Breeders Crown in Berlin-Mariendorf 2013: Weit mehr als nur Siege und Niederlagen

 

Der Breeders-Crown-Sonntag bietet Trabrennsport vom Feinsten. Im 7. Rennen gibt es einen Viererwetten-Jackpot in Höhe von 5.132 Euro. Die V5 lockt mit 7.500 Euro Garantieauszahlung.

Berlin-Mariendorf, 3. November 2013 (Beginn 13.30 Uhr).

Packende Rennverläufe und dramatische Finishkämpfe: Der Sulkysport ist weit mehr als nur eine Bühne für Siege und Niederlagen. Die Rennbahn ist der Ort der Emotionen – jeder Besucher hat seine eigenen Lieblingspferde und Fahrer, mit denen er bis zum Zielpfosten mitzittert und jeder Fan sucht sich beim Blick ins Rennprogramm schon weit vor dem Start diejenigen Prüfungen aus, die ihn am meisten begeistern. Am Sonntag, dem großen Breeders-Crown-Finaltag, ist die Sympathieverteilung allerdings keine ganz leichte Angelegenheit. Denn ob es nun der Auftritt der Youngster, die Gala der Derby-Cracks oder der Showdown der Vierjährigen sein wird – was die Zuschauer am meisten mitreißt, ist im Vorfeld nur schwer zu beurteilen.

Schauen wir uns also die nach Jahrgang und Geschlecht unterteilten sechs Breeders-Crown-Hauptläufe und das mit rund 250.000 Euro (inklusive Züchterprämie) dotierte Mariendorfer Geschehen einfach mal in chronologischer Reihenfolge an. Im 2. Rennen wird nicht nur der Puls des Recklinghäuser Besitzers Klaus Bockhoff, sondern des gesamten Berliner Publikums in die Höhe schnellen, denn Georgina Corner (Thorsten Tietz) hat mit ihren tollen Leistungen längst die Herzen des Hauptstadt-Publikums erobert. Bei der Entlastung zum Großen Preis von Deutschland war die bei vierzehn Starts elfmal erfolgreiche Stutenderby-Siegerin bereits klare Zweite, als sie eingangs der Bahrenfelder Zielgeraden völlig unvermittelt von den Beinen kam. Falls sich die Braune jeden Fehler verkneift, sollte sie Iniesta (Gerd Biendl) und Tara Hall (Michael Schmid) problemlos in Schach halten können.

Im 3. Rennen wird es für die zweijährigen Hengste und Wallache ernst. Der aus der Erfolgsschmiede des niederländischen Trainers Paul Hagoort stammende Eugene F Boko (Robin Bakker) gewann zuerst den Trial zum Preis des Winterfavoriten und steigerte sich im Anschluss mit seinem Erfolg in der Entlastung dieses Zuchtrennens auf eine 1:15,5-Rekordmarke. Exakt genauso schnell war der von Roland Hülskath gesteuerte Indover bei seinem dritten Platz in dem mit 25.000 Euro dotierten Jugendpreis in Daglfing unterwegs. Dabano As (Rob de Vlieger) nahm in der Derby-Woche mit seinem Triumph im Auktionsrennen sogar noch mehr Geld auf. Juppi (Conrad Lugauer) war im gleichen Rennen vier Längen zurück Zweiter – ein toller Einstieg in die Karriere. Aber auch Way Scott (Robbin Bot) ist nach seinem tollen Hamburger Debüt genauso wie Elton Attack (Heinz Wewering), der in Dänemark gepunktet hat, mehr als nur interessant.

Das 4. Rennen wird zwar nur als Entlastung für vierjährige Hengste und Wallache ausgetragen – dennoch ist eine doppelte Portion Pfeffer in der Partie. Zum einen, weil hier der Startschuss für die mit 7.500 Euro Garantieauszahlung ausgestattete V5-Wette erfolgt, zum anderen, weil mit Chapeau ein sehr prominenter Teilnehmer dabei ist. Die Leinen des Krogmann-Trabers nimmt, wie schon beim Hamburger Sieg in der Grand-Prix-Entlastung, natürlich Erik Adielsson in die Hand. Der Fuchshengst sticht als klarer Favorit heraus – dennoch darf man besonders auf den Herausforderer Andersson Mo (Michael Nimczyk) gespannt sein. Der Mommert-Traber muss diesmal zwar eine gewaltige Schippe drauflegen, hat sich aber bisher stets mit seinen Gegnern gesteigert.

Im 5. Rennen kommen die zweijährigen Stuten ran und Mariendorf darf zu diesem Anlass eine Legende des europäischen Trabrennsports begrüßen. Der berühmte Jean-Pierre Dubois wird sich in den Sulky seines Zuchtproduktes Stacelita setzen. Die in Dänemark und Schweden siegreiche Vierbeiner-Lady trifft allerdings auf eine unbequeme Gegnerin: Die wie immer von Roland Hülskath gesteuerte Aint she sweet, die kleine Schwester des Amerique-Triumphators Abano As und des Derby-Siegers Ambassador As, ist noch ungeschlagen und präsentierte sich bei ihren beiden Erfolgen wie ein Pferd mit riesiger Zukunft. Lady Good Wood (Michael Nimczyk), Star Potential (Robin Bakker) und Eva Kievitshof (Thomas Panschow) sind ebenfalls aus edlem Holz geschnitzt.

