Berufsreiterchampionat Vielseitigkeit: Michael Jung und Sam siegen erneut

Marbach (fn-press). Mit einer Topbesetzung konnte in diesem Jahr die internationale Marbacher Vielseitigkeit aufwarten, denn die hügelige Geländestrecke rund um das baden-württembergische Haupt- und Landgestüt machte die Veranstaltung zur passenden Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in London. Den Ton gab einmal mehr Michael Jung an. Mit La Biosthetique Sam wiederholte der Welt- und Europameister aus Horb seinen Vorjahressieg und sicherte sich zugleich den Titel des Berufsreiterchampions der Sparte Vielseitigkeit – zum dritten Mal in Folge.

Schon in der Dressur des CIC*** setzten der Welt- und Europameister und sein Championatspferd La Biosthetique Sam FBW ein Zeichen. Mit 29,1 Minuspunkten erzielten sie ihr persönliches Bestergebnis. Am Ende kamen gerade einmal 0,4 Strafpunkte für Überschreiten der erlaubten Zeit im Gelände hinzu – eine Sekunde war das Paar zu langsam. „Die Zeit in Marbach ist immer schwierig zu knacken“, sagte Jung nach seinem Ritt. „Der Kurs war super aufgebaut, mit interessanten Sprüngen, bei denen die Pferde auch etwas lernen können.“ Wie schon im vergangenen Jahr und auch bei den Europameisterschaften in Luhmühlen im vergangenen Jahr heftete sich Sandra Auffarth mit Opgun Louvo dem Weltmeister am dichtesten an die Fersen. Sie beendete die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis von 32,7 Minuspunkten auf Platz zwei. Für die Pferdewirtin aus Ganderkesee bedeutete das die Silbermedaille im Berufsreiterchampionat.

Während Jung und Auffarth in Marbach ihre vierbeinigen Stars gesattelt hatten durfte FRH Butts Abraxxas, das potenzielle Olympiapferd von Ingrid Klimke, nach seinem Sieg in Vairano im Stall bleiben. Dafür sattelte die Reitmeisterin aus Münster gleich drei Nachwuchspferde im CIC***: Das beste Ergebnis ging auf das Konto des zwölfjährigen Trakehners Tabasco, den am Ende nur zwei Zehntel von Sandra Auffarth trennten: Das hieß Platz drei und Bronze im Berufsreiterschampionat Vielseitigkeit. Glänzend bestand auch die achtjährige FRH Escada JS ihre Drei-Sterne-Bewährungsprobe. Die Stute, im vergangenen Jahr mit Andreas Brandt im Sattel Vizeweltmeisterin der jungen Vielseitigkeitspferde, beendete die Prüfung auf Platz vier (39,60) – punktgleich mit Michael Jungs Zweitpferd Leopin FST, der eigentlich für das CCI**** Badminton Anfang Mai vorgesehen war. Doch die britische Traditionsprüfung musste allerdings wegen Überflutung abgesagt werden, ebenso wie das CIC*** Chatsworth, das parallel zu Marbach stattfinden sollte.

Wie schon in den letzten Jahren war das Berufsreiterchampionat Vielseitigkeit in das CIC*** eingebettet. In keiner anderen Reitsportdisziplin finden sich in der Spitze so viele geprüfte Berufsreiter wie in der Vielseitigkeit. Auch auf den weiteren Plätzen liest sich die Ergebnisliste wie die aktuelle Kaderliste für London. Mit 41,1 Minuspunkten rangiert Dirk Schrade (Sprockhövel) mit King Artus auf Platz sechs, gefolgt von Kai-Steffen Meier (Waldbröl) mit Karascada TSF auf Rang sieben. Das Paar beendete die Prüfung mit seinem Dressurergebnis von 42,6 Minuspunkten. „Die Stute ging sehr ruhig und Kai-Steffen konnte richtig was riskieren. Das war bislang ihre beste Dressur“, sagte Bundestrainer Hans Melzer (Putensen).

