Bericht vom Trabrennen in Berlin - Mariendorf 2015: Erneut Cash für Cash Hanover

Thorsten Tietz führt Frank Zickmantels Dreijährigen-Star (Foto) zum Triumph im Buddenbrock-Klassiker – und zwar in neuer Rennrekordzeit! Heinz Wewering glänzt im Stutenlauf und in der Entlastung mit den Jauß-Trabern Global Fun und Boss Hoss.   

Berlin, 5. Juli 2015. 

Es war die Stunde der Wahrheit – der Moment, in dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Am Sonntag starrte ganz Traber-Deutschland wie gebannt auf die Mariendorfer Bahn und das mit 25.000 Euro dotierte Buddenbrock-Rennen, um wichtige Erkenntnisse für die am letzten Juli-Wochenende stattfindenden Derby-Vorläufe zu erlangen. Denn der seit 1901 ausgetragene Klassiker hatte sich schon oft als das große Orakel erwiesen. Alleine in den vergangenen fünf Jahren ließen sich drei Buddenbrock-Sieger im Anschluss auch den Derby-Lorbeerkranz umhängen. Und obwohl in einem überaus offenen Jahrgang weiterhin alles möglich ist und die Spannung von Tag zu Tag steigt, so ist nun eines klar: An Cash Hanover, der mit dem Berliner Champion Thorsten Tietz im Sulky zur neuen Rennrekordzeit von 12,6/1.900m stürmte, gibt es kein Vorbeikommen. Der Vierbeinerstolz des Münchner Besitzers Frank Zickmantel, der zusammen mit seinem Sohn Fabian persönlich vor Ort weilte, gehört von nun ab endgültig in jede Rechnung.

„Ich ziehe meinen Hut vor diesem Pferd – die Leistung, die der Hengst heute gezeigt hat, war absolut großartig!“, strahlte Thorsten Tietz gemeinsam mit Cash Hanovers Pflegerin Liza Marlow bei der Siegerehrung. Ein Statement, das man nur unterstreichen kann – der Auftritt des Love-You-Sohnes war einfach superb. Denn der Dreijährige, der wider Erwarten nicht die Führung bekam, sondern den eine Runde vor dem Ziel an die Spitze gegangenen, im Einlauf aber völlig einbrechenden Bohemian Rhapsody (Robbin Bot) in der Pole-Position duldete, musste das gesamte Rennen in der Außenspur bestreiten und streckte dennoch 150 Meter vor dem Ziel endgültig die Nüstern in Front. Das zweite Geld ging an Floyd Fortuna (Conrad Lugauer), der stets im Windschatten des 15:10-Favoriten positioniert war und im Vergleich zu seinem enttäuschenden letztjährigen Mariendorfer Start überhaupt nicht wiederzuerkennen war. Der ADAMAS-Traber wird in seinem Derby-Vorlauf mit Sicherheit eine ernstzunehmende Rolle spielen. Genauso wie der drittplatzierte Rene M Newport (Michael Nimczyk) – die eigentliche Entdeckung des Rennens. In dieser Saison lief für den Hengst der Familie ter Borgh kaum etwas zusammen – doch nun ist er wieder voll da und gehört sogar zum engsten Kreis der Derby-Sieganwärter. Denn der Dreijährige begab sich nach einem Blitzstart an die Innenkante, lag lange im Feld fest und war, als er auf der Zielgeraden endlich freikam, das mit Abstand schnellste Pferd.

Hätte Rene M Newport nicht noch einmal um das halbe Pulk herum gemusst, wäre für ihn sogar noch deutlich mehr drin gewesen. Nur eine Kopflänge dahinter verkaufte sich auch Nikkei (Heinz Wewering) großartig. Der Hengst, der bekanntlich alles andere als ein Blitzstarter ist und vor den Tribünen an siebenter Stelle innen lag, wurde auf der Schlusshalben noch sehr schnell und unterstrich seinen stetigen positiven Trend nachdrücklich. Auch Halva von Haithabu (Thomas Panschow), der auf der ersten halben Runde sogar das Tempo gemacht hatte, und Lordano Ass (Victor Gentz) hielten bis zum Pfosten gut mit. Schon eine sehr deutliche Lücke klaffte zu Prince of Persia (Daniel Goehrke) und Gri Power Jet (Jörgen Sjunnesson). Der von Maik Esper gesteuerte Fox Dragon („Er hat nach dem Rennen ungewöhnlich stark gepustet und war gesundheitlich wohl nicht in Ordnung.“) sah bis in den Schlussbogen hinein chancenreich aus, brach dann aber völlig ein. Ritchirich Diamant (Dion Tesselaar) und Sambuco (André Bakker) spielten zu keinem Zeitpunkt eine Rolle.                       

