Britta van der Wall: „Meine heile Welt hat viele Standbeine“


Britta van der Wall: „Meine heile Welt hat viele Standbeine“

(von Jan-Pierre Habicht – www.pferdefreunde.co)

 

 

 

Klosterdorf (jph) Es ist ein sonniger Tag in Klosterdorf/Märkisch Oderland am östlichen Stadtrand von Berlin. Die Stürme der Vortage wären fast vergessen, wenn man nicht auf einer unendlichen großen Freifläche stehen würde zwischen Koppelzäunen, Wäldern und einem unfertigen Haus. Denn ein leichtes Lüftchen weht einem schon noch um die Nase. Aber es ist angenehm warm.

 

In der Ferne am Rande eines Waldstückes inmitten von Koppeln hört man Hundegebell. Wahrscheinlich die Reaktion auf das Motorengeräusch meines Pick Up. Aus dem Wald kommt zuerst ein Hund geflitzt und dann Britta van der Wall hinterher - wesentlich gemächlicher. Es dauert eine ganze Weile, bis die sportliche, mittelgroße Frau mit Basecap vor mir steht und lächelt.  Viel Zeit hat sie nicht, sagt sie. Wir schnappen uns zwei ausgeblichene Monoblocks und setzen uns an einen Stapel Europaletten. Natürlich wurde es kein Interview, sondern eher ein Tratschen über die Gegenwart und die Zukunft, über persönliche Einstellungen und die Nachbarn, über Pferde und Menschen.

 

Britta van der Wall ist Anfang vierzig und hat seit nunmehr dreißig Jahren mit und an Pferden zu tun. Wenn man aus dem Ostteil der Stadt stammt und sich für Pferde interessierte, war es zu DDR-Zeiten nicht so leicht, mit Pferden zu arbeiten. „Da blieb für mich nur die Galopprennbahn in Hoppegarten, wenn ich an Pferde ran wollte“, erzählt sie. Viele Freunde von damals sind weggezogen – in den Westen. Auch Britta zog es aus familiären Gründen auf die andere Seite. Sie fand nach einigen Jahren aber wieder zu ihren Wurzeln zurück.

 

Von ihren vielen Standbeinen war der Beruf der Physiotherapeutin das erste. Relativ schnell entschied sie sich für die berufliche Unabhängigkeit und wurde 1992 Freiberuflerin. Aber ein Mensch wie Britta mit dem Hang zur naturnahen Heilung von Lebewesen jeglicher Art, hatte mehr im Sinn. Ihr großes Ziel bestand schon frühzeitig in der Verwirklichung ihrer Idee, nicht nur Menschen, sondern auch Tiere zu heilen. Und das möglichst ohne Chemikalien – auf sanfte Art eben. Heute lesen sich ihre Qualifikationen wie ein heilkundlerisches ABC. Britta ist Hippotherapeutin, Bobaththerapeutin, Physiotherapeutin und Heilpraktikerin für Mensch und Tier sowie Baubiologin. Sie arbeitet als Pferdetrainerin, gibt Reitunterricht und züchtet Pferde.

 

Und ganz nebenbei stampft sie das Klosterdorfer Projekt „HEILe ERDE“ aus dem Boden. Auf einer Fläche von zwölf Hektar macht sie ihren Traum wahr und verbindet all ihre Fantasien, beruflichen Qualifikationen und  privaten Interessen zu einem großen Ganzen. Der Baustoff Lehm, der auch Heilerde genannt und als solche verwendet wird, kommt dabei vorwiegend zum Einsatz. Am Ende, wenn in ein paar Jahren alles fertig sein wird, gibt es einige Lehmbäder für Menschen an der frischen Luft, eine Physiotherapie im Haus, Sattelkammern, Futterkammern, eine kleine, überdachte Reithalle,eine Multifunktionshalle,  eine Obstbaumwiese, Offenställe und einen Naturgarten. Die Hälfte des Weges hat Britta schon geschafft und dabei nur wenig Hilfe in Anspruch genommen. Aber sie hat Zeit: „Mit Druck geht sowieso nur alles schief. Alles fügt sich von ganz allein, wenn man entspannt und ausgeglichen ist.“

 

Ausgeglichen sind auch ihre vier Pferde, die auf „platzsparenden“ zehn Hektar Ackerland und Wald stehen dürfen. Macht zweieinhalb Hektar pro vier Hufe. Die Pferde sind das ganze Jahr über draußen. Britta hat im Wald einen kleinen Unterstand gebaut. Da findet man die Quarterhorses und das Englische Vollblut aber selten. Meist schlendern sie im Verband über die Wiesen oder traben locker dahin. Eines der Pferde ist zur Ausbildung da. „Im nächsten Monat kommen vielleicht noch zwei weitere, dann reicht es aber auch“, meint sie – und weiter: „ Es können ja sowieso nur Menschen sein, die mit meiner Art zu leben und mit meinem Umgang mit Pferden zurechtkommen.“ Und das kann manchmal schwierig werden. Steht das Pferd bei Regen nicht im Stall, ist das Fell eben nass. Dann wird es nix mit dem Ausritt. Dieser Verlust ist aber für Britta nicht zu erkennen. Sie will lieber optimale Bedingungen für ihre Pferde. Da kann sie gerne auf einen Ausritt verzichten. Auch in solchen Situationen ist ihr Stressfreiheit lieber als Druck.

 

Der einzige Druck, den Britta zulässt, ist der im Tank ihres Erdgasfahrzeugs. Das benutzt sie allerdings nur selten, da sich das Projekt direkt neben ihrer Wohnung in Klosterdorf befindet. Dort wird es allmählich wärmer und windiger. Und Britta ist nicht der Mensch, der sagt, dass jetzt Schluss ist. So verabschiede ich mich freiwillig und lasse nochmal meinen Blick über die Koppeln schweifen. Die Herde ist nirgends zu sehen.

 

 

 

Weitere Infos zu Britta van der Wall und ihrem Projekt „HEILeERDE“ finden Sie unter www.heile-erde.de

 

 

 

Wenn auch Sie eine interessante Geschichte zu erzählen haben oder uns Pferdefreunden ihre Gedanken nahe bringen wollen, können Sie sich gerne an info@pferdefreunde.co wenden.