Damit nicht genug besetzte Andreas Dibowski (Döhle) mit FRH Butts Avedon Platz neun (46,0) hinter dem Japaner Kenki Sato, dem es mit Chippieh als Einzigem gelang, die starken deutsche Reihe zu unterbrechen (Platz acht/44,1). Der letzte Platz in den Top Ten ging noch einmal an Michael Jung, dessen achtjähriges Nachwuchspferd Halunke FBW – ein weiterer Sohn des Vollblüter Heraldik xx – seine Drei-Sterne-Taufe bestand und nun zusammen mit Leopin FST und Weidezaunprofi’s River of Joy in Luhmühlen an den Start gehen soll. Sam dagegen „hat in diesem Jahr nicht so viel Programm. Wir konzentrieren uns voll auf London, gehen dann in Aachen an den Start und hoffen, dass der Bundestrainer uns nominiert“, sagte Jung.

Last but not least wurde der Erfolg der deutschen Olympiaanwärter durch eine elften bzw. zwölften Platz für Peter Thomsen (Lindewitt) – der einzige Nicht-Berufsreiter – mit Horseware’s Barny und Dirk Schrade mit Zweitpferd Hop and Skip komplettiert. „Die Pferde haben den Kurs super gemeistert. Es war toll zu sehen, wie motiviert auch die Drei-Sterne-Neulinge galoppiert sind“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. Für sie gab es in Marbach auch Punkte für den Derby-Dynamic-Cup. Das beste Ergebnis im neuen U25-Förderpreis Vielseitigkeit erzielte Franziska Roth (Dörpen). Sie landete mit Dictus J auf Platz 13 (50,9).          Hb

Preis der Besten: Sieg für Pia Münker und Leoni Leuwer

Warendorf / Marbach (fn-press). Zeitgleich, aber nicht am selben Ort ermittelten in diesem Jahr die Nachwuchsvielseitigkeitsreiter ihre „Besten“. Während die Junioren und Jungen Reiter gemeinsam mit den Dressur- und Springreitern beim „Preis der Besten“ in Warendorf an den Start gingen, traten die Ponyreiter im rund 550 Kilometer entfernten baden-württembergischen Haupt- und Landgestüt Marbach gegeneinander an.

In Warendorf ging der Titel wie schon im Vorjahr ins Rheinland. Nach den drei Teilprüfungen Dressur, Springen und Geländeritt erwies sich Pia Münker als die „Beste“. Die 19-jährige Abiturientin aus Meerbusch verwies mit ihrem siebenjährigen Rheinländer Louis M v. Lissabon die beiden Junioren, Christoph Wahler (Bad Bevensen) mit Welleby und Josephine Wilms (Bergkamen) mit Corvette D, auf die Plätze.

Es war ein kleines Starterfeld, das in diesem Jahr den „Besten“-Titel unter sich ausmachte. 14 Reiter hatten eine Startgenehmigung für Warendorf erhalten. „Wir haben aus dem letzten Jahr nur wenige M-reife Junioren, die waren alle drei hier und haben sich sehr gut geschlagen Zwei Junge Reiter gehen an diesem Wochenende im CIC*** Marbach, Freya Füllgraebe und Franca Lüdeke, und einige andere treten in Everswinkel an, weil ihnen noch die FEI-Qualifikation für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften fehlt. Ich gehe davon aus, dass es nächstes Jahr wieder um die 20 Paare sein werden“, sagte Bundestrainer Rüdiger Schwarz (Sassenberg).

Ursprünglich wollte auch Pia Münker in Everswinkel antreten, änderte dann aber kurzfristig ihre Pläne, nachdem sie mit Louis M bei ihrem ersten CIC**-Start in Velen vor zwei Wochen Platz sechs belegte. „Pia hat die Nominierung für den Preis der Besten mit einer tollen Leistung bestätigt“, sagte Rüdiger Schwarz. Bereits in der Dressur hatte Paar die Nase vorn. 43,3 Punkte erhielten der Vize-Bundeschampion von 2010 und seine Reiterin auf dem Viereck. Ein Abwurf im Springen kostete sie allerdings die Spitzenposition. Für kurze Zeit mussten sie diese Ben Leuwer (Königswinter) und Cappuccino überlassen. Der Bundeswehrsportschüler blieb als Einziger im Parcours fehlerfrei und konnte sich damit sein Dressurergebnis von 45,0 Minuspunkten erhalten. Sein Weg zu einem möglichen Sieg scheiterte allerdings in der Geländeprüfung. An Hindernis 13 musste er unfreiwillig aus dem Sattel und schied aus.

