Berlin-Mariendorf: Herana und André Pögel doppelt unterschätzt

 

 

Herana und André Pögel

doppelt unterschätzt

 

Das Gespann gewinnt den Vorlauf und
das Finale des Advents-Preises der
Amateure zu dreistelligen Quoten

 

Bevor es am 30. Dezember mit einer Serie von PMU-Renntagen auf der Mariendorfer Bahn weitergeht, stand die letzte Standardprüfung der Saison 2011 auf dem Programm. Für das Team um den Trainer Bernd Klein und für den Fahrer Andre Pögel wurde der mit insgesamt 12.000 Euro dotierte Advents-Preis der Amateure pünktlich zum Weihnachtsfest genau das passende Präsent – dank ihrer fünfjährigen Stute Herana, die sich in überzeugender Manier einen der beiden Vorläufe und im Anschluss das große Finale sicherte.

Den ersten Schritt auf dem Weg zum Erfolg tat Herana getreu nach der Devise „Wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte“. Denn nach ihrem Vorlauf ging weder der hoch gewettete Alquin Elegance (Conny Schulz / 18:10) noch die Co-Favoritin Sugar (Sarah Kube / 24:10) auf die Ehrenrunde, sondern die von André Pögel meisterlich vorgetragene 182:10-Außenseiterin. Und zwar nach einem wahren Finishkrimi, denn die drei Pferde waren am Zielpfosten in 18,2/1.900m nur um Millimeter voneinander getrennt. Entscheidend war der Rennverlauf: Alquin Elegance hatte 1.300 Meter vor dem Ziel die Spitze übernommen und Sugar bekam zwangsläufig die Rolle der Angreiferin zugeteilt. Diese beiden Traber mussten also das Geschehen offensiv gestalten, während Herana rasch in die Traumlage als viertes Pferd außen fand. Die Stute konnte in Sugars Windschatten wichtige Reserven aufsparen, die am Ende den Ausschlag gaben.

Auch im anderen Vorlauf waren die Favoritenrollen klar verteilt: Donald Douglas und sein Besitzer Ulrich Mommert standen bei 16:10, während Othello Jaycee und Hans-Jürgen von Holdt am Toto mit 21:10 notierten. Der Letztgenannte sorgte bei seinen wettenden Anhängern zunächst für eine Schrecksekunde, denn Othello Jaycee geriet im ersten Bogen unvermittelt von den Beinen. Hans-Jürgen von Holdt konnte seinen Schützling zwar ohne großen Bodenverlust wieder ausparieren – doch der Wallach drohte in dritter Spur hängen zu bleiben und so blieb von Holdt nichts anderes übrig, als ihn offensiv in die Schlacht zu werfen. Othello Jaycee nahm also prompt die Verfolgungsjagd auf Donald Douglas auf, der schon eingangs des ersten Bogens in Führung gegangen war. Doch trotz des besseren Rennverlaufs wurden die Beine des Mommert-Trabers im Einlauf müde und Donald Douglas blieb nur der vierte Platz. Othello Jaycee hingegen zog trotz des harten Pensums bis zur Linie durch und wehrte die nachsetzenden Saddlers Titan (Heinrich Wolf) und Crazy for you (André Pögel) in 18,4/1.900m knapp ab.

Der Vorhang für das Finale war damit frei – doch wer Herana aufgrund der voll überzeugenden Vorlaufsleistung unter den Favoriten erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Obwohl die Stute zuvor schon zehn Rennen gewonnen hatte und eine Schwester zu dem Ausnahmetraber Mariannes Diamant (231.594 Euro Gewinnsumme) ist, gehörte sie mit einer Quote von 129:10 erneut zu den dreistelligen Außenseitern. Auf den ersten Metern des Rennens agierte sie nur am Rande des Blickfeldes: Von der Grundmarke aus hatte Saddlers Titan vor Othello Jaycee innen und Donald Douglas außen die Führung übernommen. Dahinter war bereits Sugar zu sehen, die ihre Zulage schnell wettgemacht hatte – und vor den Tribünen gelang nun auch André Pögel der alles entscheidende Schachzug. Denn der mehrmalige Berliner Amateurchampion konnte Herana genauso wie im Vorlauf in den Windschatten der Angreiferin dirigieren. Ab dem Rosenhofbogen machte nun Donald Douglas an der Spitze die Musik und Ulrich Mommerts Seriensieger, der sich gegenüber dem Vorlauf deutlich gesteigert hatte, konnte sich ausgangs der letzten Gegenseite sogar etwas frei machen. Sugar hingegen streckte alle Waffen und wurde ebenso disqualifiziert wie zuvor schon Alquin Elegance, der auf der Startgeraden gar nicht erst zu einer korrekten Gangart zu bewegen war.

