Dicht dran war aber auch er: Mit Parklane Hawk belegte er Platz fünf (44,0).

Das CCI4* Badminton war in diesem Jahr so hochkarätig besetzt wie selten zuvor. „Das hatte absolut Championatsniveau“, sagte Hans Melzer. Das galt auch für das deutsche Aufgebot. Neben den Mannschaftsolympiasiegern Jung, der mit Zweitpferd Leopin FST als „Pathfinder“ Platz 47 belegte, und Auffarth gingen auch ihre Londoner Teamkollegen Ingrid Klimke (Münster) mit FRH Butts Abraxxas und Dirk Schrade (Sprockhövel) mit King Artus an den Start. Ingrid Klimke blieb in der Dressur etwas unter ihren Möglichkeiten und beendete die Prüfung mit zwei Abwürfen im Springen auf Platz 16 (53,0). Dirk Schrade gab nach einer guten Ausgangslage in der Dressur – Platz drei – im Gelände nach einer Verweigerung am Wasserhindernis auf.

Wie Dirk Schrade verzichtete am bekannten "Lake"auch Kai Rüder (Blieschendorf) mit Leprince des Bois auf die Fortsetzung seines Rittes. Für Bettina Hoy endete die Vier-Sterne-Prüfung mit ihrem Trakehner Lanfranco TSF noch früher, nach einem Sturz am Huntsman’s Close. „Sie will nun nächste Woche in Chatsworth reiten“, sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Insgesamt beendeten 65 von 84 Startern die Prüfung, davon 21 mit einer Nullrunde im Gelände. Darunter auch Andreas Dibowski (Döhle), dessen Butts Leon allerdings am Montagmorgen in der Verfassungsprüfung nicht mehr fürs Springen zugelassen wurde. Fehlerfrei kamen auch Kai-Steffen Meier (Waldbröl) und TSF Karascada M durch die Geländestrecke. Das Paar beendete seinen zweiten Badminton-Start nach 2009 mit seinem Dressurergebnis von 57,3 Minuspunkten auf Platz 23. Bereits zum vierten Mal absolvierten die in Großbritannien lebende Anna Warnecke mit Twinkle Bee das CCI4* Badminton (70,2 Minuspunkte/Platz 39).

Foto von Kit Houghton/FEI: Jock Paget (NZL) und Clifton Promise