Der nächste Knüller ist das 7. Rennen: Beim Hauptlauf der dreijährigen Stuten wird ein Viererwetten-Jackpot in Höhe von 5.132 Euro ausgespielt. Wer könnte das gesuchte Quartett bilden? Stall Adamas’ Red Riding Hood (Conrad Lugauer) gehört zweifellos ganz oben auf den Tippschein, denn bei ihrem superben Vier-Längen-Sieg in Hamburg ließ die kleine Schwester des in Berlin bestens bekannten Halifax ihre Gegner blass aussehen. Sie muss sich dennoch warm anziehen, falls die amtierende Stutenderby-Siegerin Fräulein Wunder (Roland Hülskath) von der Position sieben aus die Startphase heil übersteht. Welches Können das „Fräuleinwunder“ nämlich besitzt, bewies die Love-You-Tochter beim Stutenlauf des St. Legers, als sie nach einem kapitalen Anfangsfehler noch den Ehrenrang herausspurtete.

Das 9. Rennen, der Hauptlauf der dreijährigen Hengste und Wallache, wird zum Auftritt etlicher Derby-Stars: Der große Triumphator Tiger Woods As ist zwar nicht dabei und genießt schon die verdiente Winterruhe, dafür springt aber sein Stallgefährte Stanislawski (Robin Bakker) in die Bresche. Im September musste der Fuchshengst eine leichte Infektion auskurieren, sein Comeback als Vierter im St. Leger Hauptlauf war daher – auch angesichts des Verlaufs in der Außenspur – alles andere als schlecht. Als Sieger dieses Rennens trabte allerdings Shoemaker von der Bahn, mit dem sich Heinz Wewering nun von der Zwei aus sofort in den Kampf um die Spitze einschalten wird. Innen neben Shoemaker ist Nu I Nu postiert. Der Derby-Vierte besitzt einen gehörigen Antritt, sein Fahrer Hugo Langeweg wird ihn daher auf den ersten Metern richtig treten lassen, während der diesmal Michael Nimczyk anvertraute Fridericus vermutlich vorsichtig ins Rennen gebracht wird und seine Chance von hinten nutzen könnte. Alle genannten Teilnehmer müssen sich aber vor Magic your Way (Conrad Lugauer) in Acht nehmen, der im Derby-Vorlauf zwar von den Stewards aus der Wertung genommen wurde, durch seine Siege in Jägersro, Aby und Halmstad aber bestens empfohlen ist. Der etwas wechselhafte Let’s win (Maik Esper) ist ebenfalls gefährlich.

Das Beste zum Schluss – so könnte man den als 10. Rennen ausgetragenen Hauptlauf der vierjährigen Hengste und Wallache bezeichnen. Diese Prüfung bildet zwar nicht den Abschluss der Mariendorfer Veranstaltung und es folgen noch zwei weitere Rennen – aber das Kräftemessen der Vierjährigen ist dennoch so etwas wie das große Breeders-Crown-Finale. Denn mit dem von Erik Adielsson präsentierten Krogmann-Hengst Indigious tritt ein Pferd an, dass auf dem Weg zur europäischen Spitze ist. Sein zweiter Platz beim Großen Preis von Deutschland und schon zuvor der vierte Rang in 1:11,0 min. beim Grand Prix de l’U.E.T., bei dem mit ein bisschen Glück noch weit mehr drin gewesen wäre, sind der klare Beweis dafür. Indigious ist der eindeutige Star des Berliner Wochenendes – doch die Dramaturgie gleicht einem Thriller, denn der Topfavorit muss den Startplatz acht in Kauf nehmen. Er trifft auf einen Gegner, der sich unbedingt rehabilitieren will: Dream Magic BE (Josef Franzl) hat weit mehr in petto, als er seit der Rückkehr aus seiner einjährigen Ruhepause zeigen konnte. In Berlin fiel Alois Wegscheiders Hengst nach einer Behinderung aus, beim Großen Preis von Deutschland war er konditionell noch nicht weit genug. Dazwischen schlug der Derby-Sieger des Jahres 2012 aber beste bayrische Klasse in Form eines Graf Steding, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken. Wenn Dream Magic BE diesmal tatsächlich die Erwartungen seines Stallteams erfüllt, dann dürfen sich die Zuschauer in Mariendorf und an den Bildschirmen auf ein packendes Duell freuen.        

Unsere Tipps:

1.Graceland – Inara – Holly go lightly

2.Georgina Corner – Iniesta – Tara Hall

3.Eugene F Boko – Juppi – Dabano As

4.Chapeau – Andersson Mo – Vantastic

5.Stacelita – Lady Good Wood – Eva Kievitshof  

6.Salut – Halifax – Sahir

7.Red Riding Hood – Fräulein Wunder – Dear Butcher – Donna Kievitshof  

8.Betterthancheckers – Oncoming Diamant – Bogey Boko

9.Shoemaker – Stanislawski – Nu I Nu

10.Indigious – Dream Magic BE – CC Rider

11.Simply The Best – Fiona Bo – Hepburn

12.Crizzly Bear – Waiting Laday – VanHalen