Das war das Zeichen für André Pögel, der jetzt Herana entscheidend flott machte: Die Stute kämpfte sich Meter um Meter an den tapferen Donald Douglas heran und schon Mitte des Einlaufs standen die Zeichen für Bernd Kleins Stallcrack auf Sieg. Am Ende reichte der Fünfjährigen eine Kilometerzeit von 17,8/2.020m, um den Gegner mit zwei Längen Vorsprung zu bezwingen. Der dritte Rang ging an Othello Jaycee, der ohne Frage der Pechvogel des Rennens war: Denn Hans-Jürgen von Holdts Schützling saß in der entscheidenden Phase gnadenlos an der Innenkante fest. Als Othello Jaycee ausgangs des letzten Bogens endlich freikam, wurde er noch höllisch schnell – doch die Post war längst abgefahren. Schon deutlicher zurück holte sich Bernd Kleins zweite Stallfarbe Crazy for you, die im Finale Afsoon Amirfallah anvertraut war, hauchdünn vor dem unauffälligen Saddlers Titan das vierte Geld.

Die Aufmerksamkeit des Mariendorfer Publikums ruhte natürlich nicht nur auf dem Hauptereignis, sondern auch auf dem Rahmenprogramm. Und insbesondere auf der Frage, ob Meringo Star – der aktuell siegreichste deutsche Traber der Saison 2011 – den Sack endgültig zumacht. Nun gut, dieses Vorhaben gelang dem Vierbeiner-Helden und seinem Trainer Daniel Goehrke zwar nicht. Doch Meringo Stars Auftritt war keineswegs enttäuschend und er schlug sich als Dritter bravourös. Der Wille war da – doch seine Startschwäche wurde dem Wallach einmal mehr zum Verhängnis. Denn auf dem letzten Kilometer musste Meringo Star, den am Zielpfosten nur eine Halslänge vom erhofften Sieg trennte, sein Handicap mit weiten Wegen durch die Angriffsspuren bezahlen. Viel besser lief es für Blueberrysky (34:10), mit dem sich Michael Nimczyk aus dem ersten Bogen heraus die Führung gesichert hatte und der allen gegnerischen Attacken in der Tagesbestzeit von 17,0/1.900m widerstand. Auf Rang zwei schob sich Donna Key (Daniel Wagner) mit einer Nüsternbreite an Meringo Star vorbei.

Ein weiteres Highlight war die Gewinnsummenklasse bis 20.000 Euro. King of Swing bewies in der Hand von Thomas Heinzig einmal mehr, aus welchem Holz er geschnitzt ist und stürmte als 22:10-Favorit in 17,5/1.900m zum siebenten Saisonerfolg. Der Weg zum Sieg war für den Stallcrack des Berliner Besitzers Peter Gottschalk allerdings kein Spaziergang, denn King of Swing musste sich das Rennen in der Außenspur selbst gestalten. Elton (Benjamin Hagen), der stets in seinem Fahrwasser gelegen hatte, erwies sich auf den letzten dreihundert Metern als überaus unbequemer Gegner und unterlag nach einem spannenden Finish nur mit einer Kopflänge.

Noch einige Zentimeter knapper ging es beim achten Jahreserfolg von Valderrama (47:10) zu, der wie immer von Thomas Buley gesteuert wurde. Der Karlshorster Profi hatte Mana Janeckes Vierbeinerstolz ein ideales Rennen an vierter Stelle außen serviert und der Hengst sah nach einem feinen Sprint Mitte der Zielgeraden bereits wie der klare Sieger aus, als es dann doch noch einmal verdammt eng für ihn wurde. Denn der bis dato eher unauffällige San Sicario stieß hart innen brandgefährlich durch. Doch der Zielpfosten kam für den Angreifer zu früh: Der ungemein zuverlässige und eigentlich nie enttäuschende Valderrama gab den einmal errungenen Vorteil nicht mehr Preis und rettete sich in 17,3/1.900m mit einem hauchdünnen Vorsprung vor San Sicario über die Linie.

Und hier die weiteren Sieger des Mariendorfer Nachmittages: Josef Franzl landete mit Top Photo (17:10) und Pasha Casei (34:10) einen Doppeltreffer. Beide Pferde triumphierten souverän Start bis Ziel. Mit der gleichen Taktik setzte sich der von Benjamin Hagen gefahrene Utopiste du Manoir (41:10) durch. Babilo Bes (52:10) hingegen agierte mit seinem Besitzer Bernd Schrödl zunächst im Mittelfeld und wurde dann auf der Schlusshalben immer stärker. Auch Alessandra (32:10) ging mit ihrem Trainer Daniel Wagner erst auf den letzten sechshundert Metern zu Werke und feierte nach vier Ehrenplätzen hintereinander endlich den längst überfälligen vollen Erfolg, der zugleich eine Rekordsteigerung auf 17,1/1.900m darstellte.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 125.365,65 Euro – Bahnumsatz: 40.884,50 Euro – Außenumsatz: 84.481,15 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am Freitag, 30. Dezember statt. Achtung: Der Beginn ist bereits um 16.30 Uhr!