Begonnen hatte der Geländeritt als dritte und letzte Teilprüfung mit einem Highlight. Christoph Wahler und die 17-jährige Rappstute Welleby beendeten den Kurs ohne Fehler und blieben bis zum Schluss die Einzigen, die innerhalb der erlaubten Zeit ins Ziel kamen. Damit kam das Paar auf einen Endstand von 54,60 Minuspunkten, der nur noch von Pia Münker mit Louis M unterboten wurde (50,50). 58,1 Minuspunkte schlugen beim Preis der Besten für Josephine Wilms und Corvette D zu Buche; zum Dressurergebnis von 49,7 Minuspunkten kamen vier Strafpunkte im Springen und 4,4 Strafpunkte für Zeitüberschreitung im Gelände hinzu. Das bedeutete Platz drei vor der dritten Juniorin im Starterfeld: Pauline Knorr aus Hude, Deutsche Meisterin 2011, mit Abke’s Boy (59,8). Knapp dahinter landete Jana Weyers (Kamp-Lintfort) mit Lardina auf Platz fünf (59,9).

Was ihrem großen Bruder Ben im Warendorf Marbach versagt blieb, gelang der 14-jährigen Leoni Leuwer in Marbach. Sie gewann nicht nur die internationale Ponyprüfung (CCIP*), sondern zugleich auch den „Preis der Besten“ in ihrer Sparte und Altersklasse. „Das war eine solide Leistung“, lobte Bundestrainer Fritz Lutter (Warendorf). Leoni Leuwer und ihre elfjährige Ponystute Camissa Nera v. Caprimond beendeten die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis von 43,7 Minuspunkten. „Die beiden haben sich über den Winter deutlich verbessert. Im vergangenen Jahr war das manchmal noch etwas unkontrolliert. Hier in Marbach zeigten sie eine richtig gute Dressur und der Geländeritt war vom Feinsten“, so Lutter.

Auf dem zweiten Platz landete Hanna-Lea Kehrer aus Reutlingen mit dem mittlerweile 18-jährigen Cyrano, mit dem Julia Krajewski bereits 2001 Doppel-Gold bei den EM in Spanien gewann. Der Fuchswallach erwies sich in Marbach als putzmunter. Er beendete die Prüfung ebenfalls mit seinem Dressurergebnis von 47,0 Minuspunkten und rückte damit vom 14. auf den zweiten Platz im CCIP* vor. Eine goldene Schleife gab es für diese Leistung obendrein: die des baden-württembergischen Landesmeisters in der Pony-Vielseitigkeit.

Dritte in der Preis-der-Besten-Wertung wurde Flora Reemtsma (Groß Wahlstorf) mit Pamira LK. Ihr Endstand von 52,4 Minuspunkten bedeutete im internationalen Starterfeld allerdings Platz neun. Neben Pamira LK hatte Flora Reemtsma noch ein weiteres Eisen im Feuer, Ex-Europameisterin Dorina. Mit ihr gewann sie zunächst die Dressur, verzichtete nach zwei Verweigerungen im Gelände jedoch darauf, das Pony am Sonntagmorgen im Springen vorzustellen. An ihrer Stelle rückte nach dem Geländeritt die Dressur-Zweite Rebecca-Juana Gerken (Rümpel) mit Chagall an die Spitze vor, fiel aber im Springen mit 25 Strafpunkten weit zurück. „Das Springen in dem großen Marbacher Stadion ist sehr anspruchsvoll. Das hat echten Championatscharakter“, sagte Fritz Lutter.

Das bekamen auch Sarah Schmierer (Erdmannhausen) mit Bundeschampion Moonlight Kiss und Anna-Katharina Vogel (Biessenhofen) mit Mac Ide zu spüren, die jeweils 16 Strafpunkte im Parcours in Kauf nehmen mussten. Damit wurden die beiden Teamreiterinnen, die zusammen mit Hanna Lea Kehrer und Katja Wolf (Ditzingen) mit Puccini die deutschen Farben im Alpencup vertraten, vom dritten beziehungsweise vierten Platz nach hinten durchgereicht. Für die deutsche Mannschaft hieß dies Platz zwei hinter den Franzosen, die sich mit 150,1 Minuspunkten den Sieg vor Deutschland (163,3) und Italien (176,4) sicherten. Das beste Einzelergebnis für Frankreich erzielte Justine Lacroix mit Piksou Perrochel. Sie belegte mit einem Endstand von 49,0 Minuspunkten Platz drei im CCIP*.          Hb