Exzellente Leistungen wurden aber nicht nur im Buddenbrock-Hauptlauf geboten. Ein überschwängliches Lob hatten sich auch Heinz Wewering und Global Fun nach ihrem Sieg in dem mit 12.500 Euro Preisgeld dotierten Buddenbrock-Stutenlauf verdient. Denn die Glanz-Gala der Stute und der gekonnte Vortrag ihres Fahrers waren einfach großartig. Obwohl Heinz Wewering gegen zehn Gegner die denkbar ungünstige Startnummer elf erwischt hatte („Ich habe die schlechte Nummer sogar selber gezogen!“), fackelte der Ausnahmesportler im knallroten Besitzerdress von Marion Jauß nicht lange und ließ Global Fun schon vor den Tribünen richtig treten. Die angesichts ihres Könnens bei erstaunlichen 23:10 notierte Fuchsstute zog im trotto.de-Bogen an Georgeous Love (Rob de Vlieger) vorbei, April Love (Jorma Oikarinen) lag dahinter an dritter Stelle postiert – und diese Reihenfolge sollte tatsächlich bis zur Ziellinie erhalten bleiben. Global Fun siegte in 14,0/1.900m völlig unangefasst. Nach dieser erstklassigen Performance wird das gesamte Stallteam sicherlich noch einmal ins Grübeln kommen, ob die Stute vielleicht sogar ins Hauptderby gehört.           

Die mit 7.000 Euro Preisgeld dotierte Buddenbrock-Entlastung wurde ebenfalls zur Beute von Heinz Wewering, der mit Boss Hoss siegte. Erstaunlich war nicht nur die Tatsache, dass der ebenfalls für die Jauß-Farben laufende Hengst, der auf der 1.900-Meter-Strecke eine Kilomterzeit von 1:14,6 min. trabte, am Wettmarkt stolze 121:10 stand – sondern ebenso verblüffend war, wie sicher er den 17:10-Favoriten Raffaelo Diamant (Michael Nimczyk) mit einer Länge Vorsprung in Schach hielt. Wewerings Schützling hatte allerdings auch den besseren Rennverlauf auf seiner Seite. Denn während Boss Hoss sofort an die Spitze gegangen war, musste Raffaelo Diamant die letzten tausend Meter in der Außenspur bestreiten. Alle anderen sechs Pferde hatten mit der Entscheidung nichts zu tun – der drittplatzierte Main Heuvelland (Robbin Bot) folgte bereits mit neun Längen Rückstand.

Genau anders herum verlief es für Heinz Wewering und Michael Nimczyk in der Gewinnsummenklasse bis 13.000 Euro, denn hier hatte der Goldhelm mit Ulrich Mommerts Dream Boy As die Nase vorne, während der 29-malige Deutsche Meister mit Adrian Cliv BR Zweiter wurde. In starken 14,9/2.500m ließ sich Dream Boy As, der anfangs kurz die Spitze hatte, den Weg zeigen und erkämpfte sich im Einlauf eine halbe Länge Vorsprung. Michael Nimczyk: „Der Hengst war lange Zeit sehr krank und es ist einfach wahnsinnig, was für eine positive Entwicklung dieses tolle Pferd genommen hat!“ Mit diesem Sieg gab sich Nimczyk aber noch nicht zufrieden - sein zweiter Tagestreffer gelang ihm mit dem Start bis Ziel auftrumpfenden Onemanshow Diamant und nur wenig später führte der Goldhelm auch den auf der Meilenstrecke in 1:14,0 min. auftrumpfenden William Scott auf die Ehrenrunde. 

Say Goodbye – das war für den gleichnamigen Hengst und seinen Trainer Josef Franzl wie schon vor zwei Wochen erneut das Motto. Denn der für die Farben von Rolf Dürr laufende Love-You-Sohn sagte zu seinen Gegnern tatsächlich „und tschüss“ und schlug selbst ein so gutes Pferd wie Neuland (Maik Esper) problemlos mit zwei Längen Vorsprung. Der 15,1/1.900m trabende Hengst hatte elfhundert Meter vor dem Ziel das Kommando übernommen und man darf nach dieser makellosen Vorstellung sagen: Herzlich willkommen im Kreis der Derby-Sieganwärter! Einer, den man in den Vorläufen ebenfalls wiedersehen wird, ist Fonseca Boko, der von seinen Trainer Reinier Feelders ebenfalls offensiv vorgetragen wurde und das auf der Tribünengeraden übernommene Kommando bis ins Ziel nicht mehr abgab. Der niederländische Profi: „Er steckt noch mitten im Wachstum und das Derby kommt daher sehr früh ihn – aber der Wallach ist zweifellos ein sehr gutes Pferd!“      

„Mein Chef Arnold Mollema hatte mir gesagt, dass der Wallach auf dem Rechtskurs bärenstark ist – also worauf sollte ich warten?“, erläuterte André Bakker seine Offensivtaktik mit Captain Rob. Statt an der dritten Position innen liegenzubleiben, dirigierte der Niederländer den Sechsjährigen vor den Tribünen an die Spitze und der Traber absolvierte das Pensum souverän. Die erzielte Zeit war sogar sensationell, denn die Uhren blieben für den Wallach bei 13,2/1.900m stehen. Offensive fahrerische Taktiken waren am Buddenbrock-Renntag ohnehin gefragt, denn auch Andrew Dragon (Maik Esper) und Phantom Eck (André Schiller) gewannen aus der Führungsposition heraus. Nicht nur diese beiden Pferde, sondern auch Sarently As scheinen sich für diese Saison einiges vorgenommen zu haben. Bei ihrem Start-Ziel-Sieg verbesserte die von Werner Schnieder gesteuerte Vierjährige ihren Rekord auf 14,8/1.900m.   

Gesamtumsatz: 202.705,10 Euro - Bahnumsatz: 54.083,00 Euro - Außenumsatz:  148.622,10 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet  am Sonntag, dem 12. Juli statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.

Foto von Marius Schwarz